Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Kalaschnikow in Kiew erschossen – mysteriöse Todesfälle in Ukraine

Ex-Präsident Wiktor JanukowitschEx-Präsident Wiktor JanukowitschEin ehemaliger ukrainischer Abgeordneter der Partei der Regionen des aus der Ukraine im Februar 2014 geflüchteten Moskau-treuen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, Oleg I. Kalaschnikow ist am 16. April offenbar erschossen worden. Seine Leiche wurde gegen 19:20 Uhr in Kiew in seinem Haus auf der Prawda-Prospekt in Wohnkomplex Vynograd gefunden, teilte die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine mit. Laut Zeugenaussagen waren aus dem Gebäude zuerst Schüsse zu hören, später wurde dort der Leichnam von Oleg Iwanowitsch gefunden. Nach bisherigen Ermittlungen geht die Polizei von zwei Tätern aus.

Anton Geraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministers Arsen Awakow, erklärte in Facebook, die Ermittlungsbehörde habe die Untersuchungen wegen Mordes aufgenommen. Es werden sowohl politische Motive als auch die Verdacht eines Raubmordes überprüft. Kalaschnikow war 1962 geboren. Ab 1997 führte er den Bürgerorganisation Ukrainische Militärische Union. In den Jahren 2006-2007 saß er für die Partei der Regionen im ukrainischen Parlament, Werhowna Rada. Der 52-jährige organisierte und finanzierte zudem die Gegenkundgebungen der prowestlichen Opposition auf der Kiewer Maidan-Platz (siehe Infoteil) Während der Proteste wurden rund 80 Menschen getötet.

Kalaschnikow ist bereits der vierte Koalitionär von Ex-Präsident Janukowitsch, der in den vergangenen Monaten unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

Selbstmordserie in der Ukraine

Seit Anfang des Jahres sind mehrere Janukowitsch-Gefolgsleute durch eigene Hand aus dem Leben geschieden. Der erste war Nikolai Sergienko, Ex-Vizechef der ukrainischen Eisenbahnunternehmen. Seinen Posten verdankte er Janukowitsch. Sergienko hat sich sich am 26. Januar in seiner Wohnung mit einem Jagdgewehr erschossen, er war alleine zu Hause. Der nächste war drei Tage später der ehemalige Chef der Charkiwer Stadtverwaltung Alexei Kolesnik – er hatte sich in seiner Wohnung erhängt. Nach ihm hatte sich am 25. Februar der Bürgermeister von Melitopol (Bezirk Saporischschja im Süden der Ukraine), ein Vertreter der Regionen-Partei, Sergei Walter wenige Stunden vor einem Gerichtstermin ebenso erhängt und einen Tag später wurde der stellvertretende Polizeichef Alexander Bordjuk erschossen in seiner Garage aufgefunden. Walter war wegen Korruption und Bildung einer kriminellen Gruppierung angeklagt, ihm drohte eine 14-jährige Haftstrafe. Bei der Bordjuk stellen die Ermittler „hypertensive Krise“ fest, die unter Panikattacken und Todesangst auftritt.

Ende Februar sprang noch Michailo Tschetschetow, ein Spitzenbeamter der früheren Regierungspartei von Janukowitsch, aus einem Fenster im 17. Stock seiner Kiewer Hochhauses. Tschetschetow schränkte per Gesetz die Presse- und Versammlungsfreiheit ein, als auf dem Kiewer Maidan-Platz demonstriert wurde. Er habe einen kurzen Abschiedsbrief im Internet hinterlassen "Ich habe keine moralische Kraft mehr, um weiterzuleben. Ich gehe. Ich denke, das ist das Beste für alle. Vielen Dank für die Unterstützung." Seine Leiche wurde am Hauseingang gefunden. Gegen Tschetschetow wurde seit 20. Februar wegen Amtsmissbrauch und Falschbeurkundung im Amt ermittelt, Untersuchungshaft war angeordnet worden.

Der frühere Parlamentarier Stanislaw Melnik soll sich am 9. März in seiner Badewanne mit einem Jagdgewehr erschossen haben. Der ehemalige Gouverneur von Saporischschja (Süd-Ukraine), Alexandr Pekluschenko wurde am 12. März tot in seiner Wohnung gefunden. Er soll sich auf dem Grundstück seiner Datscha durch einen Schuss in den Hals das Leben genommen haben. Als Todesursache gaben die Behörden bei beiden Fällen Selbstmord an. Die Justiz ermittelte gegen Pekluschenko, weil er pro-westliche Demonstrationen in Saporischschja auflöst hatte.

