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Russland: Wallenbergs Familie will Zugang zu Moskauer Archivdokumenten

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Raoul WallenbergRaoul WallenbergDie Nachkommen von Raoul Wallenberg (geboren am 4. August 1912), der während der Naziokkupation in Ungarn tausenden Juden das Leben rettete, haben bei einem Gericht in Moskau auf Zugang zu Archivmaterialien des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB (ehemals KGB und NKWD) geklagt. Sie fordern einen „Zugang zu den den schwedischen Diplomaten betreffenden Originaldokumenten“.

Rückblick: Ende April 1944 begann die Ghettoisierung und Deportation von über 400.000 Juden aus der ungarischen Provinz, organisiert durch das Sondereinsatzkommando Adolf Eichmann mit freiwilligen lokalen Hilfskräften. Die Geschehnisse ließen Wallenberg nicht kalt. Durch den Einfluss seiner Familie, einer der reichsten Schwedens, war es ihm möglich, am 9. Juli 1944 als erster Sekretär der schwedischen diplomatischen Vertretung nach Budapest zurückzukehren, um mit Unterstützung der schwedischen Regierung und US-Behörden Maßnahmen zur Rettung von Juden zu koordinieren. In Stockholm wurde ihm eine Liste mit rund 800 Personen mit Beziehungen zu Schweden mitgegeben, deren Aufnahme das skandinavisches Land garantierte.

Rettung durch Schutzpässe

Wallenberg rettete die Menschen vor allem durch die Ausstellung sogenannter Schutzpässe. Obwohl völkerrechtlich nicht bindend, wurden die Dokumente sowohl von den ungarischen als den deutschen Behörden anerkannt. Gelegentlich wurde auch mit Bestechung nachgeholfen.

Der Schwede organisierte gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Carl Lutz zudem die Unterbringung seiner Schützlinge in über 30 Schutzhäusern, der er teils selbst gekauft hatte.

Rund 80.000 Juden, die auf Befehl des damaligen ungarischen Premierministers Ferenc Szálasi im November 1944 in dem in Budapest errichteten Ghetto zusammengedrängt waren, konnte Wallenberg wiederum durch Lebensmittellieferungen helfen.

Eichmann drohte, den „Judenhund Wallenberg“ erschießen zu lassen. Die Drohungen zeigten jedoch nur die Hilflosigkeit des SS-Obersturmbannführers, denn er war dazu weder in der Lage noch autorisiert, um solche Maßnahmen durchzuführen.

Als Eichmann im November 1944 wegen mangelnder Transportmöglichkeiten die jüdischen Gefangenen auf Todesmärschen zu Fuß und ohne Nahrung zur österreichischen Grenze treiben ließ, verteilte Wallenberg auf der Marschroute Lebensmittel und suchte nach Inhabern schwedischer Schutzpässe. Durch sein selbstbewusstes Auftreten bewirkte er den Eindruck, dass rund 200 Personen in der Tat die lebensrettenden Dokumente haben, und konnte sie nach Budapest zurückbringen. Unter den Geretteten war auch die Mutter des späteren israelischen Politikers Josef Lapid.

Vor dem Einmarsch der Roten Armee in Budapest Mitte Januar 1945 ermordete Mitglieder der faschistischen und antisemitischen Partei Pfeilkreuzler (Hungaristen) auf grausame Weise rund 15.000 Ghettobewohner. Sie schleppten die Juden an die Donau, wo sie sich vor ihrer Erschießung entkleiden mussten. Auch hier gelang es Wallenberg, viele Menschen mit seinem selbstsicheren Auftreten und der Unterstützung durch die ungarische Polizei zu retten.

Kurz vor der Befreiung des Ghettos war dessen Vernichtung geplant, die schließlich verhindert wurde, da Wallenberg dem Wehrmachtsgeneral Gerhard Schmidhuber gedroht habe, ihn andernfalls als Kriegsverbrecher vor Gericht zu zitieren.

Zuletzt im Januar 1945 gesehen worden

Raoul Wallenburg wurde zum letzten Mal am 12. Januar 1945 gesehen, als er sich mit seinen Helfern zum Abendessen traf. Er hatte vor, sich auch nach der Eroberung Ungarns durch die Armee des roten Diktators Jossif Stalin weiterhin für seine Schützlinge einzusetzen, weshalb er den sowjetischen Kommandanten treffen wollte. Auf dem Weg nach Debrecen wurde der Diplomat jedoch nach Moskau verschleppt. Ein Spion der Staatssicherheit (damals NKWD) in der schwedischen Gesandtschaft in Budapest, der russische Emigrant Michail Tolstoi, hatte behauptet, Wallenberg sei ein amerikanischer Spion. Während der stalinistischen Ära bedeutete dies ein Todesurteil. Wallenbergs Halbbruder, der über gute Kontakte zu sowjetischen Diplomaten in Stockholm während des Krieges verfügte, scheiterte beim Versuch, sich für Raoul einzusetzen – die Botschafterin Alexandra Kollontai hatte eine guten Draht zum Kremlchef und war nach Moskau zurückberufen worden.

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