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Religionsfreiheit, die keine ist

 Plakt mit MusliminVon Thomas Michael, Stuttgart

Im Rahmen einer Kampagne zur Demokratie wird auf Plakaten am Straßenrand Stuttgarts eine Muslima mit Kopftuch porträtiert, die auch an nichts glauben könne, um glücklich zu sein, aber dies nicht müsse.

Muslime können in der Tat, wie auch Angehörige anderen Religionsgemeinschaften, in der Bundesrepublik ihren Glauben frei praktizieren. Das ist gut so. Glaubensfreiheit gehört ohne Zweifel zu einer Demokratie. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es eine Freiheit ist, wenn eine Religion – hier der Islam – bestimmt, wie ein Mensch im Alltag zu leben oder sich zu kleiden hat.

Die aktuelle Flüchtlingskrise hat uns verstärkt vorgeführt, was unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit totgeschwiegen wird: Religionszwang, Zwang zum aufdringlichen Fremdsein. Freiheit und Zwang können nun einmal nicht nebeneinander existieren, denn sie schließen einander aus. Man bedenke, dass auf die Abkehr vom Islam in manchen Ländern die Todesstrafe steht; auch Angehörige hierzulande lebender Muslime sind gefährdet.

Die Verschleierung ist nicht bindend

Die Verschleierung der Frau, inklusive ihres Gesichtes, wird vor allem aus den Suren 24 / v31 und 33 / v53 und v59 des Koranes abgeleitet, wenngleich die Form der Ausführung dort nicht eindeutig festgelegt ist.

Erst die nachfolgenden Rechtsschulen machten die Verschleierung der weiblichen Personen in der Öffentlichkeit mit Umhang und Kopftuch, teilweise sogar mit Gesichtsschleier, zur Pflicht. Das Leugnen der Vorschrift wurde zum Unglauben, die Nichterfüllung der Verschleierungsregeln zur Sünde erklärt. Der Zweck der Verschleierung sollte es angeblich sein, weibliche (sexuelle) Reize vor fremden Männern zu verbergen. Einige Muslime bringen vor, die Bedeckung sei ein Zeichen von Emanzipation der Frauen, da die islamische Kleidung sie vor Belästigungen schütze und der Gesellschaft Stabilität schaffe. Folglich werden männliche Personen unter den Generalverdacht gestellt, potentielle Vergewaltiger unverschleierter Frauen zu sein.

Die Vorschriften sind auch zum Teil auf alte regionale Gegebenheiten zurückzuführen, wo die Bedeckung des Körpers aus klimatischen Gründen (Sonnenschutz) sowohl bei Frauen aber auch bei Männern erforderlich war. Für patriarchalische Gesellschaften bieten diese Auslegungen des Korans für männliche Familienangehörige die Möglichkeit, ihre Macht über die Frauen zu behalten.Verschleierte Migrantin in Finnlands Hauptstadt HelsinkiVerschleierte Migrantin in Finnlands Hauptstadt Helsinki

Kinderreichtum

Als „guter Muslime“ gilt, wer mit seiner Frau reichlich Nachwuchs zeugt. Der Islam betrachtet, ebenso wie der Katholizismus, Kinder als die größten Gaben Gottes und als Pracht und Schmuck des Diesseits. Im Koran gibt es viele Stellen, die den Menschen animieren, Gott um rechtschaffene Nachkommenschaft zu bitten. Erfüllen die Eltern ihre Aufgabe mit Großziehen und guter Erziehung ihrer Sprösslinge, so gilt das als eine der besten Taten, ja als Gottesdienst aus religiöser Sicht.

Es finden sich jedoch im Koran auch Stellen, nach denen der Vorrang des wirtschaftlichen Erfolges und die Vergrößerung der Familie relativiert und sogar davor gewarnt wird, für diese Ziele den Glauben aus den Augen zu verlieren (z.B. Sure 63,9 / 8,28 / 17,64). Auch dem Zentralrat der Muslime in Deutschland zufolge erlaubt der Islam Familienplanung und die Geburtenkontrolle in individuellem Rahmen.

Für viele Strenggläubige kommt trotzdem eine Familienplanung nicht in Frage. Während die deutschen Ehepaare meistens sich früh darüber Gedanken machen, wie viele Kinder sie sich leisten können, um dem Nachwuchs Platz zur Entfaltung (Haus oder große Wohnung), gute Kinderstube und Ausbildung geben zu können, zählt in den muslimischen Familien oft nur die Zahl der Nachkommen. In den bildungsschwachen Großfamilien wird auf eine gute Erziehung oder Ausbildung im Regelfall kein Wert gelegt. Hauptsache, sie sind gehorsam. Kinder werden zudem von der Religions(wahl)freiheit ausgeschlossen, und wenn sie volljährig werden, sind sie oft nicht mehr imstande, sich von den rückständigen Zwängen loszureißen.

Integration nicht gewünscht

Besonders in bildungsfernen sozialen Schichten bedeutet die Abschirmung durch das Zusammenwohnen in Ghettos und das Festhalten an archaischen Traditionen einen Halt in einem fremden Kulturkreis. Integration ist hier ein Fremdwort. Auch schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland lebende Ältere können noch heute kaum Deutsch. Kopftuch tragende oder verschleierte Mütter oder ihre Ehemänner sind an Elternabenden der Schulen oder Kindertageseinrichtungen kaum präsent, sie sind auch nicht in westlichen Kulturstätten oder in deutschen, italienischen oder spanischen Restaurants zu sehen. Şehitlik-Moschee in Berlin-NeuköllnŞehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln

