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ARD Weltspiegel aus Lettland: Tatjana, der Engel von Karosta

 

ARD-Fermsehfilm über KarostaNach dem Zerfall der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und dem Abzug der Sowjets aus lettischen Karosta blieben rund 30.000 Menschen zurück, vor allem Russen. Sie hofften auf ein besseres Leben im unabhängigen Lettland, doch die Hoffnungen blieben unerfüllt. Wie der ARD-Weltspiegel zeigt, engagiert sich die Russin Tatjana Tarassowa hier mit Hilfe von Norwegern für Jugendliche.

Selbstgemachte Hoffnungslosigkeit

Man wünscht sich im Baltikum mehr aktive Menschen aus der russischen Minderheit. Denn es ist leider so, dass die in Estland, Lettland oder Litauen lebende russischstämmige Bürger sich fast nur auf den Staat verlassen. Sie erwarten, dass die Regierungen Entscheidungen treffen und nehmen ihr Schicksal nicht selbst in die Hände. Während der Sowjetzeit war die Eigeninitiative nicht erwünscht, der Staat hat die Bürger für unmündig erklärt und traf für die Menschen alle Entscheidungen.

Obwohl die baltische Staaten mehr als 20 Jahren unabhängig sind, fehlt bei vielen Bürgern immer noch zu oft die Eigeninitiative in der Gesellschaft oder in der eigenen Wohnviertel etwas zu ändern oder gemeinnützige Organisationen ohne Profit zu gründen. Wenn man einen Vorschlag hat, kann man auch vom Staat oder der Stadt Zuschüsse beantragen. Man muss nur selbst aktiv und interessiert sein.

Obwohl die Russen immer noch beklagen, keine Staatsbürgerschaft zu bekommen, tun sie auch selbst herzlich wenig dafür, um einen estnischen, lettischen oder litauischen Pass zu bekommen. Der Staat kann aber nicht an jede Tür anklopfen und den Menschen mit einem Pass für Staatenlose eine Staatszugehörigkeit anbieten. In demokratischen Ländern müssen die Menschen selbst persönliche Entscheidungen treffen, dies bedeutet, dass sie auch selbst entschließen müssen, welche Staatsangehörigkeit sie anstreben. Wie überall in Europa, kann man auch in den baltischen Staaten sehr gut als russischer, ukrainischer, polnischer oder deutscher Staatsbürger leben.

Liepāja, eine Stadt mit wechselnden Geschichte

Karosta liegt im Norden der kurländischen Stadt Liepāja (deutsch Libau). Es war Kriegshafen des russischen Zarenreiches sowie der Sowjetunion.

Anfang 1940 wurden in Liepāja 15.000 Soldaten der Roten Armee stationiert. Im Sommer folgte die förmliche Besetzung des Landes durch die Sowjetunion. Allein am 14. und 15. Juni 1941 wurden auf Befehl des sowjetischen Diktators Jossif Stalin um die 2000 Stadtbewohner nach Sibirien deportiert. Nach der Eroberung Liepājas durch Einheiten des deutschen Führers Adolf Hitler am 29. Juni war die Stadt bis zum 9. Mai 1945 deutsch besetzt und die meisten der über 7000 jüdischen Einwohner wurden bei Massakern ermordet.

1944 und 1945 war der Hafen neben Ventspils die wichtigste Verbindung der eingekesselten Heeresgruppe Kurland. Viele zehntausende Einwohner flohen über Ostsee vor dem erneuten Einmarsch der Roten Armee. Nach 1945, als die Sowjetunion aufs Neue Lettland besetzt hatte, wurde in Liepāja ein Kriegsgefangenenlager für deutsche Soldaten eingerichtet.

Zwischen 1945 und 1990 wurden in der Stadt unter der Regie Moskaus Industrie- und Fischereibetriebe gegründet. Der Hafen von Liepāja diente als Basispunkt der Roten Flotte und entsprechend wurden in der Ostseestadt speziell angeworbene Familien aus Russland angesiedelt.

Foto: Screenshot

Der Film ist in der ARD-Mediathek zu sehen

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