Das Baltikum-Blatt

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Lutz Dettmann schreibt eine Liebesgeschichte aus Estland vor historischem Hintergrund

Veröffentlicht: 28. Oktober 2013

"Anu" - Buchcover der deutschen AusgabeIm August 2012 erschien im Münchener Universitas Verlag der neue Roman von Lutz Dettmann, „Anu - Eine Liebe in Estland“. Wenn auch der Titel und die Umschlaggestaltung dem Leser zunächst einen Liebesroman suggerieren, wird der Bücherwurm, sofern er den Klappentext studiert, feststellen, dass dieses Buch nicht eine Story voller Herz-Schmerz-Kitsch, wie viele andere Bücher dieses Genres ist, sondern viel mehr. Erzählt wird die Geschichte eines Deutschbalten und einer Estin vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Zeit währen des erneuten sowjetischen Einmarsches und der Okkupation des kleines baltischen Landes bis zum Juni 1945.

Christoph Scheerenberg, Sohn deutschbaltischer Immigranten besucht im Sommer 1938 seine Großtante im estnischen Hauptstadt Tallinn und begibt sich auf die Suche nach seiner Kindheit in Estland. Auf die Insel Hiiumaa eingeladen, lernt er die attraktive, tatkräftige und intelligente Estin Anu kennen und lieben. Der Autor bereitet in gelungenen Bildern eine Idylle im letzten Vorkriegssommer für den Leser aus. Die Schilderung der Natur und die Empathie, mit der Lutz Dettmann das Leben der Inselesten in dieser Zeit beschreibt, nehmen den Leser gefangen.

Doch die Pläne der beiden jungen Leute werden durch den ausbrechenden Krieg zerstört. Estland wird von den Sowjetarmee besetzt, der Kontakt der beiden Liebenden ist unterbrochen. Erst Jahre später kommt Christoph Scheerenberg, jetzt als Offizier und Arzt der deutschen Wehrmacht, in das besetzte Estland zurück und macht sich gleich auf die Suche auf seine Sommerliebe. Die beiden finden sich für einige Wochen, ihre Liebe gleicht einer Flucht vor dem Krieg. Als die deutschen Soldaten Estland räumen, desertiert der deutsche Offizier und schließt sich den estnischen Partisanen, den Waldbrüdern (metsavennad), an und nimmt am Kampf gegen den erneuten sowjetischen Einmarsch teil. Sein Ziel ist die Insel Hiiumaa. Er muss sein Mädchen Anu treffen.

Lutz DettmannLutz DettmannLutz Dettmann schildert nicht nur diese dramatische Suche, sein Roman beschreibt den verzweifelten Kampf der Esten gegen die deutsche, dann wiederum gegen die sowjetische Besetzung und deren Angst in den damaligen schlimmen Zeitumständen als kleines Volk aufgerieben zu werden. Dies alles geschieht mit einer Herzenswärme zu Estland, die durch die jahrzehntelangen Verbindungen des Autors zu dem Ostsee-Land entstanden ist.

Der Roman fand besonders bei deutschbaltischen Lesern starke Resonanz, wird doch auch ihr Schicksal in diesem Buch beschrieben.

Im April 2013 erschien das Buch in der estnischen Übersetzung „Anu: sõja- ja armastuselugu Eestimaal“ im Tallinner Verlag Sinisukk. Der Autor las auf Einladung des Verlages an mehreren Orten in Tallinn. In Estland findet der Roman viele Leser, eben besonders wegen der anziehenden, dabei aber auch an authentischen Schilderungen und der ausgezeichneten Recherche der Orte und der Zeitgeschichte. Endrik Kerge, der Altmeister des estnischen Films, bemüht sich um Produzenten, denn er möchte als Regisseur den Stoff verfilmen.

