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Nicht alle Medienvertreter sind bei Anti-Homo-Konferenz willkommen

Das Magazin "Compact" hat queer.de-Chefredakteur Norbert Blech ohne Angabe von Gründen eine Akkreditierung für das Seminar "Für die Zukunft der Familie!" am 23. November in einem Kongresszentrum am Leipziger Flughafen verweigert .

Der Journalist hatte bereits vor zwei Wochen ein entsprechendes an die Presse gerichtetes Formular auf der Webseite der Konferenz ausgefüllt. Da das "Compact"-Magazin bei der privaten Veranstaltung Hausrecht besitzt, kann sich queer.de nicht gegen die Entscheidung wehren.

Queer.de hatte als erstes größeres Medium am 4. September über die geplante Veranstaltung berichtet, unter dem Titel Konferenz gegen Homo-Ehen in Leipzig. In Folge griffen auch zahlreiche Medien wie Spiegel Online das Thema auf. Der Leipziger Kongress wird in Zusammenarbeit mit dem "Institut de la Démocratie et de la Coopération" (IDC) veranstaltet, einem Think-Tank mit Sitz in Moskau, Paris und New York und wohl der pro-russischen Berichterstattung dient. In Paris war unter anderem die Duma-Abgeordnete Jelena Misulina zu Gast. Sie ist Autorin des Gesetzes gegen Homo-"Propaganda".

Ohnehin sind die Russland-Verbindungen auffällig. So gibt es einen russischen Block: " Abgeordnete der Duma werden über die Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik berichten", heißt es auf der Konferenzseite über einen Besuch von noch nicht namentlich genannten Parlamentarier. Dann folgt mit Andrej Sikojev ein Priester der russisch-orthodoxen Kirche in Berlin. Dieser hatte sich bei der Fundamental-Katholikin Gabriele Kuby für ihr unter anderem homophobes Buch "Die globale sexuelle Revolution" mit den Worten bedankt, dieses biete eine "fundamentale Gesamtanalyse des Phänomens" und "dem besorgten und wachen Leser viele kluge und gute Anregungen für den praktischen Widerstand". Kuby selbst hatte sich kürzlich einen großen Widerstand gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe wie in Frankreich gewünscht.

Während der ursprünglich angekündigte CSU-Rechtsaußen Norbert Geis nicht mehr auf der Rednerliste auftaucht, sind unter anderem Referate von Eva Herman (zum vermeintlichen Thema "Gender Mainstreaming") und von Thilo Sarrazin angekündigt, der in einem "Compact"-Interview von "Tunten" gesprochen hatte und den Begriff "Ehe" für Lebenspartnerschaften ablehnte: "Das ist ungefähr so, als würde man ein 'Faultier' als 'Löwe' bezeichnen." Denn Ehe und Lebenspartnerschaft hätten "unterschiedliche Eigenschaften", so Sarrazin damals.

Die Äußerungen des Provokateurs hatten für einigen Medienwirbel gesorgt (queer.de berichtete), dabei sind die eher unbekannten Redner der Konferenz das vielleicht größte Problem: So spricht unter anderem Béatrice Bourges, eine der Kernfiguren des französischen Widerstands gegen die Ehe-Öffnung. Auch noch namentlich nicht genannte russische Duma-Abgeordnete sind angekündigt, inzwischen mit Frauke Petry zudem eine Sprecherin der "Alternative für Deutschland"."Compact"-Chef Elsässer schrieb nach der Medienkritik in seinem Blog von einer "Lobby-Agitation" gegen die Konferenz: "Unterstellt wird für schlichte Gemüter, COMPACT sei homophob, und unsere verehrten Referenten seien es auch. Das Gegenteil ist der Fall!" Auch auf der Konferenzseite hieß es:

Mit Bezug auf einige Redner haben uns Missversteher in etablierten Medien vorgeworfen, wir würden eine Konferenz "gegen Homosexualität" veranstalten. Das Gegenteil ist der Fall! Wir sind gegen jede Diskriminierung von Sexualität und neuen Lebensformen und begrüßen die erreichte Vielfalt in unserer Gesellschaft.

Dann heißt es freilich:
Und dennoch müssen wir – Staat, Gesellschaft, jeder einzelne – die Frage klären, ob der besondere Schutz der Familie, den unser Grundgesetz verlangt, nicht verteidigt und durch gezielte Maßnahmen viel mehr unterstützt werden muss. Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann nämlich neues Leben hervorgehen, nur diese Verbindung gewährleistet also die biologische Fortexistenz der europäischen Völker. Nur wenn die "sexuelle Umerziehung" gestoppt wird, werden Jungen und Mädchen stabile Charaktere und stabile Liebesbeziehungen bilden können. Das hat nichts mit "homo" oder "hetero" zu tun, hier geht es um die Gefahren aus der Pornographisierung und der Gender-Mainstream-Verunsicherung für unsere Kinder.

Seitdem hat Elsässer in seinem Print-Magazin unter anderem einen Text von Eva Herman abgedruckt, in dem sie behauptet, die Aufnahme des Merkmals sexuelle Identität in den Gleichheitsartikel 3 des Grundgesetzes könnte ein Einfallstor "für die Legalisierung des Kindsmissbrauch" sein, da der Begriff "nicht nur Homos, Transgenders und Intersexuelle" umfasse.

Auch druckte er einen Standpunkt des Kinderbuchautoren Bernhard Lassahn ab, der vor allem durch "Käptn Blaubär" bekannt wurde und in Leipzig als Referent auftreten soll. In seinem "Manifest zur Rettung der Familie" heißt es, bei der Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften gehe es um die "Dekonstruktion von Liebe, wie wir sie bisher verstanden haben, nämlich als Liebe von Mann und Frau." Letztlich führe die Gleichstellung auch zu der von "Pädophilie, Inzest, Polyamorie, Zoophilie" sowie der Liebe "zu sich selbst sowie zu Gurken und Bananen."

In einem aktuellen Video-Interview sagt auch Elsässer, die Ergänzung des Artikel 3 öffne die "Büchse der Pandora", da unter "sexuelle Identität" auch Nekrophilie oder Sex mit Tieren fiele, um sich dann wie auch andere Redner zu beschweren, mit Sätzen wie diesen nicht mehr als politisch korrekt oder als homophob zu gelten (ab 11:35): Leserkommentare auf der "Compact"-Webseite und im Blog von Elsässer lassen erahnen, dass solche Worte durchaus Zuspruch finden; zudem wird die Konferenz per Banner im Hetz-Blog "Politically Incorrect" beworben. Zu dem Kongress sind diverse Gegenveranstaltungen geplant, eine genaue Aufstellung folgt in den nächsten Tagen.

Quelle: Queer / Mit freundlicher Genehmigung

 

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