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Eine wahrhafte Grande Dame

v.l. Berhard Wagner, Britta Wirtz mit ihrer Mutterv.l. Berhard Wagner, Britta Wirtz mit ihrer Mutter

In die Hölle

1943 wurde Ludwig Kaufmann aufgefordert zum Verhör zu kommen. Käthe Kaufmann setzte, ohne Schlimmes zu ahnen, ihren Ehemann vor der Haftanstalt ab. Später wurde der Gefangene nach Auschwitz deportiert und in dem Vernichtungslager mit einem Phenol-Spritze ermordet. Der Lagerarzt, SS-Obersturmführer Friedrich Endress, hatte diese Methode durch Einspritzung einer Industriechemikalie Menschen zu töten, entwickelt. Der Todeskandidat wurde auf einen Stuhl gesetzt und festgehalten, danach spritzte der eigentliche Henker ihm das Phenol mit einer langen Nadel direkt in die Herzkammer.

Aufgeben kommt nicht in die Frage

Nach dem Krieg stand Käthe Kaufmann mittellos da und musste ihr Leben neu ordnen. Dazu gehörte auch der Prozess um Wiedergutmachung des von den Nazis verursachten Unrechts gegen die Bundesrepublik Deutschland, welcher letztendlich über 24 Jahre andauerte. Die Witwe bestritt ihren Lebensunterhalt mit ihren Handarbeiten, als Autodidaktin gründete sie in der Karlsruher Weststadt eine Manufaktur für Damenoberbekleidung. Die Unternehmerin war zudem eine der ersten Frauen, die einen Führerschein erworben hatten. Deswegen galt sie als badische Auto-Pionierin.

Als Käthes einzige Tochter nach Norwegen auswanderte, besuchte die Mutter sie regelmäßig auf dem Insel Grandholmen (Tammeninsel) bei der ehemaligen Festungsstadt Fredrikstadt. Den langen Weg nach Norden fuhr sie immer mit dem eigenen Wagen.

Trotz der vielen Schicksalsschläge hatte Käthe Kaufmann nie ihre positive Lebenseinstellung verloren. Die Badenerin war zu ihrer Lebenszeit keine prominente Persönlichkeit, doch ihr Leben und ihre Courage waren so außergewöhnlich, dass sie auch für den heutigen Frauengeneration ein Vorbild sein kann.

Käthe Kaufmann – Biographische Lebensgeschichte(n)
von Britta Wirtz und Bernhard Wagner
ISBN: 978-3-7650-8908-4
Lauinger Verlag
264 Seiten
16,90 € Preis inkl. gesetzlicher MwSt.
https://lauinger-verlag.de/buch/kultur/regionalia/kaethe_kaufmann/

Die Autoren:
Britta Wirtz (geb. Wehrheim), Jahrgang 1973, wuchs in Kronberg im Taunus auf und studierte Kommunikationswissenschaften. Als Europäerin spricht sie mehrere Sprachen und ist seit 2009 Chefin der Messe Karlsruhe.
Bernhard Wagner, Jahrgang 1948, studierte Kommunikationstechnik, Sozialwissenschaften und Neuere Geschichte. Er schreibt für die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) und andere Printmedien. Als weitgereister Publizist hat er u. a. die Werke „Im Reich der Rentiere“ und „Das gibt es nur in Karlsruhe“ verfasst. Als Mitarbeiter des Centre Culturel Franco-Allemand (CCFA) Karlsruhe hat er Bildvorträge über verschiedene Regionen Frankreichs gehalten. Im „Sonntagscafé“ am Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) hält er Bildvorträge zu kulturellen und Natur-Themen. Wagner ist Mitglied der Internationalen Akademie der Wissenschaften (AIS).

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