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Russland: Vor 35 Jahren starb Leonid Breschnew

 

Tablettenabhängigkeit

In der Sowjetunion wurde nie über das private Leben, noch weniger über die Krankheiten der Führungselite gesprochen. So wurde erst nach dem Zerfall des kommunistischen Riesenreiches bekannt, dass bei Breschnew schon Ende 1974 eine beginnende Verkalkung der Hirngefäße, Atherosklerose - krankhafte Einlagerung von Cholesterin und anderen Fetten in die innere Wandschicht arterieller Blutgefäße festgestellt wurde. Doch der Spitzenpolitiker litt auch unter Tablettenmissbrauch. Schon im August 1968 war bei den Gesprächen mit den tschechoslowakischen Kommunisten nicht zu verbergen, dass der Kremlherrscher seine Umgebung nicht mehr wahr nahm. Die Ärzte vermuteten, dass der Parteiboss zu viel Schlafmittel eingenommen hatte. Nach einigen Stunden Schlaf nahm er wieder an den Gesprächen teil, als wäre nichts passiert. Wenn der Staatsführer auch am Anfang die ärztlichen Vorschriften befolgte, halfen ihm dann nahestehende Personen – einige wollten einfach helfen, andere wieder ihm schaden –, mehr Tabletten zu bekommen. Es wurde ihm sogar geraten, die Pillen mit Alkohol zu schlucken. Dies führte dazu, dass der Dienstherr auch tagsüber benommen war.

In seinen letzten Lebensjahren erlitt der sowjetischer Staatsmann, der auch zum berüchtigten Politkommissar (Politruk) ausgebildet worden war, mehrere Schlaganfälle und Herzinfarkte, die seine geistige Auffassungsgabe stark herabsetzten. Trotzdem wurde er wieder an die Spitze gewählt, unter anderem, weil Mitglieder der Nomenklatura ihre Ämter behalten wollten und vor jeder möglichen Veränderung Angst hatten.

Leonid I. Breschnew starb am 10. November 1982 in seiner Datscha in Zaretschje-6. Noch am 7. November, am Tag der Oktoberrevolution, war er aufs Lenin-Mausoleum an der Kreml-Mauer geklettert, um der traditionellen Militärparade beizuwohnen. Salutieren konnte er allerdings nicht mehr. Im März war Breschnew in der Hauptstadt von Usbekistan, Taschkent, gewesen und hatte dort die Flugzeughersteller, genannt nach Tschalow, besucht. Doch die aufgebaute Zuschauertribüne war zusammengebrochen, der Parteichef fiel auf den Rücken und brach sich sein rechtes Schlüsselbein. Die Heilung des Knochenbruches sei nur sehr langsam erfolgt.

Dennoch ist der Parteiboss gleich nach den Feierlichkeiten zur Parade nach Zawidowo bei Moskau gefahren, wo die sowjetische Führungselite ihr Jagdrevier hatte. Selbst konnte der Greis nicht mehr schießen, doch er schaute den Anderen zu. Am 9. November ließ er sich in den Kreml bringen. Was einen Tag vor seinem Ableben in seinem Kabinett abspielte, ist unklar. Sein Personenschützer Wladimir Medwedjew schreibt, dass Konstantin Tschernenko kam, um einige offene Fragen zu besprechen. Doch der Sekretär Oleg Zahharow berichtet, Breschnew habe um Mittag den damaligen KGB-Chef Juri Andropow zu sich gebeten. Worüber gesprochen wurde, ist nicht bekannt. Spät nachmittags ließ sich der Kommunistenführer in seine Datscha bringen, er lebte dort fast immer, obwohl er auch einen Stadtwohnsitz am Kutuzow-Prospekt 26 in Moskau hatte. Der kranke alte Mann soll Quark gegessen und Tee getrunken haben. Dabei hatte er sich über Schwierigkeiten beim Schlucken beschwert. Doch niemand hielt es für nötig, einen Arzt zu rufen.

Wladimir Sobatschenkow kam am Morgen zum Dienstwechsel. Gemeinsam mit seinem Personenschutzkollegen Medwedjew ging er in das Schlafzimmer des Staatschefs um ihn zu wecken. Die Gattin Viktoria Breschnewa saß schon am Frühstücktisch. Die Bodyguards fanden den Generalsekretär in seinem Bett und konnten nur noch seinen Tod feststellen.

Die ganze Welt sah zu, wie der mächtige Genosse langsam aber sicher abbaute und zur Lachnummer wurde. Er hat sogar selber den französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing über seine gesundheitliche Probleme unterrichtet. Trotzdem kam die Todesnachricht unerwartet, das ganze Zentralkomitee der kommunistischen Partei stand unter Schock.

Breschnew wurde mit großen Ehren an der Mauer-Nekropole des Kreml beigesetzt. 44 Offiziere trugen hinter dem Trauerzug auf samtige Kissen seine mehr als 200 Orden, darunter waren vier für die Helden der Sowjetunion und der Siegesorden, der gewöhnlich nur den Personen, die im Krieg gekämpft haben, verliehen wird. Um dem Anführer einen Gefallen zu tun, hatten die sowjetischen Militärs dem Generalsekretär sogar den Rang des Marschalls der Sowjetunion verliehen.

Breschnew war verheiratet mit Viktoria Breschnewa (1908-1995), die er 1925 kennengelernt und drei Jahre später geheiratet hatte. Das Paar hatte zwei Kinder, Tochter Galina (1928-1998) und Sohn Juri (1933-2013). Galina war verheiratet mit dem Ersten Stellvertretenden Innenminister, Generalleutnant Juri Tschurbanow, der in den 80er Jahren Korruptionsgerüchten ausgesetzt war.

Fotos: © Das Baltikum-Blatt / AW.Siebert

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