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Elektromobilität: Der Strom kommt aus der Steckdose

Polizeifahrzeug der Mercedes B-Klasse mit ElektroantriebPolizeifahrzeug der Mercedes B-Klasse mit Elektroantrieb
Foto:© Mercedes-Benz
von Werner E. Siebert

Auf dem Parteitag der Partei Bündnis90/Grüne am 16.-18-Juni 2017 prallten Realisten und Fundamentalisten beim Thema Elektromobilität aufeinander. Während der fundamentalistische Flügel, vertreten durch den Bundestagsabgeordneten Hofreiter, auf einem Verbot aller Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Benzin/Diesel/Gas besteht und dieses Vorhaben auch im Wahlprogramm durchsetzte, sieht der Realo-Flügel dieses Ziel als unrealistisch an, was zu dem heimlich gefilmten Wutausbruch des Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Kretschmann führte "Schwachsinnstermin" mit der Voraussage von 6-8 Prozent bei der Bundestagswahl.

In der Tat ist dieses Vorhaben optimistisch, geht doch der derzeitige Ansatz der Bundesregierung von 1 Million Elektrofahrzeugen bis 2020 und 6 Millionen bis 2030 aus. In der Öffentlichkeit wird unter umweltschonenden Antrieben vor allem der batteriegestützte reine Elektroantrieb verstanden, auf den sich in den letzten Jahren auch die Förderung konzentrierte.

Die Erforschung von weiteren Alternativen wie der Elektroantrieb mit Brennstoffzellen und die weitere Verwendung von Verbrennungsmotoren, betrieben mit Wasserstoff oder Strom erzeugtem Erdgas (Power to Gas) blieben der Autoindustrie vorbehalten. (z.B. BMW: Wasserstoff als Treibstoff in Verbindung mit der Brennstoffzelle und AUDI: Künstliches Erdgas und herkömmliche Verbrennungskraftmaschine).

In jüngster Zeit scheint aber auch die Politik an Alternativen zu reinen Elektroantrieb zu denken, so sollen bis 2023 sollen insgesamt bis zu 400 Wasserstofftankstellen in Deutschland zu Verfügung stehen.Wasserstoff  betriebenes Brennstoffzellenfahrzeug von BMW<br />Foto: © BMWWasserstoffbetriebenes Fahrzeug mit Brennstoffzelle von BMW
Foto: © BMW

Elektromobiltät und Netzbelastung

Die alternativen Antriebsarten, ausgenommen die Verwendung von Biogas in Verbrennungsmotoren, basiert auf dem primären Einsatz von elektrischer Energie, sei es zur direkten Ladung von Kraftfahrzeugbatterien oder zur Erzeugung von Wasserstoff oder Methan.

Der durchschnittliche Energiebedarf eines typischen Elektro-Automobils mit üblichem Nutzerprofil (Stadt- und Landfahrten, 15.000 km/Jahr) liegt bei 15 - 25 kWh/100 km . Hinzu kommen allerdings noch Lade-/Entladeverluste von 25 Prozent sowie Leitungsverluste zwischen Kraftwerk und Anschlusspunkt von c.a. 5 Prozent. Wird dies korrekt berücksichtigt, so benötigt ein typisches E-Automobil eine durchschnittliche Energiebereitstellung 26 kWh/100 km. Andere Studien kommen sogar auf 36 kWh/100 km. Laut Kraftfahrtbundesamt liegt die durchschnittliche Jahresstrecke bei 14.260 Kilometern, so dass sich pro PKW ein Jahresenergiebedarf von 3.707 kWh ergibt.

Legt man die gesamte Anzahl von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren in Höhe von 45 Mio. Fahrzeugen zu Grunde anstatt von den projektierten 6 Mio. bis 2030 so ergibt sich für die Elektromobilität bei allen PKW von 170 TWh. Hinzu kommen noch ca. 100 TWh für alle LKW, ohne diese ein Übergang zu alternativen Antrieben keinen Sinn macht.

Laut Umweltbundesamt haben 2016 die alternativen Energien einen Anteil von ca. 30 Prozent an der Gesamterzeugung von ca. 648 THW. Mit diesem Zusatzbedarf an elektrischer Energie reduzieren sich diese 30 Prozent auf ca. 20 Prozent Anteil der regenerativen Energien. Diese Energiemenge von 918 TWh ist realistisch mit regenerativer Energieerzeugung aufzubringen um den erwünschten Effekt auf den Klimaschutz zu erreichen. Zu den bestehenden Anlagen muss also der vierfache Bestand hinzugebaut werden.

Alternative Energien und Saisonspeicherung

Die Umstellung auf alternative Energien beschränkt sich von staatlicher Seite lediglich auf die Förderung und Unterstützung der Energieerzeugung. Nicht berücksichtigt wird die starke Fluktuation des Dargebots an regenerativen Energien. Die zwingend notwendige Saisonspeicherung z.B. durch Gaserzeugung oder Kyrogenspeicherung wird ausgeklammert. Der Focus liegt auf dezentralen Systemen als Ausweg zu Großspeichern und Leitungen, die bei der traditionellen Öko-Klientel zu Wahlenthaltung führen.

Die Bedarfsabsicherung durch Saisonspeicher, derzeit auch kein Thema der deutschen Sozialdemokratie entsprechend deren Bindung an die Tradition vergangener Jahrhunderte. Stammen doch aus der verbleibenden Braunkohleindustrie jahrelang treue Wähler, so dass z.B. vom WirtschaftsmiSciroco-Erdgasfahrzeug von VW auf der DTM<br />Foto: © Das Baltikum-BlattSciroco-Erdgasfahrzeug von VW auf der DTM
Foto: © Das Baltikum-Blatt
nisterium (Zypris, vormals Gabriel) lediglich Forschungen zur klassische Kurzzeit- Pumpspeicherung gefördert werden.

Von Umweltschützern und Bürgerinitiativen werden Stromleitungen in Frage gestellt. Verbindung mit Wärmespeichern um eine Energieabsicherung für Großverbraucher zu erreichen und ggf. eine Alternative zur Weiterleitung von Energie aus Windkraft- und Solaranlagen an Stelle von Stromleitungen zu entwickeln.

Es bleibt spannend abzuwarten ob es generell gelingt, den Energiebedarf Deutschlands durch alternative Energieerzeugung zu decken, oder mit der Einspeisung von Energie aus Kernkraft und oder - und/oder fossilen Energieträgern aus den Deutschland umgebenden Statten nicht das Prinzip verfolgt wird, dass der Strom aus der Steckdose kommt und der Rest keine was angeht.

Titelbild: © Das Baltikum-Blatt