Ad-Test
Google+
Diese Website selbst verwendet Cookies nur zur Funktionaltät. Die Cookies der
Werbepartner können werberelevante Informationen sammeln und weiterleiten.


Estnische Botschaft startet Kulturjahr

 

v.l. Kulturattaché Harry Liivrand, Fotokünstlerin Birgit Püve und Gesandter Carl Eric Laantee Reintammv.l. Kulturattaché Harry Liivrand, Fotokünstlerin Birgit Püve und Gesandter Carl Eric Laantee ReintammVon Ülo Salm, Berlin

Am 23. Januar hat die estnische Botschaft das Kulturjahr 2015 mit einer faszinierenden Ausstellung eröffnet. In den schönen und großzügigen Räumen werden Porträts und Landschaftsbilder der sechsunddreißigjährigen Fotokünstlerin Birgit Püve aus den letzten zehn Jahren gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Tallinn. Zur Vernissage war sie angereist und konnte so in ihrer sympathischen und bescheiden-charmanten Art den Besuchern Rede und Antwort stehen.

Die Mehrheit der professionellen Fotografen wie auch der wirklichen und vermeintlichen Kunstexperten halten das Schwarz-Weiß-Foto nach wie vor für das Nonplusultra künstlerischer Fotografie. Ganz anders ist es bei Birgit Püve, deren Fotografien durchweg farbig sind. Ihre Porträts gemahnen an die Gemälde alter niederländischer Meister. Dieser Eindruck ist so intensiv, dass sich mancher Betrachter, der Verfasser nicht ausgenommen, sich zunächst fragt, ob es sich nicht doch um Ölbilder oder deren Abbildungen handele. Erst nähere Betrachtung lässt das Foto erkennen. Quelle der Intensität und Ausdruckskraft ist die Gabe der Künstlerin, bei ihren Protagonisten – hinter denen sich auch bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Politik Estlands verbergen – ein besonderes Posieren für das Bild zu vermeiden. Der Hintergrund ist oft grau. Im Kontrast zwischen Hintergrund und Porträt lässt sich eine Methapher für das Überwinden einer düsteren Vergangenheit und das Wiedererwachen eines neuen Estland erkennen.Poträtfoto von  Birgit PüvePoträtfoto von Birgit Püve

Die ebenfalls farbigen Landschaftsaufnahmen vermeiden dekorative und idealisierende Effekte. Die Künstlerin sucht keine bekannten und besonders eindrucksvollen Stätten auf, wie sie in zahllosen Fotobänden zu sehen sind. Eingefangen sind einfache Ausschnitte aus Landschaften, die in schlichter Schönheit – auch der Schönheit des Verfalls – beeindrucken.

Birgit Püve hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Sie begann als Zeitungsreporterin und entdeckte dabei ihre Berufung, Bilder an die Stelle der Worte zu setzen. Sie kaufte sich kurzerhand auf Kredit eine Kamera und wurde „einfach so“ Fotografin. Als solche hat sie es zur Meisterschaft, gebracht – gekrönt durch zahlreiche bedeutende Ausstellungen und Preise in Europa und Übersee.

Zum Abschluss kann der Verfasser nicht umhin, seine Genugtuung über eine administrative Maßnahme des estnischen Außenministeriums zu äußern. Die Amtszeit des Kulturattachés Harry Liivrand wurde um zwei Jahre verlängert – entgegen den Gepflogenheiten beim turnusmäßigen Wechsel diplomatischen Personals. Die dürfte nicht zuletzt Liivrands erfolgreichen Bemühungen zu verdanken sein, Kunst und Kultur des heutigen Estland in Deutschland bekannt zu machen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. April in der Botschaft Estlands in der Hildebrandtstraße in Berlin-Tiergarten während der Öffnungszeiten der diplomatischen Vertretung zu sehen.

Fotos: © Arvo Wichmann

 

Folgen Sie uns auch auf Facebook und Twitter ,um immer auf dem Laufenden über Nachrichten aus aller Welt zu bleiben.