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Ballettstar Dmitritschenko wegen Säureattacke verurteilt

Sergei Filin im Ballett von Pjotr Tschakowski „Pa de de“ © Damir Jusupow / Bolschoi Theater PresseSergei Filin im Ballett von Pjotr Tschakowski „Pa de de“
Foto: © Damir Jusupow
Bolschoi Theater Presse
Das Szenario klingt wie ein Drama. Doch hier wird nicht auf der Bühne gespielt, sondern es geht um einen tragischen Fall aus dem realen Leben. Weil sich ein Ballettstar mental nicht damit abfinden konnte, dass er von seinem Chef bei der Besetzung exzellenten Rollen übergangen worden war, soll er Kriminelle engagiert zu haben um seinen Vorgesetzten außer Gefecht zu setzen.

Der hinterlistiger Star heißt Pawel Dmitritschenko. Seine Bühne war das weltberühmte Bolschoi-Theater in Moskau. Jetzt wurde er von einem Gericht zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und muss die nächsten Jahre auf der Gefängnisbühne tanzen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die verurteilte Ballettgröße für eine Säureattacke auf Bolschoi-Chef Sergei Filin verantwortlich ist. Filin, ebenfalls ein Weltniveau-Tänzer, wurde am 17. Januar vor seiner Wohnung in Moskau überfallen und mit ätzender Säure übergossen. Dabei erlitt der Russe schwere Verätzungen in seinem Gesicht und büßte zum Teil seine Sehkraft ein. Der Täter entkam.

Die brutale Tat hat die ganze globale Kulturszene entsetzt. Sergei Filin führt seit 2011 die größte und berühmteste Balletttruppe der Welt.

Auf der Suche nach dem Angreifer vernahmen die Ermittler Mitarbeiter und Bekannte des Ballettdirektors.

Mit Dmitritschenko saßen auch der die Tat Ausführende, Juri Saruzki, und der Fahrer des Fluchtautos, Andrei Lipakow, auf der Anklagebank. Der Erstgenannte muss jetzt zehn und der letztere vier Jahre im Zuchthaus verbringen. Alle drei Tatgefährten müssen zusätzlich noch ein Schmerzensgeld in Höhe von etwa 80.000 Euro an ihr Opfer zahlen.

Dmitritschenko will Revision beantragen, er fühlt sich an der grausamen Tat nicht schuldig. Laut seiner Aussage hatte er seine Kumpels angewiesen, Filin nur „eine zu verpassen“ und nicht dabei Säure zu benutzen.

Sergei Filin  © Privatsammlung / Bolschoi Theater-PresseSergei Filin
Foto: © Privatsammlung
Bolschoi Theater-Presse

Zerstörung von Anderen ins Kauf genommen
Eigentlich hat der Schuldiggesprochene alles erreicht, wovon Balletttänzer träumen. Er konnte in dem legendären Theater im Rampenlicht stehen und dies seit über zehn Jahren. Doch er wollte mehr. Um mehr zu erreichen, war er bereit die Zerstörung von Anderen, die er auf seinem weiteren Karriere als Hindernis sah, in Kauf nehmen.

Der Posten des Ballett-Leiters an der Moskauer Bolschoi gilt als einer der einflussreichsten. Filin konnte bestimmen, welche Tänzer welche Rollen übernehmen, dies führte oft zu heftigen Auseinandersetzungen. Auch Futterneid war im Spiel. Nach der Tat berichteten Kollegen, dass die Internetseite des Weltklasse-Tänzers gehackt und mit Beleidigungen übersät worden sei. Zudem seien seine Autoreifen zerstochen worden.

Die Ereignisse zeigen, dass hinter pompösen Fassade ein hässlicher Machtkampf herrschte. Auf die Bühne wurde dem Publikum Grazie präsentiert, nach der Vorstellung fetzten die Federn. In der Bolschoi-Theater herrschen eigene Gesetze, die mit äußerlichen schönen Schein nichts zu tun haben. Man muss nur die Erinnerungen von Galina Wischnewskaja oder Maja Plissetskaja lesen. Wer sich in diesem Kunststempel Fuß fassen will, muss vor allem ein dickes Fell und extreme Durchsetzungsfähigkeit besitzen. Manchmal sogar über Leichen gehen - wie es eben Dmitritschenko getan hat.

Die Geschichte des Bolschoi Theaters (vom russischen Wort bolschoi = groß) reicht rund 200 Jahre zurück. Das Theater hat eine reiche Opernkultur und gilt als Wiege des klassischen Balletts mit makellosem Spitzentanz, athletischer Sprungkraft und streng synchronen Bewegungen. 1776 gab Zarin Katharina die Große den Auftrag zur Gründung eines Theaters im Zentrum Moskaus. Der Bau des Architekten Joseph Bové zählt zu den Meisterwerken des russischen Klassizismus. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion versank das Theater im Chaos, 2005 musste der marode Bau schließen. Nach einer Totalsanierung wurde es 2011 in altem Glanz wiedereröffnet.

www.bolshoi.ru


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