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Unterwassertunnel zwischen Tallinn und Helsinki in Planung

Bahntunnel - SymbolbildBahntunnel - SymbolbildVon Aino Siebert

Schon einige Zeit wird über die Idee gesprochen, unter dem Finnischen Meerbusen in der Ostsee einen Tunnel zu bauen, der die Hauptstädte Estlands und Finnlands, Tallinn und Helsinki, verbinden soll. Die Länge der Röhre hängt davon ab, welcher Weg für das Bauwerk genommen wird. Der kürzeste wäre 50 Kilometer. Wenn der Tunnel tatsächlich entsteht, so wäre dies die längste Unterwasserröhre der Welt.

Entsprechende Planungen wurden schon im Februar 2015 von der Firma Sweco Projekt AS präsentiert. Das Unternehmen schätzte den Röhrenlänge auf 92 Kilometer. Zum Vergleich: der St. Gotthard-Hauptscheiteltunnel in der Schweiz ist 57 und der Kanaltunnel (Eurotunnel), der Frankreich mit Großbritannien verbindet, 50 Kilometer lang. Mit einem Streckenanteil von 37 km unter der Straße von Dover ist Letzterer zur Zeit der längste Unterwassertunnel der Erde.

Schätzungsweise wird der Tallinn-Helsinki-Tunnel bis zu 13 Milliarden Euro kosten, doch wirtschaftlich gesehen würde die Röhre großen Nutzen mit sich bringen, denn sie verbindet umweltfreundlich zwei geopolitisch getrennte Regionen. Wenn der Tunnel fertig ist, müssten die Reisenden nicht mehr durch Russland fahren oder den Luft- oder Seeweg nehmen. Eine Zugfahrt von der estnischen Metropole in die finnische Hauptstadt würde rund 20 Minuten dauern.

Die Fähren brauchen zur Zeit für eine Überfahrt bis zu vier Stunden. Schnellboote, die nur bei guter Wetterlage unterwegs sind, sind in etwa einer Stunde und 40 Minuten am anderen Ende.

Der Analytiker und frühere US-Spitzenbeamte Paul Goble sagte vor einiger Zeit dem finnischen nationalen Rundfunk YLE, dass eine Eisenbahnstrecke, die von Norwegen durch Finnland nach Tallinn und von dort weiter nach Europa führt, für Russland ein großes Problem darstellen würde. Denn mit dem geplanten Unterwassertunnel würde das geopolitische Gewicht sich stark verändern.

Der finnischen Transportministerin Anne Berner zufolge wäre es durchaus möglich, den Tunnel mit einer Privatfinanzierung zu bauen, falls die Röhre dem gesamten Transportnetz Finnlands nützt. Dem skandinavischen Land fehlt eine direkte Eisenbahnstrecke nach West-Europa.

Die finnische Tageszeitung Helsingin Sanomat berichtete, dass Peter Vestervacka, Erfinder der Angry Birds (einer Reihe von Artillerie-Computerspielen, die vom finnischen Entwicklerstudio Rovio Entertainment Ltd. entwickelt wurde), sich schon um eine Finanzierung für den Tunnelbau kümmere. Wenn es nach ihm ginge, würde die Röhre unter dem Flughafen Helsinki-Vantaa verlaufen und von Chinesen finanziert werden.

Foto: www.eestielu.ca