Das Baltikum-Blatt

Gesellschaft

National Catholic Register: Hilarion berichtet über katholischen «Kreuzzug» in der Ukraine

Veröffentlicht: 06. April 2014

Nach der Annektierung der ukrainischen Halbinsel Krim, versucht der Kreml die Ukraine weiterhin zu destabilisieren. Präsident Wladimir Putin reicht es nicht, dass seine Truppen an der Grenze zu Ukraine den Menschen Angst einjagen und die Gaspreise für das Brudervolk verdoppelt wurden, jetzt mischen sich auch noch die Kleriker in die Krise ein. Statt den Gläubigen in der schweren Zeit Trost und Zuversicht zu spenden, hat der Leiter des Außenamts des russisch-orthodoxen Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion Alfejew in einem Interview mit dem US-Magazin „National Catholic Register“ am 4. April in außergewöhnlich scharfem Ton die griechisch-katholische Kirche der Ukraine kritisiert. Die Katholiken hätten «einen Kreuzzug gegen die Orthodoxie begonnen», sagte er. Außerdem warf Hilarion der mit Vatikan unierter Kirche eine enge Zusammenarbeit mit «orthodoxen schismatischen Gruppen» vor. Aus seinen Antworten ist herauszulesen, dass nicht nur Kremlchef Putin die Zerfall der Sowjetunion, sondern auch die russisch-orthodoxe Kirche in Russland ihre Mitgliederverluste sehr bedauert. Andersdenkende und Andersgläubige passen nicht in das Denkmuster des amtlichen und religiösen Russlands.

Auf die Frage über eine Zusammenarbeit zwischen Orthodoxen und Katholiken, antwortet Hilarion: Bereits im vergangenen Herbst schien es mir, dass die Seiten bereit sind, mit der Vorbereitungen zu einem Dialog zu beginnen. Aber die Ereignisse in der Ukraine haben uns vor allem wegen die Aktionen der griechisch-katholiken gebremst. Vorerst waren sie als „Brücke“ zwischen Ost und West verstanden worden, doch wir sehen sie jetzt als ernsthaftes Hindernis zu einem Dialog zwischen Orthodoxie und Katholizismus.

Es ist kein Geheimnis , dass der " Uniatismus " ein besonderes Projekt der römisch-katholischen Kirche war und ist, so der Außenamtsleiter weiter, mit dem Ziel, dass die Orthodoxen zum Katholizismus zu konvertieren . Mit Hilfe von den weltlichen Behörden haben die " Unierten " für viele Jahrhunderte zum Nachteil der orthodoxen Kirche gehandelt, die Übernahme von orthodoxen Kirchen und Klöster, die Bekehrung gewöhnliche Menschen zum Katholizismus und die Unterdrückung der orthodoxen Geistlichen auf alle möglichen Arten. Dies war nach der Gründung der Union von Brest 1596 im polnischen litauischen Fürstentums der Fall und in der Neuzeit am Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre im Westen der Ukraine.

In der existierenden Konfrontation betreiben die griechisch-katholiken einen aktiven Zusammenarbeit mit den orthodoxen schismatischen Gruppen. Der Leiter der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, zusammen mit dem Leiter des sogenannten Kiewer Patriarchats, haben sich an die US-amerikanischen Behörden gewandt und sie gebeten zu helfen, die Lage in der Ukraine zu bereinigen. Die griechisch-katholiken haben in der Tat einen Kreuzzug gegen die Orthodoxie gestartet.

Im Vatikan wird uns gesagt, dass sie die Handlungen der griechisch-katholiken wegen ihrer Eigenständigkeit nicht beeinflussen können. Aber sich von diesen Aktionen zu distanzieren ist etwas, das der Vatikan nur ungern tut. Unter diesen Umständen wird es immer schwieriger, von einem Treffen zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau in der nahen Zukunft zu sprechen. Wir müssen warten, bis die neu zugefügten Wunden geheilt sind. Trotzdem haben wir keine Hoffnung, die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Orthodoxen und den Katholiken zu verlieren, sagte Hilarion in Interview.

Info (Quelle: Wikipedia)
Hilarion Alfejew wurde 1966 als Grigori Walerijewitsch Alfejew geboren. Er ist der russisch-orthodoxe Metropolit von Wolokamsk und Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Zwischen 2003 und 2009 war er Bischof von Wien und Österreich. Hilarion Alfejew studierte Violine, Klavier und Komposition am Moskauer Staatskonservatorium und trat nach seinem zweijährigen Militärdienst 1987 ins Kloster des Heiligen Geistes in Vilnius ein. Dort wurde er auch zum Priester geweiht. Zwei Jahre später graduierte der Russe am Theologischen Seminar, danach an der Theologischen Akademie in Moskau. Bis 1993 lehrte Hilarion Homiletik, Dogmatische Theologie, Neutestamentliche Studien und Byzantinisches Griechisch an der Theologischen Schulen der Hauptstadt Russlands. Danach promovierte der Kleriker an der Universität Oxfort bei Bischof Kallistos Ware. Zudem promovierte er auch in Theologie am Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris. 2002 wurde er in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau vom damaligen Patriarchen von Russland, Alexius II zum Bischof geweiht. 2009 wurde er zum Bischof von Wolokolamsk und zum Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats ernannt. Somit ist er ex officio Mitglied der Heiligen Synode. Ein Jahr später wurde Hilarion in den Rang eines Metropoliten erhoben. Der Kleriker plädiert für bilaterale und strategische Allianzen zwischen den einzelnen christlichen Gruppierungen und Kirchen. Dabei denkt er hauptsächlich an die römisch-katholische Kirche. Zum Protestantismus äußert er sich sehr kritisch. Viele Protestanten hätten eine Light-Version des Christentums entwickelt, die ohne apostolische Sukzession, ohne Sakramente, ohne dogmatische Lehren und auch ohne Bindung an christliche Moralnormen auskommt.