Google+

Russland: Vor 35 Jahren starb Leonid Breschnew

Beitragsseiten

Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und seinen DDR-Amtskollegen Erich Honecker –  West Side Gallery in BerlinBruderkuss zwischen Leonid Breschnew und seinen DDR-Amtskollegen Erich Honecker – West Side Gallery in BerlinVon Aino Siebert

Leonid I. Breschnew (1906-1982), der ehemalige Staatschef und Generalsekretär der sowjetischen Kommunistischen Partei (KPdSU), galt in seiner Heimat als Stalinist und Bürokrat, der durch seine Politik das rote Riesenreich in einen Wachstumsstillstand führte. Noch heute ist sein Name mit „Stagnation“ verbunden.

Er selber verglich sich mit Alain Delon. Doch das einzige, was den französischen Schauspielstar und den Chef der KPdSU verband, war die Anziehungskraft für das Mondäne. Der Sohn eines Metallarbeiters aus dem ukrainischen Dnjepropetrowsk, der im Oktober 1964 zum neuen Anführer des kommunistischen Staates gewählt worden war, hatte eine Schwäche für westliche Luxusgüter wie Rolex-Uhren,  schnelle Sportwagen oder schicke Sonnenbrillen. Der Nomenklaturaboss hatte zudem ein Faible für hübsche Damen: Eine Stewardess-Schönheit der sowjetischen Luftagentur Aeroflot beherbergte er bei einem Staatsbesuch sogar in seinem Gäste-Bungalow in Camp David am Rande der Blue Ridge Mountains, der als Erholungsanlage für den amtierenden US-Präsidenten dient.

Unvergesslich ist auch Breschnews Staatsbesuch im Jahr 1973 in Königswinter bei Bonn, als das vier Jahre zuvor geschlossene Gästehaus der Regierung auf dem Petersberg extra für den hohen Staatsgast noch einmal geöffnet wurde. Die Gastgeber schenkten dort dem Generalsekretär eine brandneue Mercedes-Coupé-Limousine 450 SLC. Niemand hatte allerdings damit gerechnet, dass Breschnew den Luxuswagen gleich selbst ausprobieren wollte. Der Weg vom Petersberg in die untenliegende Stadt am Rhein ist eng, steil und kurvenreich – so war es nicht verwunderlich, dass diese spontane Fahrt mit einem blitzschnellen Wagen nicht gut enden konnte. Es kam, wie es zu erwarten war – Oberkommunist fuhr den hochpreisigen Sportwagen zu Schrott. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) war allemal nur erleichtert, dass der Kremlchef den protokollarisch ungeplanten Ausflug überlebt hatte, der Gast aus Moskau bekam prompt eine zweite Nobelkarosse überreicht. Auch die örtliche Polizei machte über die letztendlich tragikomische Episode keine Meldung.Frühere Regierungsgästehaus in KönigswinterFrühere Regierungsgästehaus in Königswinter

Dissidenten brutal verfolgt

Breschnew wollte eigentlich den Lebensstandard der Sowjetmenschen verbessern und dabei eine Liberalisierung der für stets auf fünf Jahre festgelegten Planwirtschaft einläuten. Der neue Mann im Kreml strebte im Zeitalter des Kalten Krieges zudem an, die Entspannungspolitik zwischen Ost und West in die Wege zu leiten. Dabei duldete er allerdings keine politische Rebellion, auch nicht in den sozialistischen Bruderländern. Eine der bekannten Fragen an den von der Sowjetmacht verbotenen Sender Radio Jerewan in Armenien lautete: „Stimmt es, dass Breschnew die Witze sammelt, die über ihn erzählt werden?“ Antwort: „Im Prinzip ja. Aber er sammelt auch die Leute, die diese Witze erzählen.“

Während der Breschnew-Ära wurden Dissidenten brutal verfolgt, und der Prager Frühling im August 1968 wurde gewaltsam durch die Truppen des Warschauer Paktes niedergeschlagen. Es wurde die sogenannte „Breschnew-Doktrin“ eingeführt, mit der die begrenzte Souveränität der Satellitenstaaten in Osteuropa und die Vormacht der Sowjetunion festgeschrieben wurde. Demgegenüber blieb nach 1970 die sowjetische Unterstützung für die sozialistische Regierung Salvador Allendes fast nur phrasenhaft, obwohl der chilenische Präsident gegen den drohenden Militär-Putsch Wirtschafts- und Militärhilfe forderte. Mit der Teilnahme an der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die ihren Abschluss 1975 in der Schlussakte von Helsinki fand, wollte Breschnew die Entspannungspolitik fördern.

Außenpolitisch profitierte der mächtige Generalsekretär ab Anfang der 1970er Jahre durch den verlorenen Vietnamkrieg der Amerikaner, der der Sowjetunion eine kleine Verschnaufpause im Wettrüsten verschaffte. Doch anschließend beendete er selber mit der militärischen Intervention in Afghanistan Ende 1979 diese Phase der Entspannung. Der Krieg in einem fremden Land entwickelte sich zu einem Debakel, tausende Sowjetbürger wurden in Särgen in die Heimat zurück gebracht. In der Folge scheiterte die Ratifizierung des SALT II-Vertrages (Gespräche zur Begrenzung strategischer Rüstung) vor dem US-Senat, und es kam zum Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau und Tallinn durch die USA und 64 weitere Nationen, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland.

Beitragsseiten