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Russland: Tschetschenischer Sänger soll wegen seiner Homosexualität getötet worden sein

Zelimkhan (Zelim) BakajewZelimkhan (Zelim) BakajewDie englischsprachige Webseite back2stonewall.com berichtet , dass der in Russland populäre kaukasische Sänger Zelimkhan (Zelim) Bakajew von den tschetschenischen Behörden wegen seiner angeblichen Homosexualität verhaftet und dann im Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert worden sei. Die Online-Zeitung beruft sich dabei auf Igor Koketkow, einen Vertreter des russischen Homosexuellenverbandes.

Der 26-Jährige soll zuletzt am 8. August in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gesehen worden sein. Dorthin war er aus Moskau angereist, da er an der Hochzeit seiner Schwester teilnehmen wollte. Doch sei Bakajew dort nicht angekommen; dies berichtet auch eine weitere Quelle. Der Schmusesänger sei zudem nicht mehr in den sozialen Netzwerken aktiv.

Keine Schwulen in Tschetschenien

Im Frühjahr berichtete die russische regierungskritische Zeitung „Nowaja Gazeta“, dass über hundert Männer im Nordkaukasus von Sicherheitskräften festgenommen worden seien, drei von ihnen starben. Den Verhafteten wurde „nicht traditionelle sexuellen Orientierung“ vorgeworfen. Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, hat dem Sendekanal HBO in New York im Juli diesen Jahres ein Interview gegeben, in dem er dem Reporter David Scott widersprach, dass in seinem Land gleichgeschlechtliche Männer inhaftiert und gefoltert würden. Wortwörtlich sagte er: „Bei uns gibt es solche Leute gar nicht. Wir haben keine Schwulen. Und wenn es sie gibt, nehmt sie mit nach Kanada, weit weg von uns, damit unser Blut gesäubert wird.“ Schon im April hatte sein Sprecher Alwi Karimow der russischen Nachrichtenagentur Interfax berichtet: „Man kann niemanden ergreifen oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“ Sollten solche Leute in Tschetschenien existieren, so „müssten sich die Sicherheitsbehörden keine Sorgen um sie machen, denn ihre Verwandten würden sie schon an einen Ort geschickt haben, von dem sie nie wiederkehren könnten.“ Tschetschenien ist muslimisch geprägt, weshalb Gleichgeschlechtliche nicht nur von Offiziellen, sondern „im Namen der Ehre“ auch von ihren eigenen Angehörigen verfolgt werden.

Religiöse Wertevorstellungen

In der Nordkaukasusrepublik tobte zwei Jahrzehnte lang ein blutiger Krieg gegen Rebellen, die eine eigene souveräne Republik anstrebten. Obwohl die Kämpfe beendet sind, geht der von Moskau eingesetzte Kadyrow weiterhin brutal gegen Regimekritiker vor und treibt dabei seine religiös motivierten Wertevorstellungen voran. Die Polizei sucht nach Schwulen vor allem über soziale Medien. Dabei geben sie sich selber als homosexuelle Männer aus. Man berichtet von einen 16-jährigen Dorfjungen, der brutal zusammengeschlagen nach Hause gebracht wurde. Die Sicherheitsbehörden haben das Opfer vor die Tür des Elternhauses geworfen und den Familienangehörigen geraten, ihn zu töten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat Russland am 20. Juni wegen seiner Anti-Schwulen-Gesetze aus dem Jahr 2013 verurteilt. Das Verbot von „Propaganda für Homosexualität“ verstoße gegen die Meinungsfreiheit und das Diskriminierungsverbot. Das von Russlands Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz stellt positive Äußerungen über Homosexualität in Anwesenheit Minderjähriger unter Strafe. Geklagt haben drei Aktivisten, die gegen die Gesetze protestiert hatten und deswegen Geldstrafe zahlen mussten. Die Richter sprachen ihnen Abfindungen bis zu 20.000 Euro zu. (asie/tmich)

Foto: Twitter



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