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„Soldiers of Odin“ versuchen, in Estland Fuß zu fassen

 

Soldaten Odins mit PlakatVon Aino Siebert

Deutlicher Rechtsruck in Estland: Im Angesicht der Flüchtlingskrise bildet sich im Land eine fremdenfeindliche Bürgerinitiative, die nach Eigenaussage für Ordnung und Sicherheit sorgen will, obwohl Estland kaum Schutzsuchende aufgenommen hat. Binnen zwei Jahren will das kleinste baltische Land mit rund 1,3 Millionen Einwohnern nur bis zu 550 Asylbewerber aufnehmen. Trotzdem ist es der Bündelung gelungen, schnell Befürworter zu finden. Auf ihrer Facebook-Seite haben die Odin-Soldaten fast 5000 Fans (in Finnland mehr als 30.000 Anhänger), darunter auch hochrangige Mitglieder der estnischen Freiwilligenarmee. Einem Bericht der estnischen Tageszeitung Eesti Päevaleht zufolge sehen die Streitkräfte kein Problem mit den Freizeitaktivitäten ihrer Angehörigen, solange sie sich an die Gesetze halten.

Das Blatt berichtete am 15. Februar, dass am Freitagabend (12. Februar) im Pub St. Patrick in der Tallinner Altstadt rund 60 Männer zum ersten Treffen des estnischen Ablegers der „Soldiers of Odin“ zusammenkamen. Dabei waren auch Odin-Kämpfer aus Finnland, denn die Bürgerwehr hat ihre Wurzeln im nordischen Nachbarland. Der Organisation werden Verbindungen zu rechtsradikalen Bewegungen nachgesagt.

Ministerpräsident Taavi Rõivas schrieb gestern über die neue rechtsradikale Bewegung auf Twitter, „Selbsternannte Banden erhöhen in keiner Weise das Sicherheitsgefühl der estnischen Bevölkerung, eher im Gegenteil. Recht und Ordnung wird von der Polizei durchgesetzt“. Klar ist, dass die von Bürgern aufgestellten Patrouillen im einen Konflikt mit rechtsstaatlichen und demokratischen Grundprinzipien stehen.

Dubiose Soldaten in 23 Städten Finnlands

Die Bewegung „Soldiers of Odin“ ist in 23 finnischen Orten registriert. Ihre dubiosen Soldaten, vorwiegend Männer in schwarzen Bomberjacken, patrouillieren seit einiger Zeit in mehreren Städten. Nach Eigenangabe wollen sie die Bevölkerung vor gewaltbereiten Flüchtlingen schützen. Doch die Gruppierung wird auch mit Angriffen auf Ausländer in Verbindung gebracht. Sie stehen höchstwahrscheinlich auch im Kontakt zu anderen militanten neonazistischen und rassistischen Bewegungen. Gemeinsam wollen sie Finnland vor Überfremdung durch Flüchtlinge schützen. Generalstaatsanwalt Matti Nissinen verurteilte in Helsinki jede Art von „Bürgerwehren“ deutlich. Er sagte: „In Finnland haben sie nichts verloren. Nicht nur die eigene Geschichte zeigt, welches Unheil solch uniformierte Gruppen mit sich bringen.“ Die „Soldiers of Odin“ stehen jetzt unter der Beobachtung der Behörden. Die Finnen haben allerdings auch Gegenbewegungen ins Leben gerufen. In Tampere im Südwesten des Landes haben sich kostümierte Clowns in die Menge von bizarren Soldaten gemischt und sie damit ausgelacht.

Wie die norwegische Online-Zeitung The Local berichtet, gaben die Rechtsradikalen nun ihr Debüt auch in Norwegen.

Esten dienen unter Finnen

Der Tallinner Club, der dem Schwarzjacken-Verein in der finnischen Stadt Kemi untersteht, will sich am Unabhängigkeitstag Estlands (24. Februar) der Öffentlichkeit mit einem Fackelzug vorstellen. Kemi ist eine Gemeinde an der Mündung des Kemijoki in den Bottnischen Meerbusen, sie liegt nahe der Grenze zu Schweden, über die Schutzsuchende nach Finnland kamen. Hier startete im vergangenen Herbst auch die Bewegung.

In Estland wollen die Odin-Soldaten einem der Gründer, Indrek Olm, zufolge, gar nicht patrouillieren, sondern gleich die ganze Regierung stürzen. Sie meinen, die Minister hätten das Volk betrogen. Das Internetportal Delfi zitiert aus einem Exklusivinterview für das Magazin Radar des estnischen Senders Kanal-2, wo Olm seine Mitgliedschaft in der Bewegung wie folgt begründete: „Wir brauchen Taten! Die Zeit des Babbelns ist vorbei! Ich bin gegen Parasiten, die man Flüchtlinge nennt. Ich als Steuerzahler in Finnland muss sie noch durchfüttern. Sie sind nicht einmal dankbar dafür.“

Von Ex-Knacki ins Leben gerufen

Die „Soldiers of Odin Estonia“ haben laut Facebook mit Stand Anfang Februar eine geschlossene Gruppe mit 307 Mitgliedern. Im sozialen Netzwerk geben die Clubführer den Mitgliedern Ratschläge darüber, was gesetzlich erlaubt ist, darunter auch beim Waffengebrauch und Selbstschutz.Soldaten Odins auf Patroullie

Der estnische Ableger wurde von dem ehemaligen Strafgefangenen Danel Puuder gegründet. Puuder saß elf Jahre wegen eines Raubüberfalles und Rauschgiftbesitzes hinter Gittern. Sein Kumpel Olm sieht da kein Problem – er habe nichts dagegen, wenn auch andere entlassene Gefangene die Mitgliedschaft beantragen. Sowohl Puuder als auch Olm bringen vor, dass sie nicht vorhaben, auf Flüchtlinge einzuschlagen. Die Regeln sehen vor, dass die Soldaten nie als erste ihre Hände „aus den Jackentaschen herausziehen“ sollten, auch Selbstschutzmittel seien verboten. Es werden auch Alkoholtests durchgeführt, denn alle „Einsatzkräfte“ müssen nüchtern sein. Doch was passiert, wenn die Menschen, gefüllt von blindem Hass, doch handgreiflich werden sollten?

Beide Esten reden von Asylbewerbern, die angeblich in Supermärkten in Tallinn die Kundschaft anpöbeln oder junge Mädchen sexuell belästigen. „Ich werde so etwas nicht mit den Händen in der Tasche anschauen,“ sagte Olm.

Puuder, der zur Zeit des Interviews im Osten Helsinkis wohnte, brachte vor, dass er seiner Frau und seinem Kind verboten habe, abends auf die Straße zu gehen. „Wenn ich die Jalousie hochziehe, schaut mich ein Moslem an. Ich kann nicht verantworten, wenn meiner Frau und meinem Kind etwas passiert.“ Dass die Schwarzjacken sich mit ihren Aussagen in Widersprüche verwickelt haben, sahen sie nicht. (Deutsche Bearbeitung: Thomas Michael)

Korrektur: Irrtümlich haben wir als Quelle das Magazin Radar des estnischen Polizei- und Grenzschutzamtes geschrieben. Doch das im Artikel genannte Exklusivinterwiev mit Indrek Olm hat das Magazin des estnischen Privatsenders Kanal-2 am 9. Februar veröffentlicht. Im Text haben wir unseren Fehler schon korrigiert. Wir bitten um Entschuldigung.

Fotos: Facebook, Kanal-2

 

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