Alle Toten gehörten dem alten Machtzirkel des Kreml-treuen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsh an. Sie alle haben durch den Umsturz in Kiew während der Euromaidan-Demonstrationen vor einem Jahr ihr Amt verloren und alle haben seitdem Probleme mit dem neu besetzten Justizapparat.

Politische (Selbst)morde haben Konjuktur

Nach der “Orangenen Revolution” im Jahr 2004, aufgelöst durch die Präsidentschaftswahlen, bei welcher auf beiden Seiten Wahlfälschungen der jeweiligen Gegenseite gemeldet wurden, kamen ebenso zwei ehemalige hochrangige Regierungsmitglieder, Innenminister Juri Krawtschenko und Transportminister Georgi Kirpa unter nicht geklärten Umständen ums Leben. Die offizielle Version lautete damals “Freitod”.

Kirpa war ein Vertrauensmann des damals scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma, stand aber auch des beurlaubten Regierungschefs Wiktor Janukowitsch nah. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren gegen unbekannt wegen «Verleitung zum Selbstmord» ein. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute unklar.

Krawtschenko wurde kurz vor einer Befragung zum Mord an dem Journalisten Georgi Gongadse mit zwei Schusswunden am Kopf tot aufgefunden. Die Ermittlungsbehörde hatten den Suizid nicht ausgeschlossen, denn in einem Abschiedsbrief hatte Krawtschenko Kutschma beschuldigt: „Meine Lieben, ich bin unschuldig. Verzeiht mir. Ich bin das Opfer politischer Intrigen von Präsident Kutschma und seiner Umgebung geworden. Ich verlasse Euch mit einem reinen Gewissen. Lebt wohl.“

Tod von Wiktor Janukowitsch Junior

Am 20. März ertrank auf dem Eis des sibirischen Baikal-Sees der jüngste Sohn des geflüchteten Präsidenten, Wiktor Janukowitsch Junior. Man geht von einem tragischen Unfall des 33-jährigen aus. Nach Berichten der ukrainischer Medien hatte der frühere Abgeordnete nach der Flucht der Familie Janukowitsch aus Kiew im vergangenen Jahr einen anderen Namen angenommen. Der begeisterte und erfahrene Motorsportler war Presseberichten zufolge an der Nordspitze der Insel Olchon (Kap Choboi) mit einem VW-Kleinbus wegen erhöhter Geschwindigkeit im Eis des Sees eingebrochen. Fünf weitere Insassen konnten sich rechtzeitig aus dem Wagen befreien und wurden gerettet. Janukowitsch Junior, der den Bus lenkte, wurde später tot aus dem Eisloch geborgen. Er wurde am 23. März auf einem Militärfriedhof in Sewastopol auf der vor rund einem Jahr von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim beigesetzt.

Info:

Die Demonstrationen auf der Kiewer Maidan-Platz flammten am 29. November 2013 nach Nichtunterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit dem Europäischen Union auf dem Gipfeltreffen der Östlichen Partnerschaft in litauischen Hauptstadt Vilnius erneut auf. Nachdem friedliche Studentenproteste durch die Spezialeinheit Berkut der ukrainischen Polizei mit Gewalt aufgelöst wurden, verlangten die Demonstranten die Amtsenthebung von Präsident Wiktor Janukowitsch, vorzeitige Präsidentschaftswahlen und die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit Brüssel. Ab dem 18. Februar 2014 kam es zu einer Eskalation, welche über 80 Todesopfer forderte. Nach der vereinbarten Beilegung des Konfliktes durch einen von Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Polens vermittelten Vertrag vom 21. Februar flüchtete der amtierende Präsident Janukowitsch überstürzt noch in derselben Nacht über Umwege nach Russland. Aufgrund der Flucht erklärte das Werhowna Rada am 22. Februar 2014 den Staatsoberhaupt für abgesetzt. Danach begann die russische Annexion der zu der Ukraine gehörende Schwarzmeer-Halbinsel Krim und die Destabilisierung des Landes durch prorussischen Separatisten, die Unterstützung aus Russland mit belieferten schweren Kriegsgerät, militärischen know-how und Soldaten bekommen.

Foto: © Archiv Werhowna Rada

 

 

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.