Ad-Test
Google+


Kommersant: Xenia Sobtschak verlässt Russland

Xenia SobtschakXenia SobtschakVon Aino Siebert

Die russische Oppositionelle Xenia Sobtschak hat beschlossen, Russland zu verlassen. Ihr Name steht auf einen sogenannten „Erschießungsliste“, die nach der Ermordung des Regimekritikers Boris Nemzow am 28. Februar bekannt wurde. Über diese Todesliste berichtete die russische Zeitung Nowaja Gazeta. Neben Sobtschak standen noch die Namen von Michail Hodorkowski und Alexei Wenediktow unter die Personen, die getötet werden sollten.

Der Zeitung Kommersant zufolge hat das frühere It-Girl und Tochter des ehemaligen Bürgermeisters von St. Petersburg, Anatoli Sobtschak, der als politische Ziehvater Wladimir Putins gilt, am Freitag (13. März) bei einem Abendessen die Erscheinung der erste Ausgabe des Magazin L´Officiel gefeiert. Sie ist die Chefredakteurin des Journals. Doch die Freunde und Bekannten haben gleichzeitig bei dem feierlichen Dinner im Moskauer Restaurant CDL Abschied von schönen Aktivistin genommen.

Bei ihrer Abreise aus Russland wurde Sobtschak von drei Männer begleitet, von ihrem Ehemann, Schauspieler Maxim Witorgan und zwei Bodyguards. Die Freunde der regimekritischen Journalistin hatten der Zeitung Kommersant zufolge inoffiziell mitgeteilt, dass die Moderatorin ihre Heimat verlässt, weil die Abreise ihr vom Geheimdienst nahe gelegt wurde. Jetzt hat die Vertriebene sich selbst via Twitter gemeldet. Sie schreibt, die Nachricht über ihre Abreise sei „etwas übertrieben“ gewesen. Wo die Aktivistin sich zur Zeit aufhält, ist nicht bekannt.

Von neureichen Sexsymbol zu Dissidentin

Der Name Xenia Sobtschak ist in Russland bekannt geworden, nachdem Putin zum ersten Mal im Jahr 2000 zum Präsidenten des Landes aufgestiegen war. Die Frau mit den langen goldfarben Haaren, High-Heels, Miniröcken und freizügigen Dekolletees gehört zu einer Generation, deren Eltern nach dem Zerfall der Sowjetunion vermögend und einflussreich geworden sind. Die sexy Sobtschak-Tochter, Idol der Moskauer Jugendlichen, studierte Politik an der Moskauer Elite-Universität MGIMO, ihr Spezialgebiet sind die internationale Beziehungen.

Später machte sie eine steile Karriere im Fernsehen. Die schöne Russin moderierte die russische Version von „Big Brother“, "Dom dwa / Haus zwei" und Musikveranstaltungen. Das russische Parlament, die Staatsduma sah in Sobtschak ein Risiko für die öffentliche Moral, man wollte sie 2006 sogar wegen ungesundem Interesse am Geschlechtsakt anklagen.

Doch nachdem sich die Schöne ausgetobt hatte, startete sie ein neues Leben, das ihrem bisherigen Society-Dasein total entgegenstand. Dezent gekleidet übernahm sie eine neue Show „Gosdep“ im russischen MTV, die jedoch bereits nach einer Folge beendet wurde. Die Moderatorin hatte den Putin-Gegner Alexei Nawalny als Gast eingeladen. Die mutige Frau gab aber nicht auf, die nächsten TV-Talks erschienen im Internet unter der Webadresse www.snob.ru. Das Medium gehört dem kritischen Oligarchen Michail Prochorow, der während des Präsidentschaftswahl 2012 gegen Putin angetreten war. Dort kamen die Putin-Kritiker Sergei Udaltsow, Ilja Jaschin und Jewgenia Tschirikowa zu Wort, die im russischen Staatsfernsehen mit ihren Meinungen nicht willkommen waren.

Im Herbst 2011 machte die Medienprofiin in einem mondänen Restaurant in Moskau vom Vorsitzenden der Putin´s Jugendorganisation Naschi (Unsere), Wassili Jakemenko Videoaufnahmen und stellte den Film ins Netz. Der Streifen sorgte für ein großes Aufsehen. Sobtschak wurde daraufhin von Jakemenkos Sprecherin als "billige Nutte" bezeichnet.

Xenia Sobtschak begleitete auch als Beobachterin die Präsidentschaftswahlen 2012 und enthüllte couragiert Wahlfälschungen. Sie besuchte zwecks Unterstützung den hungernden Oppositionellen Oleg Schein in der Stadt Astrachan. Die Aktivistin ließ sich nicht Mund verbieten, bei der Verleihung des „Nika“, eines russischen Filmpreises, fragte sie die Schauspielerin Tschulpan Chamatowa frech, warum sie Putin mit Wahlwerbung unterstützt. Nach diesem politischen Eklat hat sich die einstige Sexsymbol in politischen Moskau verhasst gemacht und dementsprechend alle, auch schon gebuchte Auftritte in den Putin-Medien verloren. Kurze Zeit später wurde ihre Wohnung von maskierten und bewaffneten Beamten durchsucht, während Ilja Jaschin bei ihr war. Angeblich fanden die Polizisten in ihrem Tresor eine Million Euro, das Geld wurde später in den staatlichen Medien als westliches Bestechungsgeld dargestellt. Die Regierungszeitung Izwestija schrieb, dass Sobtschak nun ein Prozess wegen Steuerhinterziehung gemacht wird. Das Geld wurde von den Behörden beschlagnahmt.

Am Anfang 2013 heiratete die einstige Beauty-Queen den Schauspieler Maxim Witorgan. Am 17. Dezember nahm Xenia Sobtschak als Journalistin für den regierungskritischen Kanal Dozdj (Regen) an der traditionellen Jahrespressekonferenz von Kremlchef teil und konnte sogar die Frage zu der Hexenjagd auf Oppositionelle stellen. Obwohl Putin bei seiner Antwort jegliche Hetze verneinte, ist doch dokumentiert worden, dass Präsident im Frühling in seiner Siegesrede zur Krim vor möglichen Feinden Russland, gelenkt von außen, gewarnt hatte.

Fotoquelle: Twitter

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.