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Russland: Meinungsunterschied zwischen Piloten verursacht Flugzeugabsturz

Boeing 737-800 der FlyDubaiBoeing 737-800 der FlyDubaiNach dem Flugzeugabsturz in der südrussischen Stadt Rostow am Don am 19. März sind die Ermittler inzwischen davon überzeugt, dass der Pilot vorhatte, auch den zweiten Landeanflug abzubrechen. Der Flugzeugführer der Maschine Boeing 737-800 der Billigfluglinie FlyDubai (Flug FZ981) hatte nach einem ersten fehlgeschlagenen Landeanflug zunächst zwei Stunden über der Region um den Flugplatz gekreist. Als er nach einem missglückten zweiten Landeanflug eine weitere Warteschleife durchstarten wollte, soll es zu einem Streit zwischen den Piloten gekommen sein, der letztendlich zu der Tragödie führte, berichtet die russische Zeitung Kommersant. Bei der Absturz starben alle 62 Insassen: 55 Passagiere und sieben Besatzungsmitglieder.

Dem Zeitung zufolge hatte einer der Piloten in etwa 270 Meter Höhe und sechs Kilometer entfernt von der Landebahn den Knopf TOGA (Take off / Go around) gedrückt zum Durchstarten in eine neue Warteschleife. Die automatische Steuerung war vorher ausgeschaltet worden, die Boeing wurde manuell gesteuert. Die Flugexperten gehen davon aus, dass die Piloten dabei aber eine spezifische Reaktion der Maschine außer Acht ließen: Bei ausgeschalteter Automatik kann sich das Flugzeug aufbäumen, das heißt steil hoch gehen und dabei an Geschwindigkeit verlieren. Der zyprische Kapitän Aristos Sokratous, beharrte auf dem steilen Aufstieg der Maschine und versuchte die Geschwindigkeit zu erhöhen, indem er den Schub der Triebwerke steigerte. Sein spanischer Co-Pilot Alejandro Álava Cruz meinte dagegen, dass vor dem Hochsteigen zunächst die Flugzeugnase nach unten gebracht werden sollte, um Maschine in eine normale Fluglage zu bringen. Als die Boeing plötzlich steilnach oben zog, die Strömung an den Tragflächen abriss und das Flugzeug dabei an Höhe verlor, schrie der Co-Pilot im Cockpit: „Stop! Wohin fliegst du? Stop! Stop! Stop!“ Der Flugoffizier versuchte noch gegenzusteuern, was die Situation laut dem Bericht der russischen Ermittlern weiter verschlimmerte.

Wegen der Differenzen zwischen den beiden Piloten hinsichtlich der Maßnahmen beim Durchstarten ging die Maschine abschließend aus 250 Metern Höhe in einem steilem Winkel mit einem Geschwindigkeit von 325 Kilometern pro Stunde zu Boden. Aus der niedrigen Höhe waren es bis zum Aufschlag nur einige Sekunden. Auf dem Band des Flugschreibers ist zu hören, wie beide Piloten vor Entsetzen schreien.

Dem Chef des Fluggesellschaft, Ghaith Al Ghaith zufolge hatten beide Piloten der Unglücksmaschine rund 5700 Stunden Flugerfahrung. Die Fluglinie aus Dubai ist seit 2009 tätig. Für die Gesellschaft war es der erste Absturz.

Zur Erinnerung:

Die Maschine der Billigfluglinie FlyDubai war am 19. März unterwegs aus Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) nach Rostow am Don in Süd-Russland, als sie um 00:41 Uhr in einem steilem Sinkflug auf die Start- und Landebahn des Flughafens aufschlug, zerbrach und in Flammen aufging.

Vorher flog die Maschine zwei Stunden lang Warteschleifen (Holding) und in etwa 4500 Meter Höhe. Um 00:28 Uhr begannen die Piloten einen zweiten Landeanflug, brachen diesen aber um 00:40 Uhr in etwa 460 Metern ab und versuchten durchzustarten. Die Sichtverhältnisse waren gut, doch der starke Wind hatte die planmäßige Landung behindert.

Warum der Flieger nicht umgeleitet wurde, ist unklar. Nach dem Unglück war ein Flugzeug der russischen Fluggesellschaft Aeroflot nach drei erfolglosen Versuchen auf dem Airport von Rostow am Don zu landen nach Krasnodar weiter geleitet, genau so wie eine Czech Airlines-Maschine aus Prag. Ein Flieger der Turkish Airlines kehrte aus Süd-Russland nach Istanbul zurück.

Am Bord der Unglücksmaschine waren außer den Crewmitglieder vorwiegend russische Touristen. Neben Russen reisten noch acht Ukrainer, zwei Inder und ein Usbeke in die Heimat zurück. (asie/wesie)

Foto: © von Wedelstaedt / Wikimedia

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