Einige Rezensionen:
„Zugeständnisse an den Zeitgeist mögen vielleicht verkaufsfördernd sein, bringen aber die Wissenschaft nicht weiter. Keiner erwartet eine blinde Sympathie für die Völker des Baltikums, aber ohne Empathie wird man weder der Vergangenheit noch der Gegenwart gerecht werden können. Ein gerade erschienener Roman (L. Dettmann: „Anu. Eine Liebe in Estland“) schildert die Situation wesentlich umfassender und präziser – mancher Historiker könnte daraus lernen, obwohl es doch eigentlich umgekehrt sein sollte!“
H.-D. Handrack, in Baltische Briefe, Nummer 10/2012

„Ihm ist ein schöner Roman gelungen. (…) dabei wirkt alles sorgfältig recherchiert – eben erfreulich unkitschig. (…) ein überzeugendes, realistisches und anrührendes Liebesdrama aus schweren Zeiten.“ Florian Anton, in „Mitteilungen baltischen Leben“, Heft 4/2012

„Eine zauberhafte Liebesgeschichte beginnt im letzten Friedenssommer. (…) Der Autor erzählt die poetische Liebesgeschichte unaufgeregt, nimmt sich Zeit für die Beschreibungen von Land und Leuten. Die Gräuel des Krieges werden dabei nicht ausgespart.
Renate Kruppa, in „Schweriner Volkszeitung“, 29./30. September 2012

„(…) eine Liebe zu Estland ist dem nahe Schwerin heimischen Autor ebenso eigen wie seinem Protagonisten Christoph Scheerenberg. Mit dessen Tod und dem aus seinem Nachlass zitierten `Ich habe Anu verraten` markiert Dettmann (…) – einen fulminanten Auftakt für die Geschichte des Deutschbalten Christoph (…). Und in den Begegnungen und Gesprächen gelingt es wiederum dem Autor, Hintergründe der estnischen Geschichte und Zerrissenheit anschaulich zu machen.“ Susanne Schulz, “Nordkurier“, 28. August 2012

„Wenn er das noch heute mittelalterlich geprägte Tallinn und dort beschreibt, wirkt er authentisch. Wenn er die komplizierte Geschichte Estlands, die Besetzung durch die Sowjetunion oder die Verbrechen der Deutschen im zweiten Weltkrieg schildert, spürt man den Willen, historische Zusammenhänge in einem packenden Roman zu darzustellen.“
Bert Lingnau, „Kulturkalender MV“, 11.2012

Das Buch „Anu“ von Lutz Dettmann ist ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Menschen, die eine Beziehung zu Estland haben oder sich an die Geschichte kleinen baltischen Landes interessieren. (asie)

A n u
Eine Liebe in Estland

Von Lutz Dettmann
384 Seiten, 19,99 Euro
Universitas Verlag München
ISBN 978-3-8004-1509-0

Der Autor Lutz Dettmann ist 1961 in Crivitz geboren. Seit vielen Jahren pflegt er enge Kontakte zu Estland. Aus einem offiziellen Jugendaustausch von 1974 sind Freundschaften und Liebe zu diesem Land entstanden. Bekannt wurde Dettmann durch seinen ersten Roman „Wer die Beatles nicht kennt“, der die Jugendjahre und das Erwachsenwerden der männlichen Hauptfigur in der DDR der 1970er Jahre schildert. Sein zweiter Roman „Tiefenkontrolle“ setzt die Geschichte fort, er spielt in der Zeit des Wehrdienstes in der Nationalen Volksarmee. Schauplätze beider Romane sind Schwerin, Crivitz und Umgebung. „Sommertage in Estland“ ISBN 3-932370724 ist ein Reisetagebuch, das er während einer Reise 2000 durch Estland geführt hat.

Mit Till Endemann schrieb Dettmann das Drehbuch für „Fröhliche Weihnachten“ nach einer Kurzerzählung von ihm. Der Kurzfilm wurde von der Filoufilm Dresden produziert und hatte seine Premiere während des Shanghai-Filmfestivals im Sommer 2009. DVD-Premiere Januar 2010, Fernsehpremiere im Dezember 2010 beim mdr, danach bei ARD-Festival.

Dettmann ist Szenepreisträger der Stadt Schwerin 2007 für das beste Buch („Tiefenkontrolle“). Weiland-Krimipreisträger 2005 und 2007.

Die Erzählungen sind in den Bänden “Der Mord am Schwarzen Busch”, “Der Petermännchenmörder”, Weiland 2005 und 2007 enthalten.