Das Baltikum-Blatt

Russland

Russland: Wodka in Krise

Veröffentlicht: 11. Februar 2015

Wodka Putinka - SymbolbildWodka Putinka - SymbolbildWer hätte das gedacht? Mitten in der Krisenzeit kaufen die Russen deutlich weniger das Nationalgetränk Wodka. Laut russischem Statistikamt ist die Schnapsproduktion um mehr als 22 Prozent zurück gegangen.

Es wäre jedoch falsch gedacht, dass in Russland jetzt weniger getrunken wird. Immer mehr Menschen brennen den hochprozentigen Samagon selbst zu Hause oder kaufen Spirituosen aus illegalen Betrieben, dessen Zahl deutlich gestiegen ist. Man vermutet, dass bis zu 65 Prozent des von Russen so geliebten „Wässerschen“ rechtswidrig hergestellt werden.

Ob die ab 1. Februar eingeführte Preissenkung für Wodka um rund 50 Eurocent pro halber Liter die Kauflaune der Russen steigert, wird sich erst zeigen. Wenn die Menschen knapp bei der Kasse sind und einen Rausch nach dem problemreichen Alltagsleben brauchen, ist erfahrungsgemäß doch Samagon oder der kostengünstige verbotene „Treibstoff“ für sie die besste Lösung.

Eines ist jedoch schon jetzt klar – die Nationalkrankheit Alkoholismus (1. Teil der NDR-Produktion, 2. Teil und 3. Teil ) wird durch Verbilligung der Hochprozentigen wieder zunehmen. Und damit auch Sterblichkeitsrate. Jede vierte Russe stirbt vor seinen 57. Lebensjahr. Doch die russische Führung nimmt die Sterben der Menschen billigend in Kauf. Denn wenn das Volk mit günstigen Spiritus ruhig gestellt ist, kann es kein Widerstand leisten. Das wussten schon die Zaren.

Der Vater der Perestroika, Michael Gorbatschow hatte seinerseits eine Alkohol-Verbot-Kampagne gestartet. Zwar ist der Alkoholmissbrauch daraufhin um ein Drittel gesunken, doch dem verarmten Staat fehlten dadurch die Einnahmen, was den Untergang der Sowjetunion noch beschleunigte. Auch wurde trotz Untersagung kräftig getrunken, der Schnaps wurde in Restaurants in der Kaffeekanne serviert und aus Kaffeetassen konsumiert. Der Wodka war selbst gebrannt. Der Staat verdiente nichts. Wie viele Menschen durch den verpfuschten Sprit verstorben sind, ist nicht bekannt. Pro Jahr soll es rund 30.000 Alkoholtote geben.

Foto: Jan E. Siebert