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Mehr als dreitausend Menschen demonstrieren für zurückgetretenen Pfarrer

 

KirchenglockeVon Thomas Michael, Detmold

Über 3000 Menschen haben im oberbayrischen Zorneding (Landkreis Ebersberg im Alpenvorland) demonstriert. Die Solidaritätskundgebung für einen römisch-katholischen Priester der Gemeinde endete mit einer nächtlichen Menschen- und Lichterkette, die die evangelische und die katholische Kirche des Ortes miteinander verband. Dabei wurden fünf Minuten lang die Glocken der beiden Kirchen geläutet.

Der 66-jährige, aus dem Kongo stammende Geistliche aus der Gemeinde St. Martin, Olivier Ndjimbi-Tshiende, sah sich massiven Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt und ist später nach anonymen Morddrohungen zurückgetreten. Kurz darauf zog er auch aus dem Pfarrhaus aus. Der Priester hält sich zur Zeit an einem geheimen Ort auf, wo er sich, abgeschirmt von der Öffentlichkeit, auf seine neue Arbeitsstelle vorbereitet. Der deutsche Staatsangehörige mit kongolesischen Wurzeln hatte 1979 die Priesterweihe empfangen, er ist promovierter Philosoph. Seit 2009 gehört er dem Münchner Diözesanklerus an, seit 2012 war er Pfarrer in Zorneding.

Es war ein trauriges Ende eines andauernden Wortkrieges. Im Oktober 2015 hatte die CSU-Politikerin Sylvia Boher im Parteiblatt Zorneding Report sich zur Flüchtlingslage geäußert und gegen eine „Invasion“ afrikanischer „Militärdienstflüchtlinge“ gehetzt. Ndjimbi-Tshiende zeigte Zivilmut, indem er ihren Thesen in der Süddeutschen Zeitung widersprach. Anschließend betitelte Bohers Parteifreund Johann Haindl den Pfarrer als „Neger“. Wortwörtlich sagte Haindl: „Der muss aufpassen, dass ihm der Brem (ehemaliger Pfarrer der Gemeinde, Anm.d.R.) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger.“ Der CSU-Mann entschuldigte sich später und trat von seinem politischen Ämtern zurück, nachdem seine Aussage deutschlandweit bekannt worden war. Doch der Konflikt war damit nicht beendet. Der Pfarrgemeinderat forderte die Christsozialen auf, die Kirchtürme von Zorneding und Pöring nicht mehr im Logo des Fraktionsblattes zu verwenden. Ndjimbi-Tshiende wurden im Gegenzug Droh- und Schmähbriefe zugestellt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung.

Politik reagiert zu spät

„Wir schämen uns“, wird der Zornedinger Bürgermeister Piet Mayr (CSU) zitiert. Er bedauert den Fortgang des Geistlichen. „Die Gemeinde verliert mit ihm einen aufrechten und geradlinigen Menschen“. Er hofft, dass Ndjimbi-Tshiende an seinem neuen Wohnort weiterhin in Ruhe der Seelsorge nachgehen könne. Eine Internetpetition sammelte bis zum 9. März 68.000 Unterschriften. „Wir sind mehr als die, die hetzen und verunglimpfen“, erklärte das den Grünen angehörende Gemeinderatsmitglied Moritz Dietz.

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte dem Bayerischen Rundfunk: „Das (gemeint ist rassistische Hetze, Anm.d.R.) ist völlig inakzeptabel, und ich verurteile das total. Die bayerische Polizei und Justiz muss Alles daran setzen, das aufzuarbeiten. Null Toleranz ist da bei uns in Bayern der Maßstab.“ Einen Zusammenhang mit der Rolle der CSU vor Ort wollte er allerdings nicht erkennen. „Das wurde damals von den Verantwortlichen schon aufgearbeitet.“ Dabei flirtet Seehofer ungeniert selbst mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, die nachweislich rechte Kontakte pflegen. So etwas bleibt in der Partei nicht unbemerkt.

Unterdessen wurde bekannt, dass auch Erzbischof Ludwig Schick aus dem nordbayerischen Bamberg seit Ende 2014 Todesdrohungen bekommt, die auf seine Kritik an der Ausländerfeindlichkeit zurückzuführen seien. Die Drohungen erreichen ihn über Facebook oder in anonymen E-Mails. Obwohl die Drohungen nichts Genaueres beinhalten, wurde nun die Polizei eingeschaltet.

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert

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