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Moralischer Triumph für Michael Chodorkowski

Michail ChodorkowskiMichail ChodorkowskiGestern verurteilte ein Schiedsgericht in Den Haag die Russische Föderation dazu, 50 Milliarden Dollar an die früheren Aktionäre des Yukos-Konzerns zu zahlen. Ein später Triumph auch für Michail Chodorkowski. Der ehemalige Chef von Yukos, der wegen seine Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin zehn Jahre in Arbeitslagern verbrachte, profitiert selbst nicht finanziell von dem Urteil. Als der frühere Ölmilliardär in Haft kam, hatte er seine Firmen-Anteile abgegeben.

Doch der Putin-Gegner kann sich nun zurecht moralisch freuen, denn das Schiedsgericht urteilte, dass die Zerschlagung des Energieriesen und die Entfernung Chodorkowskis aus der politischen Landschaft das vorrangige Ziel des Staates gewesen sei: „Russische Gerichte beugten sich dem Willen der Exekutive, um Yukos in den Bankrott zu treiben“, heißt es im Urteil. Damit bestätigen die Richter Chodorkowskis Version der Geschichte, der stets beteuerte, die Anschuldigungen gegen ihn seien fabriziert gewesen.

Erst kürzlich veröffentlichte Chodorkowski sein – noch im Straflager geschriebenes – Buch „Meine Mitgefangenen“, in dem er – eingebettet in Portraits seiner Mitgefangenen – hie und da auch deutliche Worte findet, z.B. „ … es ist abwegig, sich von ‚Sicherheit‘ etwas Positives zu erhoffen, wenn das gesamte politische Regime allmählich zu einer Meute gieriger, böser Ratten wird“ (Seite 76).

Das Buch, das kürzlich im Berliner Verlag Galiani erschienen ist, ruft insgesamt zur zivilgesellschaftlichen Umgestaltung  Russlands auf, schildert das korrupte Unrechtssystem der russischen Justiz (und Gesellschaft) und beschreibt auch Akte der Würde und Zivilcourage an einem Ort, an dem niemand sie vermuten würde.

„Chodorkowski seziert in Gefängnisgeschichten eine ganze Gesellschaft“, urteilte Spiegel Online, „seine kurze, präzisen Portraits sind Parabeln des Schreckens und des Mitgefühls. (…) Sein klarer, unbestechlicher Blick auf die Verhältnisse und seine Mitmenschen verraten einen sensiblen Beobachter und brillanten Analytiker sozialer Zustände“, befand die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die heutige Frankfurter Rundschau ehrt das Haager Urteil mit einer Doppelseite zum Buch.

Foto: Tatjana Makejewa / Verlag Galiani

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