Für manche Muslimas ist die Verschleierung ein offenes Glaubensbekenntnis, aber viele haben auch Angst, für ihren Mut zum Selbstbestimmungsrecht die sozialen Bindungen zu verlieren, drangsaliert oder gar getötet zu werden. Ehrenmorde sind noch heute in Deutschland keine Einzelfälle. Einige orthodoxe Muslime haben hier Morde im Namen einer Verletzung ihrer Ehre begangen. Täter können alle männlichen Familienangehörigen einer Regelbrecherin sein, von Vätern bis zu Ehegatten, Onkeln oder Cousins. Erst kürzlich wurde die Leiche einer seit April 2015 verschwundenen Hanaa S. in einem Waldgebiet bei Kronau (Baden Württemberg) gefunden. Die sechsfache Mutter wurde nur 35 Jahre alt. Im Prozess vor dem Landgericht Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) stehen fünf Familienangehörige der getöteten Frau. Ihnen wird gemeinschaftlicher Mord vorgeworfen. Unter den Angeklagten sind der Ehemann und ein Sohn des Opfers. Sie sollen sich entschlossen haben, die Irakerin zu töten, um die Familienehre wiederherzustellen. Die junge Frau hatte sich von ihrem Mann getrennt. Nach 69 Prozesstagen hatte der Schwager von Hanaa S. unerwartet ausgesagt und den Ablageort der Leiche offenbart.

Ein Ehrenmörder ist sich in der Regel keiner Schuld bewusst. In diesem Sinne erziehen Familienmitglieder auch ihre Söhne, Enkelkinder oder Neffen und Cousins. Die Abschirmung gegen das westliche Umfeld wird ebenfalls von den Müttern an die Töchter weitergegeben, so dass auf dieser Seite ein großes Beharrungsvermögen gegeben ist.

Mutige Urteile zur Verschleierung

Die europäischen Staaten dürfen Frauen verbieten, ihr Gesicht zu verschleiern. Dies sei kein Verstoß gegen die Religionsfreiheit, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Mitte Juli. Eine mutige Entscheidung, die längst überfällig war. Denn in der Demokratie sind wir gewohnt, Menschen, die wir treffen, in das Gesicht zu sehen.

Ein Kopftuchverbot am Arbeitsplatz kann zulässig sein, urteilte wiederum der Europäische Gerichtshof in Luxemburg am 14. März. Arbeitgeber dürfen laut diesem Beschluss das Tragen von Kopftüchern verbieten. Entscheidend ist, ob es klare Regeln des Unternehmens dafür gibt. Das Urteil bedeutet, dass Muslimas, die Kopftuch tragen, noch weniger Chancen als bisher haben, eine Stelle zu finden und somit sich auch in die demokratische, säkulare Gesellschaft zu integrieren. Alle Arbeitssuchenden, nicht nur Muslime, müssen die gesellschaftlichen Regeln beachten.

Offenbar ist insbesondere denjenigen Mohammedanern, die schon jahrzehntelang in Deutschland leben, entgangen, dass die Frauen hier ihre Rechte hart erkämpfen mussten und nicht vorhaben, auf ihre Selbstbestimmungsrechte zu verzichten. Wenn heute Eigenverantwortung gewohnte Frauen ihre verschleierten Mitbürgerinnen, womöglich ihre eigenen Kolleginnen, beobachten, dann können sie oft die Welt nicht mehr verstehen. Oft stehen elegant bunt gekleidete westliche Frauen im Straßenbild neben schwarz-grau verschleierten Muslimas. In einer farbenfrohen Gesellschaft, wo vor allem Mädchen und Frauen bemüht sind, ihr Äußeres zu pflegen und sich modisch zu bekleiden, wirkt dies bedrückend.

Integration muss man wollen

Für eine gelungene Integration ist es notwendig, sich für das Land, in dem man lebt, zu interessieren und demokratische Freiheitswerte zu respektieren. Deutschland ist ein säkularer, das heißt kirchenunabhängiger Staat, in dem trotz Glaubensfreiheit Kirche und Staat getrennt sind. Die Politik kann mit Sprachkursen und Gemeinschaftskunde bei einer Integration helfen. Ein Fremder, der in Deutschland lebt oder hierher kommt, muss sich aber integrieren wollen. Er muss Interesse an seinem neuen Umfeld, an der Volksmentalität, den Sitten und Gebräuchen zeigen und die vorhandenen Angebote der Integrationshilfe nutzen. Eingliederung kann gelingen – dies beweisen viele Muslime und Muslimas, die in Deutschland leben. Sie praktizieren zwar ihren Glauben, doch sie haben auch die demokratischen Werte verinnerlicht. Männer beten ohne Frauen in der Şehitlik-MoscheeMänner beten ohne Frauen in der Şehitlik-Moschee

Religion, somit auch der Islam, ist in unserer weltlichen Gesellschaft eine private Angelegenheit. In Deutschland lebende Migranten können selbstverständlich zu ihren Glauben stehen und ihn praktizieren, doch gleichzeitig sollten sie sich bemühen, sich von mit hiesigen Sitten und Gesetzen unvereinbaren Alltagszwängen ihrer Herkunftsländer zu befreien. So wäre es wünschenswert, dass in den Integrationskursen neben einer Vorstellung der demokratischen Werte auch die Familienplanung auf dem Stundenplan stünde.

Die deutschen Gesetze fordern „das Wohl des Kindes“. Ein Kind, das mit vielen Geschwistern in kleinen Räumen aufwächst und womöglich noch von Sozialhilfe lebt, kann weder sich wohl fühlen noch eines Tages eine gute Bildung bekommen. Zu einer gelungenen Integration gehört zudem, dass auch muslimische Eltern sich für die schulische Entwicklung ihren Nachkommen interessieren, nicht nur für die religiöse. (Mitarbeit: Aino Siebert)

Foto: Plakat   © Thomas Michael
         Weitere © Das Baltikum-Blatt/AWSiebert

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