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Usedomer Musikfestival: Neeme Järvi dirigiert Abschlusskonzert in Peenemünde

Erste Auftritte als Musiker
1946 fing Neeme Järvi in Tallinn mit dem Xylophon-Unterricht an. Sein Bruder Vallo unterschrieb zu dieser Zeit einen Dirigentenvertrag mit der Nationaltheater Estonia, er blieb 40 Jahre in diesem Amt . Er war ein großes Vorbild für seinen jüngeren Bruder, der fast bei jeder Probe oder jedem Konzerte mitfieberte.

Dann wurden die Musikträume wieder von der Politik überschattet. 1949 starteten die Kommunisten zum zweiten Mal die großen Deportationen. Die Familie Järvi wurde zwar nicht behelligt, die damalige brutale Ereignisse hinterließen aber bei den Jugendlichen, so wie bei jeden anderen Esten, tiefe emotionale Spuren.

Nach zwei Jahren Musikunterricht, stellte der junge Xylophonspieler fest, dass er Orchesterleiter werden will. Dieses Ziel vor Augen ging er zu Ausbildung an die Tallinner Musikschule. Indem er sein Taschengeld nebenbei als Schlagzeuger im Symphonieorchester des estnischen Rundfunks verdiente, konnte der angehende Dirigent alle bekannten sowjetischen Kapellmeister kennen lernen. In diese Zeit fielen auch seine erste Soloauftritte.

Neeme Järvi in seine jungen JahrenNeeme Järvi in seine jungen Jahren Studium in St. Petersburg
Der erste öffentliche Auftritt als Orchesterleiter erfolgte 1954 als Neeme Järvi erst 17 Jahre alt war, er leitete die Ouvertüre aus der Operette von Johann Strauss “Nacht in Venedig”.

Als der Este ein Jahr später die Musikschule in Tallinn beendete, musste er für sein Weiterstudium nach Leningrad (jetzt St. Petersburg). Das junge Talent schaffte mühelos die Aufnahmeprüfungen, sein erster Lehrer war der Dirigent des Kirow (jetzt Maria)-Theaters, Juri Gamalei. “Gamalei war ein großer Kenner der russischen Musik, er gab mir viele Anlässe zu dirigieren, erinnert sich Järvi in der Buch „Encore“. Seine Studienzeit fiel glücklicherweise mit Nikita Chruschtschows Tauwetterpolitik zusammen – viele in der westlichen Welt gefeierte Symphonieorchester gastierten in die Sowjetunion. Neeme Järvi bekam dadurch die Möglichkeit Pierre Monteux´ und Charles Munch´ von den Bostoner Symphonikern, aber auch Adrian Boult´ vom London Philharmonic Orchestra und Herbert von Karajan von den Wiener Philharmoniker hautnah zu erleben. “Wir standen drei Tage und Nächte Schlange um Tickets zu bekommen, erzählte Maestro später.

Als Gamalei das Konservatorium verließ, ging Neeme Järvi zu Professor Nikolai Rabinowitsch. “Dirigiertechnik hat Rabinowitsch mir nicht erklärt, er hat mir nur das „Händezittern“ beigebracht. Später habe ich gemerkt, dass die großen deutschen Orchesterleiter das gleiche tun: Sie dirigieren zwar im Takt, aber zwischen dem Schlag geht ein tremoli durch die Hände. So hat auch Wilhelm Furtwängler seine Orchester geleitet. Rabinowitsch hat sich an der westlichen Musik orientiert und so bekamen seine Schüler ebenfalls Erkenntnisse darüber, was jenseits der sowjetischen Grenze los war. Er war ein Juwelpädagoge,” schreibt Järvi in seinen Memoiren.

Viele Erfolge und erste Probleme mit den Sowjetbehörden
1957 gewann Neeme Järvi seinen ersten Dirigentenwettbewerb in Moskau. Drei Jahre leitete er noch als Student am jetzigen Maria-Theater in St. Peterburg Georges Bizet´ “Carmen”. Nach dem Studium kam Neeme Järvi als diplomierter Orchesterleiter zurück in die Heimat und wurde dort gleich hoch gefeiert. Seine Konzerte und Operaufführungen waren immer ausverkauft. Als frisch gebackener Dirigent des estnischen Rundfunkssymphonieorchester leitete er die Erstaufführung “Nekroloog” des heute weltweit geschätzten Komponisten Arvo Pärt, der damals noch Student war. 1966 dirigierte der Este in Tallinn auch die 2. Symphonie, zwei Jahre später das “Credo” von Pärt, die beiden großartigen Musiker sind bis heute enge Freunde geblieben.

Arvo Pärt hatte schon 1968 große Schwierigkeiten mit der kommunistischen Zensur. Obwohl “Credo” ein absoluter Erfolg war, war die Aufführung von den Behörden nicht genehmigt worden. Neeme Järvi leitete das Konzert trotzdem, und übernahm als Orchesterleiter die Verantwortung, als die Zensurbehörden ihn zur Rechenschaft zogen.

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