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Renaissance der Sowjetideologie

Bild von Pawlik MorosowBild von Pawlik MorosowVon Aino Siebert

Die 1991 zerfallene Sowjetunion hat mit Desinformationen jahrelang großangelegte Täuschungsmanöver betrieben, um die öffentliche Meinung im eigenen Land und im Ausland irrezuführen. Vergessen ist die Zeit der unvorhersehbaren Konsequenzen, die daraus gefolgt sind. Sie machten das kommunistisches Land zum Opfer seines eigenen Betrugs. Die jetzigen Herrscher und Sowjetnostalgiker in Russland wollen daraus jedoch keine Lehre ziehen. Dies bestätigen viele amtliche Aussagen aus der Kreml, aber auch Veranstaltungen wie alljährliche Sommerlager der kremltreuen Jugend am Seligersee (Waldaihöhen im Bezirk Nowgorod) und das Jugendlager „Sojuz“ (Union) in Kirgisistan, organisiert von Menschen, welche der „guten“ Sowjetdiktatur nachtrauern. Um ihre persönliche Ziele zu erreichen, sind sich die Erwachsenen nicht mal zu schade mit derartigen Desinformationsmethoden des KGB (ehemalige sowjetische Geheimpolizei) den heutigen Nachwuchs auszubeuten.

Jugendcamp Sojuz umerzieht die Jugend zu Sowjetmenschen

Die Zeiten der Lügerei und Schönrederei sind keinesfalls passé. Im August wurde in Kirgistan, in der früheren Teilrepublik der Sowjetrepublik, ein Jugendcamp „Sojuz 2014 – Erben des Sieges“ organisiert, wo minderjährigen Russen Vorlesungen über die frühere Macht der Sowjetunion, die aktuelle Gefahr durch NATO und die verwirrende Politik der baltischen Staaten angeboten wurde. Dies berichtet das litauische Portal Delfi. Laut Veranstalter stehen Estland, Lettland und Litauen demonstrativ auf der Seite der westlichen Militärallianz, deren Aktivitäten sich gegen Russland richten. Konkretisiert wurden die Vorwürfe nicht. An der Veranstaltung nahmen auch russischsprachige Jugendliche aus Estland, Lettland und Litauen teil, organisiert von dem ehemaligen lettischen Afghanistan-Kämpfer Sergei Ivans.

Der Zeitung „Russkaja Gazeta“ (Russische Zeitung) zufolge ist das Projekt geopolitisch. Ein Teil des veröffentlichten Medienberichtes war ukrainischen Kindern gewidmet, die mit ihren Lehrern aus Kiew angereist waren. Die Jugendliche zeigten sich, so die Zeitung, als Nachfolger der siegreichen (Sowjet)-Soldaten. Denn im Jugendcamp lernten die Kindern auch die taktische Vorbereitung zur Kriegsführung. Die minderjährigen Teilnehmer durften aus pneumatischen Waffen schießen, sie wurden bei Übungen von Berufsoffizieren aus der Sondereinheit ALFA des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB betreut. Die Truppe beschäftigt sich mit dem Einsatzschwerpunkt Terrorismusbekämpfung.

Einer der Organisatoren, der früher als Instruktor der sowjetischen Spezialeinheiten seinen Unterhalt verdiente und jetzt angeblich als erfolgreicher Geschäftsmann agiert, Oleg Bakanatsch, sagte dem Portal „News-Asia.ru“ direkt, dass es das Ziel der Jugendcamps Sojuz sei, die sowjetische Zeiten neu zu beleben, die russische Jugend, die jetzt in den ehemaligen Sowjetrepubliken lebt, aufzuwecken und sie für die neue (zukünftige) Sowjetunion zu begeistern. Das Nachrichtenportal bringt noch vor, dass die Kinder aus den baltischen Staaten und der Ukraine über die Umwege in das Lager gebracht worden seien.

In dem Jugendcamp Sojuz war auch der Gründer des Propagandakanals ANNA-News, Marat Musin, anwesend. Er widmete sich in seinen Vorträgen, im Sinne des kommunistischen Nostalgie und mit contra westlichen Parolen, den Ereignissen auf dem Kiewer Maidan und in der Ostukraine. Sein Portal verbreitet einseitige Informationen, die deutlich einen sowjetischen Propagandatouch haben. Die Deutsche Doreen Blask beklagt in einem Video zum Beispiel, dass die bundesdeutschen Bürger „nach tatsächlicher Information selber in verschiedenen Quellen recherchieren müssen“. Ein Leckerbissen für ein Manipulationsmedium. Frau Blask aus Deutschland antwortet nur auf suggestive Fragen der Moderatorin und berichtet nicht, dass es in der Demokratie freilich frei ist seine Meinung zu äußeren und es dementsprechend auch viele Informationen und Ansichten gibt. Im Westen besteht keine einheitliche, staatlich kontrollierte und zensierte Presse wie in Russland, jede Bürger hat die Freiheit sich aus vielen Informationen seine eigene Meining zu bilden. So können sie qualifiziert an demokratische Prozessen des Staates aktiv mitwirken. Dies ist auch der Sinn der Demokratie, Wortfreiheit ist eine der wichtigsten Menschenrechte und Werte unseren Gesellschaft überhaupt.

Es ist nicht schwer zu verstehen, dass der Ziel des Portals ist, Menschen zu finden, die sich zur Destabilisierung der Länder der zerfallenen Sowjetunion und Verleumden der westlichen Werten instrumentalisieren lassen. Dies bestätigen auch andere Videos, die auf der Portal zu finden sind.

