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Russlands geheime Gefallene

Veröffentlichung der CIT- ZeitschriftVon Aino Siebert

Seit Russlands Präsident Wladimir Putin seinen syrischen Amtskollegen Baschar al-Assad mit Luftangriffen, Waffen und Militärpersonal unterstützt, hat es Berichte über Todesfälle unter russischen Soldaten gegeben. Doch Moskau hält sich, wie schon während des zehnjährigen Afghanistankrieges (1979-1989), mit Informationen über Gefallene zurück, denn die Veröffentlichung der Listen über Soldaten, die in einem fremden Land für einen fremden Herrscher ihr Leben verloren haben, könnte in Russland zu einem Aufstand führen und den Staatsführer Putin das Amt kosten.

Moskau ist mit der syrischen Regierung durch eine Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit verbunden, die zu Zeiten der Sowjetunion begonnen hatte. Als Gegenleistung für militärische und wirtschaftliche Hilfen hatte Damaskus der UdSSR die Nutzung der syrischen Hafenstadt Tartus als Flottenstützpunkt erlaubt. Um Zwischenfälle in dem über fünf Jahre andauernden Bürgerkrieg zu vermeiden, zog Russland im Sommer 2013 sein Militärpersonal aus der Hafenstadt ab.

Seit 30. September vergangenen Jahres mischt Moskau sich jedoch auf Bitten Assads in den syrischen Bürgerkrieg ein. Die Luftangriffe werden von Latakia (Hafenstadt am Mittelmeer) aus gestartet, und deren Ziel sei es insbesondere, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu zerstören. Auch bei Homs im Westen Syriens im Tal des Nahr al-Asi wurden die Aktivitäten der russischen Soldaten beobachtet. Kritiker werfen der russischen Luftwaffe jedoch vor, auch moderate Rebellengruppierungen und Zivilisten anzugreifen. Im August wurde bekannt, dass Russland den Stützpunkt Ḫumaymīm zu einer Militärbasis ausbauen will.

Der russischen Expeditionstruppe gehörte eine unbekannte Anzahl Sondereinsatzkräfte an. Experten schätzen die Zahl auf 2000 Mann. Etwa 400 russische Söldner seien aus der Ostukraine nach Syrien gegangen, Dutzende sollen dort getötet worden sein. Vor rund einem Jahr erklärte Admiral Wladimir Komojedow deutlich, dass Freiwillige nicht daran gehindert werden können, in Syrien zu kämpfen und um dabei noch gutes Geld zu verdienen.

Unübersichtliche Lage

Da die Lage recht unübersichtlich ist, will das russische unabhängige Team zur Ermittlung von Kriegskonflikten (Conflict Intelligence Team / CIT) www.citeam.org um den Blogger Ruslan Lewijew die gefallenen Soldaten aus der Anonymität herausholen und sucht unter Anderem in sozialen Netzwerken nach Informationen, um zu beweisen, wie blutig Putins Militärintervention in Syrien in Wirklichkeit ist.

Schon kurz nach der offiziellen Meldung über die Verlegung der russischen Truppen in das Assad-Reich fanden die Lewijew-Ermittler heraus, dass ein junger Soldat, der 19-jährige Vadim Kostenko, für Putins Angriffspolitik sein Leben verloren hat. Er soll am 24. Oktober vergangenen Jahres verstorben sein. Seine sterblichen Überreste wurden aus Syrien mit einem Frachtflugzeug nach Russland überführt. Die offiziellen Seiten behaupteten zuerst, der Junge habe Selbstmord begangen, danach wurde aber eine andere Version aufgetischt – Vadim sei erschossen worden. Auf dem „vk.com“-Profil des getöteten Soldaten hat das CIT unter Anderem einen Hinweis auf seine Einheit gefunden: 20926 Rostow ist eine Ausbildungstruppe des russischen Militärs. Kostenko hatte seinen Wehrdienst im Juni 2015 beendet und sich gleich am Luftwaffenstützpunkt Primosko-Achtarski im südrussischen Bezirk Krasnodar (an der Küste des Asowschen Meeres) für den Einsatz in Syrien verpflichtet. Alle im Syrien-Krieg eingesetzten Militärflugzeuge vom Typ Suchoi 25 stammen aus dem dortigen 960. Regiment.

