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Russische Milliardärin kritisiert Wirtschaftspolitik des Kremls

Jelena BaturinaJelena BaturinaDie einzige Milliardärin Russlands, Jelena Baturina gab dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein Interview (Heft 28/2015). Sie ist die Ehefrau des früheren Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, der vor fünf Jahren gestürzt wurde. Die steinreiche Unternehmerin lebt in London, genießt ihr Leben aber auch in österreichischen Kitzbühel.

Im Spiegel-Interview kritisiert die ehemalige First Lady von Moskau mit scharfen Worten die Wirtschaftspolitik von Präsident Wladimir Putin und seines Ministerpräsidenten Dmitri Medwedjew.

"Dass angeblich die niedrigen Ölpreise und die westlichen Sanktionen wegen des Ukrainekonflikts an allem (gemeint ist die schlechte haushälterische Zustand des Landes) schuld sind, ist doch Unfug. Russland geht es schlecht, weil unsere Wirtschaftspolitik auf der Stelle tritt. Wir ruhen uns schon viel zu lange auf den hohen Ölpreisen aus", so die Magnatin. Die westliche Zwangsmaßnahmen treffen ihrer Meinung nach vor allem Privatunternehmen und kleine Firmen, die sich nicht auf die Hilfen der russischen Politelite in Kreml verlassen können.

Die Wirtschaft brauche gute Rahmenbedingungen, dann kämen auch Finanziers nach Russland. "Wer aber Hürden aufbaut und nur seinen Freunden Aufträge zuschanzt, wie das heute der Fall ist, vertreibt das Kapital aus dem Land."

Doch in der Krim-Frage verteidigt Baturina die Politik von Putin: "Ich bin Russin, und für uns Russen war, ist und bleibt die Krim russisch." Ihre Meinung nach, wurde die zu der Ukraine gehörende Schwarzmeer-Halbinsel nicht annektiert: "Europa hat sich bei der Abspaltung des Kosovo von Serbien auch nicht um das Völkerrecht geschert".

Trotz Kritik an die Wirtschaftspolitik des Landes hat sich von Erfolg gekrönte Unternehmerin aber von der Putinschen Diktatur innerlich nicht distanziert. Sie fühlt sich nur vom Kreml ungerecht behandelt und beklagt: "Solange mein Mann Oberbürgermeister war, haben wir in allen Gerichtsverhandlungen gewonnen, nach seinem Rücktritt fingen wir an zu verlieren. So ist das wohl mit dem russischen Rechtssystem." Ferner meint Baturina, dass ihr Mann von System Putin gestürzt worden ist, weil er Medwedjew die Rückendeckung für eine zweite Amtszeit verweigert hat.

Die 52-Jährige Oligarchin will auch von Korruptionsvorwürfen nichts wissen. Sie habe auch ihr Vermögen nicht der Ehemann zu verdanken, sondern auf ihre richtige Entscheidungen und etwas Glück.

In Russland wird die Korruption der Oligarchen allgemein nicht infrage gestellt. Außer, sie stellen sich gegen die Regime Putin-Medwedjew. Nach der Zerfall der Sowjetunion 1991 haben rund 20 Personen 39 Prozent des Landeswirtschaft an sich gereist und sind über Nacht Milliardäre geworden.

www.spiegel.de

Foto: Pinskibob. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

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