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Tschetschenien: Diktatorstochter Aischat eröffnet in Grosny Unterwäschegeschäft

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Rasman Kadyrow, Präsident von TschetschenienRasman Kadyrow, Präsident von Tschetschenien Präsident Kadyrow

Im August 1999 marschierten wahhabitische Truppen (eine puristisch-traditionalistische Richtung des neuzeitlichen sunnitischen Islam) im Nachbarstaat Dagestan ein, um es einem islamisch-fundamentalistischen Kalifatsstaat anzuschließen, der auf längere Sicht den ganzen Nord-Kaukasus umfassen sollte. Dort kam es dann zu schweren Gefechten mit der russischen Armee. Ende September waren die tschetschenischen Einheiten aus dem Nachbarland vertrieben worden. Nach den auf russischen Territorium verübten Terroranschlägen, die Moskau zufolge von Tschetschenen verübt waren (obwohl Grosny die Anschuldigungen zurückwies), begann der zweite Tschetschenienkrieg, als 1999 Putin, damals Ministerpräsident, eine militärische Lösung des Konfliktes ankündigte. Sein Ziel war es, das Land erneut unter die vollständige Kontrolle der russischen Zentralregierung zu stellen. Die Region erhielt wieder den Status einer autonomen Republik innerhalb Russlands. Bei den Präsidentschaftswahlen 2003 wurde Achmat Kadyrow zum Präsidenten des völlig zerstörten Landes gewählt. Er, ein ehemaliger Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, war zuvor an die Seite Russlands gewechselt. Ein Jahr später wurde der Gesinnungsakrobat bei einem Bombenanschlag getötet. Das Land kam nicht zu Ruhe, blutiger Terror war an der Tagesordnung.

Schwere Menschenrechtsverletzungen

Seit Mai 2007 wird die Russische autonomische Teilrepublik Tschetschenien mit harter Hand von Ramsan Kadyrow geführt. Der Sohn von Achmat Kadyrow ist auch der Chef der nach seinem Vater benannten Sicherheitstruppe Kadyrowzy, dem verschiedene Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt werden, wie beispielsweise Entführungen, Totschlag und Folter. In der Dokumentation „Tschetschenien. Vergessen auf Befehl“ von Manon Loizeau werden Kadyrow Junior, der seine politische Heimat in der Putin-Partei „Einiges Russland“ gefunden hat, schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen: Dissidenten seien die Zehen ausgerissen worden, ganze Familien würden verschwinden, Oppositionelle würde von einer kriminellen, vom Staatsoberhaupt gesteuerten Justiz gegen jede Tatsächlichkeit verurteilt. Zuletzt machte Kadyrow Schlagzeilen mit seinem Kampf gegen  Homosexuelle. Im Oktober hat die englischsprachige Webseite back2stonewall.com berichtet , dass der in Russland populäre kaukasische Sänger Zelimkhan (Zelim) Bakajew von den tschetschenischen Sicherheitsbehörden wegen seiner angeblichen gleichgeschlechtliche Liebe verhaftet und dann im Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert worden sei. Augenzeugenberichten zufolge wurde der Schmusesänger in Grosny in ein Auto gezerrt und ist seither spurlos verschwunden. Nun fordert die Menschenrechtsorganisation Watch Human Rights Aufklärung des Falles. Ende September tauchten zwei Videos bei Youtube auf in denen Bakajew ausgelassen erzählt, dass er sich nach Deutschland abgesetzt habe. Freunde stellten die Authentizität des Videos in Frage. Nicht nur, weil russische Getränke auf dem Tisch stehen und die Innenausstattung des gezeigten Zimmers nicht deutsch aussieht, sondern auch, weil der Interpret mit seiner überbetonten Heiterkeit nicht wie er selbst wirkte. Es wird vermutet, dass der Verschwundene von seinen Kidnappern zu den Aufnahmen gezwungen wurde, um den Verdacht einer Verschleppung zu zerstreuen. Außerdem, hätte sich Bakajew tatsächlich in Deutschland aufgehalten, so bräuchte er keine Bedenken haben sich hier zu outen oder mit Freunden Kontakt aufzunehmen.Moschee in GrosnyMoschee in Grosny

In einem Dokumentarfilm von Ilja Jaschin wird dem Obertschetschenen noch Korruption vorgeworfen. Obwohl er laut eigener Steuererklärung 60.000 Euro pro Jahr verdient, führe Kadyrow einen luxuriösen Lebensstil mit einer Sammlung von teuren Uhren und Autos, einer Residenz sowie 102 Pferden. Nach Jaschins Meinung baut der Landesobere eine islamistische Despotie in Tschetschenien auf und gefährdet damit die nationale Sicherheit Russlands.

Vor drei Jahren berichteten Medien in Russland von einer Anti-Terroroperation gegen kaukasische Rebellen in der Hauptstadt Grosny. Kadyrow soll den Zugriff, während dessen mehrere Polizeibeamte getötet wurden, höchstpersönlich geleitet haben. Ein Jahr später war er Gast einer Hochzeit, bei der der Polizeichef Naschud Gutschigow seine zweite Frau, ein 17-jähriges Mädchen, heiratete. Trauungen mit Minderjährigen sind auch in Tschetschenien nicht erlaubt. Offensichtlich wurde der Teenager unter Zwang verheiratet. Kadyrow setzt sich auch sonst für die Mehrfachehe ein.

Trotzdem hatte der Kremlchef im Dezember 2004 ihm die Auszeichnung „Held der Russischen Föderation“ verliehen. Im März 2015 wurde der Despot noch mit dem „Orden der Ehre“ ausgezeichnet, als Geste der Versöhnung mit dem Kreml, nachdem eine Untersuchung die Ermordung des Oppositionsführers Boris Nemzow mit Tschetschenien in Verbindung gebracht hatte. Die Republik in Nord-Kaukasien ist ein muslimischer Staat, und Kadyrow selbst ist Anhänger des sunnitischen Sufismus. Sunniten bilden die größte Glaubensrichtung im Islam. Der Sufismus wiederum spiegelt Strömungen wider, die asketische Tendenzen und eine spirituelle, oft mit Mystik verbundene Orientierung aufweisen. Vor sieben Jahren verkündete der Staatschef, dass die Scharia, die religiösen Gesetze des Islam über Russlands Gesetzen liege, weshalb die Feinde des Islam beseitigt werden müssten.

Mit Glamour werden blutige Taten und menschenfeindliche Äußerungen des Diktators verschleiert. Doch offensichtlich stören die Käufer der Kadyrow-Mode sich nicht an den Menschenrechtsverletzungen. (asie / tmich)

Quellen: BBC, YouTube, Wikipedia

Fotos: Screenshoot

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