Gehirnwäsche beginnt schon im Kindesalter

Vor kurzem verstorbene Wolfgang Leonhard hat über die sowjetische Gehirnwäsche ein wunderbares Buch „Die Revolution hinterlässt ihre Kinder“ geschrieben, der bis heute als politisches evergreen gilt und immer noch per Ebay oder Amazon zu kaufen ist.

Täuschungsmanöver als Machtinstrument gehörten schon zum Vermächtnis des ersten Sowjetführers Wladimir I. Lenin und sind bis heute ein Teil der offiziellen Politik Russlands. Beim der KGB existierte das „Desinformationsbüro“, es wurde von der Nachfolgeorganisation FSB übernommen. Von dort aus werden professionell irreführende Fehlinformationen gesteuert. Im Geheimdienst sitzen Experten, die alle Tricks der Manipulation kennen. Der wohl berühmteste KGB-Agent für Falschinformationen war Vitali J. Lui, genannt Viktor Louis. Seine Berichte wurden in vielen namhaften westlichen Zeitungen veröffentlicht und niemand merkte, dass er beauftragt war, Verwirrung zu stiften, Lügen auszustreuen und den Ruf der Regimekritiker zu untergraben. Der Russe war bei der KGB-Kampagne zur Diffamierung von Stalin-Tochter Swetlana Allilujewa als Hauptakteur beteiligt. Der Manipulator flog erst nach dem Überlauf von KGB-Majors Juri Nosenko im Jahr 1964 nach Westen auf.

Traurige Lüge über Bauernjunge Pawlik
Wenn schon Erwachsene so leicht auf die falsche Fährte zu locken sind, wie können dann Kinder unterscheiden, was richtig oder falsch ist. Jede Kind kennt noch heute die Geschichte von Pawlik Morosow. Der vierzehnjähriger Held der Sowjetunion wurde nur deswegen glorifiziert, weil er seinen Vater, einen angeblichen Kulaken im Jahr 1932 denunzierte. Diese idealisierte Verrat eines Kindes war gleichzeitig eine große Lüge, doch diese Erfindung hat Jahrzehnte erfolgreich überlebt. Jeder Sowjetbürger, auch Minderjährige, so wollte die sowjetische Führung, sollte der grausame Tat von Pawlik nacheifern und gleichzeitig an diese politische Lüge glauben.

Während der Verstaatlichung und Enteignung der 1930er Jahren sind zehn Millionen Bauern von sowjetischen Geheimpolizei brutal ermordet oder in Arbeitslagern (GULAG) verschleppt worden. In dem Dorf Gerasimowka (Bezirk Swerdlowsk in Ural) gab der Vater des Knaben einigen von Verfolgten Unterschlupf. Sein Sohn war jedoch in der Schule zu einem guten Pionieren (Jungkommunisten) erzogen worden und kannte seine kommunistische Pflicht. Er handelte, wie es der Sowjetstaat von ihm erwartet hat, in dem er seinen Vater entlarvte. Der Landwirt Morosow wurde verhaftet und bekam seine „gerechte“ Strafe. Pawlik und seinen Bruder Fjodor haben die von Vater versteckte Kulaken wegen Denunziation erschlagen. So die offizielle Version.

Die Wahrheit sah ganz anderes aus. Der Vater hatte für seine hungernde Familie ein paar Sack Korn vor der staatlichen Requirierungskommission geheim gehalten und der Bauernbub hat ihn wegen des Versteckens von Getreide angezeigt. Der rote Diktator Jossif W. Stalin wollte mit dem Unterdrückungsinstrument „Hunger“ die ländliche Bevölkerung in die staatlichen Kollektivwirtschaften, genannt Kolchosen, zwingen. Die Menschen hungerten, viele haben Lebensmitteln zur Seite gelegt. Bauer Morosow wurde von der OGPU-Funktionären (Vereinigte staatliche politische Verwaltung) sofort erschossen. Pawlik selbst wurde, wie auch sein Bruder Fjodor im September 1932 tot in einem westsibirischen Wald aufgefunden. Sein Schicksal diente zur Rechtfertigung und propagandistischen Durchsetzung der Enteignung des Bauerneigentums.

Der russische Journalist Juri Druschnikow verfolgte den Fall seit Mitte der 1980er Jahre und kam zu dem Schluss, dass vieles dafür spreche, dass die Morosow-Kinder nicht von, durch den Verrat aufgebrachte Bauern, sondern von örtlichen Geheimpolizei getötet wurden und ihr Tod mehreren „reaktionären Kulaken“ des Dorfes angelastet wurde, die sich lange gegen die Gründung der Kolchosen gewehrt hatten.

In der Zeiten der Perestroika wandelte sich Pawlik vom Helden zum Judas, denn nun rückte sein Verrat an der eigenen Familie in den Vordergrund.

Die Wahrheit passte natürlich nicht zu den glorreichen Geschichte der Sowjetunion, die alles, was nicht in die amtliche Ideologie passte, verschleierte. Die Offiziellen pflegten das Haus in dem der Sohn den Vater verraten hat, als heilige kommunistische Gedenkstätte. Viele Jugendorganisationen wurden nach Pawlik Morosow genannt und die Jungkommunisten waren verpflichtet sein Tat zu ehren.

Foto: Quelle: Wikipedia

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