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NDR: Stasi bespitzelte in den 60er- und 70er-Jahren Hamburger Polizei

Veröffentlicht: 19. November 2014

Das Stasi-Gefängnis in Berlin-Hochenschönhausen ist heute eine GedenkstätteDas Stasi-Gefängnis in Berlin-Hochenschönhausen ist heute eine GedenkstätteDas Ministerium für Staatssicherheit hat die Hamburger Polizei in den 60er- und 70er-Jahren systematisch durch Mitglieder des St.-Pauli-Milieus bespitzeln lassen. Das berichtete das "Hamburg Journal" im NDR Fernsehen am 16. November in dem Beitrag "Hamburg damals - Als die Stasi auf den Kiez kam". In mehreren Fällen haben Inoffizielle Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit versucht, im Rotlichtmilieu belastendes Material gegen Polizeibeamte zu besorgen, um die Sicherheitskräfte unter Druck zu setzen.

Bereits 1968 sei der Hamburger Nachtclub-Besitzer Helmut Ohlerich von der Stasi erfolgreich angeworben worden, berichtet das "Hamburg Journal". Mehrere Jahre lang lieferte Ohlerich, der als Vertrauter der ehemaligen St. Pauli-Größe Wilfried "Frieda" Schulz galt, Informationen an die Staatssicherheit über Polizeibeamte, die regelmäßig Prostituierte besucht hätten oder in finanziellen Schwierigkeiten geraten seien.

Ohlerich spielte1980 auch als Zeuge bei Ermittlungen einer Sonderkommission über Korruption in der Polizei eine Rolle, die mögliche Verbindungen zwischen dem ehemaligen Kriminaldirektor Hans Zühlsdorf und Wilfried Schulz untersuchen sollte.

Dem "Hamburg Journal" liegen Akten der Behörde für Stasi-Unterlagen (BStU) vor, welche die Zusammenarbeit Ohlerichs mit der Staatssicherheit belegen. Beweise dafür, dass Zühlsdorf oder andere Polizeibeamte mit dem Rotlicht-Milieu zusammengearbeitet hätten, konnten von der Sonderkommission nicht erbracht werden. Auffällig war jedoch, dass vier Belastungszeugen der Sonderkommission - unter ihnen Helmut Ohlerich - zwischen März 1980 und Januar 1982 unter ungeklärten Umständen ums Leben kamen.

Der Stasi-Spitzel Helmut Ohlerich starb Anfang 1982 bei einem Werkstatt-Brand im niedersächsischen Jesteburg. Bis heute ist unklar, ob es sich um einen Unfall oder um Mord handelte und auch, ob die Staatssicherheit der DDR etwas mit seinem Tod zu tun haben könnte.

Foto: Das Baltikum-Blatt / AWSiebert