Nun haben die CIT-Beobachter auf dem Friedhof von Solnetschnogorsk bei Moskau zwei Gräber von Offizieren der russischen Spezialeinheit entdeckt. Auch diese beiden, Oleg Archirejew und Maxim Sorotschenko, sind während der Kampfhandlungen in Syrien gefallen. Das Verteidigungsministerium in Moskau führt ihre Namen jedoch nicht auf der Liste der in Syrien getöteten russischen Kämpfer. In Solnetschnogorsk befindet sich die Zentrale der Sonderoperationen Senesch (SSO) der russischen Streitkräfte (Einheit Nummer 92154). Die Angehörigen sollen den Mitarbeitern des CIT berichtet haben, dass die beide Kapitäne bei einem Kampfeinsatz in Syrien gefallen seien.

Tod von 20 Soldaten amtlich bestätigtVadim KostenkoVadim Kostenko

Bis jetzt hat das russische Verteidigungsministerium amtlich den Tod von 20 Soldaten bestätigt. Unter anderem wurde am 1. August nach dem Abschuss des Helikopters [ vom Typ Mi-8 in der Provinz Idlibi bekannt gegeben, dass drei Besatzungsmitglieder und zwei Offiziere ums Leben kamen.

Am 12. August gab der Chef der zu Russland gehörenden nordkaukasischen Republik Kabardino-Balkarien, Juri Kokow, über Instagram bekannt, dass Asker Bischojew in Syrien gefallen und posthum mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet worden sei. Moskau hat die Meldung nicht kommentiert. Das Verteidigungsministerium hat den Tod des Veteranen Sergei Tschupow nicht bestätigt, obwohl seine Kameraden darüber berichtet haben.

Archirejew soll schon am 9. Juni 2015 gefallen sein, also noch bevor Putin Assad die offizielle Unterstützung zugesagt hatte. Im CIT-Report befindet sich ein Foto von Archirejews letzter Ruhestätte. Er soll in Syrien als Maschinengewehrschütze gedient haben. Bei einer Explosion verlor der Russe beide Beine und eine Hand, zwei Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen. Auch Bekannte des Gefallenen bestätigten in den sozialen Medien, dass Archirejew in Syrien auf eine Mine getreten war. Ein Kranz von den Kameraden der Militäreinheit 01355 beweist, dass der verstorbene Offizier seinen Militärdienst in der SSO geleistet hatte. Diese Truppe ist eine Einheit der 346. Brigade des russischen Militär-Nachrichtendienstes.

Der Ex-Kommandeur der russischen Streitkräfte in Syrien, Generaloberst Alexander Dwornikow (seit Juli leitet Generalleutnant Alexander Schurawljow den Einsatz), hat ebenso bestätigt, dass die SSO-Soldaten aktiv an den Landoperationen in Syrien teilgenommen haben. Ihre Aufgabe sei es, vor den Luftangriffen die Ziele auszuspähen und andere Sonderaufgaben zu erledigen.

Kapitän Sorotschenko sei dem CIT-Bericht zufolge am 19. November 2015 gefallen. Wie er verstorben ist, ist nicht bekannt, auch fehlt über seinen Tod eine offizielle Bestätigung. Dass der Russe in der SSO diente, beweist das Militärzeichen an seinem Grabstein.

Am gleichen Tag ist noch ein anderer Offizier gefallen, Kapitän Fjodor Churawljow. Auch er lebte dem Nachrichtendienst Reuters zufolge in Solnetschnogorsk, wo sich die Zentrale Senesch der SSO befindet. Als Putin bei einer festlichen Veranstaltung im März im Kreml den Witwen der Gefallenen sein Beileid aussprach, war auch Julija Churawljowa dabei.

Im April wurden die Ehefrauen der in Syrien gefallenen Offiziere von Generalmajor Andrei Kazakewitsch ausgezeichnet. Sie bekamen auch die Wagenschlüssel ausgehändigt. Dabei war neben der schon erwähnten Julia Churawljowa die Witwe von Alexander Prochorenko, Jekaterina Lapschina. Lolita Sorotschenko nahm die Auszeichnung für ihren Ehemann Maxim entgegen.

Der russischen Zeitung Rossiskaja Gazeta zufolge sind fast alle SSO-Angehörigen in Syrien Offiziere, ihr Dienst ist in dem arabischen Staat ist vertraglich geregelt.

(Quellen: CIT/Delfi/Wikipedia/Reuters/Rossiskaja Gazeta)

Fotoquellen: CIT

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