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Zeugen Jehovas werden in Russland verfolgt

Vor dem Obersten Gerichtshof in MoskauVor dem Obersten Gerichtshof in MoskauDas Oberste Gericht Russlands hat am 20. April die Religionsgemeinschaft Zeugen Jehovas mit ihrer Zeitschrift „Der Wachtturm“ verboten und ihr Vermögen konfisziert. Die schätzungsweise rund 170.000 Gläubigen müssen nun ihre Zentrale in St. Petersburg und rund 400 Gemeinden auflösen.

Die Gemeindemitglieder seien laut Justizministerium Extremisten und stellen eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit dar. Die Zeugen Jehovas verbieten ihren Anhängern Bluttransfusionen. Dies sei dem Gericht zufolge ein Verstoß gegen Menschenrechte. Doch wohl gravierender für die Justiz war, dass sie auch den Wehrdienst ablehnen. Während der Sowjetära missionierten Zeugen Jehovas im Untergrund. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, drohen der Gläubigen Repressionen, Strafverfolgung und Verhaftungen.

Die Zeugen Jehovas möchten sich mit diesem Urteil nicht abfinden. Sie kündigten an, ihren Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vorzubringen. Sie riefen zudem ihre Anhänger weltweit auf, Protestbriefe an den Präsidenten Wladimir Putin zu schreiben.

Die Glaubensgemeinschaft ist auch in Deutschland umstritten, weil sie zur Gehorsamkeit verpflichtet und die Gläubigen sozial isoliert. Demzufolge wird sie auch oft als Sekte eingestuft. Das Auswärtige Amt (AA) und die Organisation für Menschenrechte, Human Rights Watch übten jedoch gegen das ausgerufene Verbot Kritik. Beide bringen vor, dass das Urteil besorgniserregend sei. Russland habe sich zur Achtung der Religionsfreiheit verpflichtet, und dies müsse auch für die Zeugen Jehovas gelten, sagte der Sprecher des AA, Martin Schäfer, am 21. April in Berlin.

Die Zeugen Jehovas sind aus der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher hervorgegangen, die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Charles Taze Russell gegründet wurde. Ihre Missionstätigkeit führen sie unter anderem durch das Verteilen der Zeitschriften aus, die in ihrem eigenen spendenfinanzierten, gemeinnützigen Verlagsunternehmen produziert wird. Die meisten Inhalte und Medien werden in 884 Sprachen zur Verfügung gestellt. (asie/tmich)

Foto: Webseite der Glaubensgemeinschaft