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Neeme Järvi dirigiert in Tallinn David Toradze

Neeme JärviNeeme JärviVon Aino Siebert

Im Konzertsaal des Nationaltheaters Estonia wird heute Abend die Symphonie des georgischen Komponisten David Toradze erklingen. Der Musikwerk wurde dem estnischen Vorzeigedirigenten Neeme Järvi gewidmet, der die Sinfonie selbst leiten wird.

Die Komposition des Georgiers, „Lobpreisung für Nikortsminda“ wurde in Moskau 1970 uraufgeführt. Fünf Jahre später war die Symphonie auch in Tallinn zu hören. Danach ist das Werk inn Vergessenheit geraten, weil sowohl der Musikus als auch der Maestro bei der kommunistischen Führung der Sowjetunion in Ungnade fielen – sie waren nicht linientreu.

Während der Orchesterproben – die Symphonie wird von Orchester der Musikakademie Estlands (EMA) vorgetragen – sagte Neeme Järvi: „David Toradze ist unverdient vergessen worden. Es ist ein herrliches Musikwerk, die junge Musikschaffenden machen einen exzellenten Job. Die Hälfte des Musikerkollektivs besteht aus der Studierenden. Sie sammeln mit dem heutigen Aufführung in einem professionellen Orchester viele gute Erfahrungen für die Zukunft.“

Järvis schätzen Jugendarbeit
Die Dirigentenfamilie Järvi, Vater Neeme und die Söhne Paavo und Kristjan arbeiten viel mit jungen Menschen zusammen. Sie haben früh erkannt, wie wichtig eine frühe Musikbildung für die Kinder ist. Auch wenn die Jugendlichen keine Instrumente spielen, gehen sie später in die Konzerte, wenn sie früh gelernt haben, die Tonwelt zu verstehen.

Neeme Järvi studierte am Leningrader Konservatorium vom 1955 bis 1960. Seine Mentoren in der Newa-Stadt waren Nikolai Rabinowitsch und Jewgeni Mrawinski. Der hoch talentierte Musiker übernahm nach seinem Studium direkt den Posten des musikalischer Direktors des estnischen Radio-Rundfunksymphonieorchesters, jetzt ERSO (Eesti Riiklik Sümfooniaorkester – Staatliche Symphonieorchester Estlands). Ab 1966 leitete Järvi Senior zudem das Orchester der Nationaloper „Estonia“.

Nach dem Erfolg in Rom, wo der junge Este 1971 den renommierten Wettbewerb der Accademia Nazionale die Santa Cecilia gewonnen hatte, wurde er nicht nur in der Sowjetunion, sondern in der ganzen Welt bekannt.

Nachdem Järvi trotz strikter Untersagung Werke des von den Kommunisten verdammten estnischen Komponisten Arvo Pärt spielte, sah er sich gezwungen mit der Familie nach dem Westen zu emigrieren.

1980 kamen die Järvis in New Jersey (USA) an. In Sowjetunion wurden danach alle Einspielungen von Neeme Järvi verboten, die Schallplatten wurden nicht mehr verkauft und Musikstücke unter seinem Leitung im Radio nicht mehr gespielt. Die sowjetische Geheimpolizei KGB ließ Gerüchte verbreiten, dass Neeme Järvi in den USA nun als Straßenmusikant tätig sei, obwohl das Musiktalent zur gleichen Zeit bei allen großen Orchestern Nordamerikas gastierte.

1982 wurde er Chefdirigent der Göteborger Symphoniker, ein Posten, den er bis 2004 innehatte. Der Erfolg des Esten war danach nicht mehr zu bremsen. Neeme Järvi hat vor allen Orchestern mit Weltrang gestanden. 2010 übernahm er erneut die Leitung seines alten Orchester ERSO. Seit 2011 ist er noch künstlerischer Aufseher des Orchestre de la Suisse Romande und ab 2012 dessen Chefdirigent.

Neeme Järvi zählt mit weit über 400 Einspielungen zu den Dirigenten mit den meisten Tonaufnahmen. Kein anderer Orchesterleiter hat dermaßen viele unbekannte Werke berühmt gemacht. Paavo Järvi hat mal in einem Interview mit Das Baltikum-Blatt gesagt, dass sein Vater noch viel mehr hätte erreichen können, wenn er schon viel früher die Sowjetunion verlassen hätte. Auch der Fall Arvo Pärt zeigt – in der Diktaturen können sich die Künstler nicht entfalten. Erst nachdem Pärt (Sowjet)-Estland verlassen hatte, konnte er sich weiter entwickeln und zählt nun zu der bedeutendsten Tonsetzern der Welt.

Foto: Neeme Järvi © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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