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Estland: Rechtspopulist Kaalep träumt von einem „weißen westlichen Nationalstaat“

Ruuben KaalepRuuben KaalepVon Aino Siebert

Ruuben Kaalep kandidierte bei den letzten Parlamentswahlen auf der Liste der rechtspopulistischen Estnischen Konservativen Volkspartei (Eesti Konservatiivne Rahvaerakond, kurz EKRE). Er hat auch als Vorstandsmitglied bei EKRE mitgewirkt.

Der junge Este besuchte aktuell die Vereinigten Staaten und hielt dort auf einer rassistischen Konferenz eine Rede. Dort berichtete Kaalep den Teilnehmern über eine Generation, die den Traum habe, einen Nationalstaat (in Englisch: ethnostate) zu gründen: „Mag sein, dass einige von uns noch erleben, wenn nach allen unseren Kämpfen „weiße europäische Nationalstaaten“ entstehen, schwärmte der Rechtspopulist.

In einem Interview in den Vereinigten Staaten betonte Kaalep, der mit jungen Nationalisten von EKRE Fackelzüge unter dem Titel „Blaues Aufwecken“ (Sinine Äratus) organisiert und sich Chefideologe der Bewegung nennt, dass Estland einer der „letzten weißen Staaten in Europa“ sei.

Die Konferenz wurde organisiert von dem Magazin American Renaissance. Der Informationsträger stellt sich folgend vor: „Die Rasse ist ein wesentlicher Teil der Individualität und Gruppenidentität. Von allen Unterschieden in der Gesellschaft – Sprache, Religion, Ideologie – ist die Rasse die wichtigste und am meisten spaltende“.

Das Southern Poverty Law Center stuft das Magazin als rassistisch ein, das versucht, eine intellektuelle Denkfabrik zu sein.

In einer Befragung für das estnische Nachrichtenportal Delfi berichtet Kaalep, dass er in den USA Kontakte mit Aktivisten aus dem nationalitisch gesonnenen Milieu geknüpft habe. Ein derartiges Treffen sei auch im vergangenen Oktober in London organisiert worden. Er nahm an Konferenzen als Repräsentant von EKRE und dessen Jugendorganisation teil. Die Reisekosten haben laut Aussage Kaaleps die Veranstalter übernommen. Mit seinen Auftritten wollte der Rechtspopulist Andere zur Teilnahme an den Nationalbewegungen inspirieren. Auf die Frage, was konkret in Europa und in Estland schützenswert wäre, antwortet Kaalep: „Die ethnische Identität und Nationalität. Wir (Esten – Anm.d.R.) haben eine physische Gefahr (auszusterben – Anm.d.R.), ausgelöst von Immigration und schwacher Geburtenrate. Es ist jedoch nicht nur Estlands Problem. Zum Zweiten müssen wir die linke Politik bekämpfen, die die Nationalidentität als etwas Schlechtes darstellt, was man ausrotten muss.“

„Die Menschen sind fundamental verschieden, biologisch und kulturell,“ erklärt Kaalep auf die Frage, warum die Rassenfrage eine Konfliktgefahr in der Gesellschaft mit sich bringt. „Deswegen“, so der Este weiter, „soll ein Staat nur auf nationalen, sowohl biologischen als kulturellen Zusammenhalt aufbauen.“ Um die Zahl der Farbigen in Europa zu verringern, müssten die Regierungen die europäischen Grenzen schließen, denn „immer mehr Menschen kommen zu uns über das Mittelmeer,“ meinte Kaalep in Delfi-Interview.

Martin Helme: Ledige und kinderlose Frau „gesellschaftlich schädliches Element“

Kaaleps Parteikollege Mart Helme brachte in einem Interview in der estnischen Tageszeitung Eesti Päevaleht vor: „Eine 27-jährige, ledige und kinderlose Frau ist schuld daran, dass in Estland zu wenig Kinder geboren werden. Sie ist „ein gesellschaftlich schädliches Element“, stellt der Sohn des EKRE-Chefs Martin Helme fest. Auf die Frage, was man mit kinderlosen Frauen tun müsse, antwortet der Rechtspopulist: „Man muss nichts tun. Man kann davon ausgehen, dass sie zu spät feststellen werden, dass sie Kinder brauchen. [...] Im Nachhinein kann man nichts mehr ändern, und im Leben gibt es nichts Wichtigeres als die Kinder. Wenn man diese Tatsache mit 50 Jahren feststellt, ist der Zug schon abgefahren.“

Mit seiner Aussage macht Mart Helme dem Populismus alle Ehre. Er ist nun in gleicher Gesellschaft mit denjenigen, die verlangen, dass Homosexuelle Heterosexuelle heiraten sollen, um die Geburtenrate in die Höhe zu treiben.

In Estland wird zu wenig Nachwuchs geboren, weil die Gehälter niedrig und die Lebenshaltungskosten hoch sind. Viele junge Leute arbeiten im Ausland. Viele müssen ihre Kinder zu Hause in Estland alleine oder in der Obhut von Verwandten lassen, weil sie in der Heimat keine Beschäftigung finden und in Skandinavien oder in Mittel-Europa eine Anstellung bekommen haben. Viele Estinnen heiraten Ausländer, denn die estnischen Männer sind oft alkohol- oder drogenabhängig.

Doch EKRE hat bislang, wie auch andere Rechtspopulisten in Europa, keine konkreten Verbesserungsvorschläge bereit, wie es möglich wäre, die Familiengründung in Estland attraktiv zu machen. Wenn die Frauen solche niveaulosen Schuldzuweisungen hören müssen, kann Martin Helme sich sicher sein, dass auch die letzten ehelose Evastöchter ihren Ehegatten im Ausland suchen werden.

(Quelle: Delfi, Eesti Päevaleht) Mitarbeit: Thomas Michael

Foto: © EKRE

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