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Schweigen ist Gold

Szene aus der BühnenstückSzene aus der BühnenstückVon K. Heilander, München

Schweigen ist Gold. Nicht immer, aber für „Das schweigende Mädchen“ der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinik trifft das allemal zu. Joan Simons als Intendant der Münchner Kammerspiele hat mit der Uraufführung dieses Stücks seine letzte Spielzeit eröffnet. Er hat eben einen Narren an der Österreicherin gefressen, die mit ihrem literarischen Erguss bzw. sprachlichen Versatzstücken zum Hochamt ruft.

Da müssen für ihre Textflächen nicht nur Wortspiele, sondern auch Montagen aus Prozessprotokollen, Bibelstellen sowie liturgisch-religiöser Singsang herhalten. Auf der Bühne wird „Jüngstes Gericht“ mit Priester, Nonnen, Engel, Teufel… vor einem Pappkarton-Tempel inszeniert. Die Folie dafür liefert der seit 2013 andauernde NSU-Prozess am Oberlandesgericht München gegen die verbliebene Hauptangeklagte Beate Zschäpe, nachdem ihre beiden Uwes (Böhnhardt und Mundlos) bereits in der „letzten Instanz“ angekommen sind. Für dieses Kammerspiel-Spektakel werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, doch was sagt uns die Jelinek damit? Nichts, steht sich selbst im Weg, redet nur! Genau genommen macht sie von sich Reden. Sie ist nicht nur mit ihrer Frisur aus den 30er Jahren irgendwie aus der Zeit gefallen, auch zu den gealterten 68er-Galionsfiguren will sie schwerlich zählen. Die wissen wenigstens davon, dass, wer zu weit nach links geht, schließlich rechts wieder rauskommt – so ist eben das Leben auf einer Kugel. Davon aber keine Spur.

Die Akteure in ihrer Sprechoper auf der Bühne sind nicht zu beneiden, auch das Publikum nicht. Ohne Pause in einem durch und trotzdem leerten sich Plätze. An dem Esten Risto Kübar kann es bestimmt nicht gelegen haben. In der zarten Christus-Rolle verkörpert er in stoischer Ruhe geradezu verstörend einen wahrhaft menschlich angelegten Außerirdischen. Ein Hauch dramatischer Darstellung des Heilsgeschehens im überbordenden Tohuwabohu. Selig die Füße, die den Weg zur Vorstellung nicht gefunden haben. Dramaturg Tobias Staab hätte den Text der Literaturnobelpreisträgerin nicht nur eindampfen, sondern auch in Luft auflösen können. Alternativ zur Selbstinszenierung wäre Schweigen zum laufenden Verfahren wirklich goldeswert gewesen.

Foto: © Julian Röder / Ostkreuz

Fototext: Szene aus der Bühnenstück

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