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Breslau im Spannungsbogen zwischen deutscher und polnischer Stadtgeschichte

Dr. Roswitha Schieb, Kunst- und LiteraturwissenschaftlerinDr. Roswitha Schieb, Kunst- und LiteraturwissenschaftlerinVon Erich Lienhart, Brühl

Regen Zuspruchs erfreute sich eine Vortragsveranstaltung über „ Breslau – Europäische Kulturhauptstadt 2016“, zu welcher Regionalgruppen des Vereins Deutsche Sprache (VDS) nach Offenburg und Rastatt im Bundesland Baden-Württemberg eingeladen hatte.

Roswitha Schieb, promovierte Literatur- und Kunstwissenschaftlerin mit schlesischen Wurzeln, Autorin kulturhistorischer Reisebücher und Essayistin nahm die interessierten Teilnehmer mittels einer Bild- Projektion auf vier Spaziergängen mit durch das alte und neue Breslau.

Die Stadt, die im Mittelalter gegründet wurde, erfuhr durch das Kriegsende 1945 eine unglaubliche Zäsur : Nahezu die gesamte deutsche Bevölkerung wurde vertrieben, Neusiedler aus Zentralpolen und Galizien wurden in der stark zerstörten Stadt, die fortan Wroclaw hieß, angesiedelt.

Bestimmte historische Stadtteile und Gebäude konnten restauriert bzw. wieder aufgebaut werden. Frühe piastische Einflüsse, böhmische und norddeutsch geprägte Gotik, habsburgischer Jesuiten-barock und preußischer Klassizismus finden sich im Stadtbild bis heute. Dem konnte auch der Dreißigjährige Krieg keinen Abbruch tun. Am Kreuzungspunkt der Bernsteinstraße von Norden nach Süden und der Handelsstraße von Osten nach Westen gelegen, nahm die prosperierende Handelsstadt bereitwillig verschiedenste Einflüsse auf, die sich sowohl in wirtschaftlicher als auch in kultureller Hinsicht als Tor zwischen verschiedenen Regionen bewährte.

Sowohl Sakral - als auch Profanbauten sind während der Jahrhunderte entstanden. So zum Beispiel die Breslauer Universität, die Kreuzkirche, die St. Matthias-Gymnasial-Kirche, der Schweidtnitzer Keller, das Breslauer Rathaus sowie die 1913 entstandene Jahrhunderthalle. Von immenser Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Sprache galten das Elisabethgymnasium und das benachbarte Magdalenengymnasium. Durch die dort aufgeführten Theaterstücke von Gryphius, Lohenstein und anderen etablierte sich die Erste und Zweite schlesische Dichterschule.

Neben Wirtschaft und Handel war Breslau vor allem wegen seiner Bildungseinrichtungen und der Gelehrten berühmt. Carl Gotthard Langhans, der Freiherr vom Stein, Josef von Eichendorff, Karl von Holtei, August Borsig, Max Born, Ferdinand Lassalle, Adolph Menzel, Gerhard Hauptmann, Edith Stein und Christian Hofmann von Hofmannswaldau kamen entweder aus Breslau oder hielten sich längere Zeit dort auf. Das Aufblühen des Humanismus in Breslau beschrieb in der Mitte des 16. Jahrhunderts Philipp Melanchton in eindrucksvoller Weise: „ Kein deutscher Stamm hat mehr gelehrte Männer in der gesamten Philosophie , die Stadt Breslau hat nicht nur fleißige Künstler und geistreiche Bürger, sondern auch einen Senat, der Künste und Wissenschaften freigebig unterstützt. In keinem Teile Deutschlands beschäftigen sich so viele aus dem gemeinen Volk mit den Wissen-schaften“ (zitiert nach Landsberger, S.103).

Breslau/ Wroclaw versucht, so die Einschätzung der Referentin, mit großem Engagement, Witz und Geistreichtum der Auszeichnung Europäische Kulturhauptstadt 2016 gerecht zu werden Dreihundertfünfzig Projekte, darunter Chorkonzerte, eine Theaterolympiade, Filmfestivals, neue Museen, Ausstellungen und Lesungen, sollen die Aufmerksamkeit der Europäer auf jene Stadt lenken, die sich anschickt, wieder zu den faszinierenden Zentren des Kontinents zu gehören. VDS-Regionalleiter Erich Lienhart empfahl in seiner Schlußbemerkung den Gästen einen Besuch dieser Kulturhauptstadt, die in diesem Jahr auch den Titel als UNESCO-Weltstadt des Buches trägt.

Foto: Erich Lienhart

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