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Russland: Erste Frau im Kosmos feiert ihren 80 Geburtstag

Walentina TereschkowaWalentina TereschkowaDie erste Frau im Kosmos war, wie es sich im Arbeiter- und Bauernstaat gehört, die russische Näherin Walentina Tereschkowa. Am 6. März wurde sie 80 Jahre alt. Kremlchef Wladimir Putin gratulierte ihr höchstpersönlich mit einem großen Blumenstrauß.

Nach der Mischlinghündinn Laika, die als erstes Lebewesen 1957 vom Menschen gezielt in eine Umlaufbahn um die Erde befördert wurde, und dem Militärpiloten Juri Gagarin, der 1961 erfolgreich ins All gestartet war, wollte die Führung der Kommunistischen Partei der Sowjetunion unbedingt eine Frau ins All schicken. Nach der Suche nach geeigneten Kosmonautinnen blieben fünf Kandidatinnen übrig. Walentina Tereschkowa war eine von ihnen. Sie hatte nicht studiert, sondern verdiente ihren Lebensunterhalt mit Weben. Die zukünftige Raumfahrerin hatte auch keine militärische Ausbildung, in ihrer Freizeit sprang sie lediglich mit dem Fallschirm. Brisant in ihrer Biographie war, dass ihr Vater, ein Traktorfahrer, im Sowjetisch-Finnischen Krieg (Winterkrieg) des Jahres 1940 verschollen blieb. Während der Regierungszeit Jossif Stalins galt dies als Vaterlandesverrat, die Familie des Vermissten fiel in Ungnade. Warum Tereschkowa trotzdem in das Raumfahrtprogramm aufgenommen wurde, ist unklar.

Doch die Frau mit dem aus ihrem Funkrufnamen entstandenen Spitznamen „Tschaika“ (Möwe) wusste bestimmt, dass sie sich beweisen muss. Ihre kommunistische Heimat musste bei der Eroberung des Weltalls gegen ihren größten Gegner und Feind, die USA, gewinnen. Moskau wollte zeigen, dass der Sozialismus über dem Kapitalismus steht. Tereschkowa hat ihre Beförderer nicht enttäuscht. Sie wurde am 16. Juni 1963 an Bord des Raumschiffes Wostok 6 in Baikonur in das Weltall katapultiert, und sie flog dort fast drei Tage lang. Am 19. Juni landete Kosmonautin dann heil nahe Nowosibirsk in Sibirien.

Zurück auf der Erde, war sie eine Legende. Doch ihre politische Mission war damit noch lange nicht vorbei. Der Kreml hat die Weltraumfahrerin für seine Propagandazwecke gebraucht. Und so fuhr sie brav durch das rote Imperium, besuchte andere Länder, immer maskulin gekleidet in Militäruniform oder Anzug, immer zuverlässig lächelnd, immer regimetreu. Bis heute. Walentina Tereschkowa sitzt für die Putin-Partei Geeintes Russland in der Staatsduma.

Kurz nach ihrer Rückkehr aus dem Weltall heiratete sie Andrijan Nikolajew, der ebenso als Kosmonaut an der Wostok-3-Expedition teilgenommen hatte. Ein Jahr später kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Tereschkowa begann nun ihr Studium an der Schukowski-Ingenieurakademie der sowjetischen Luftstreitkräfte. Im Mai 1966 wurde sie in den Obersten Sowjet, das Parlament der Sowjetunion, gewählt. Das Ehepaar ließ sich 1982 scheiden. In zweiter Ehe war Tereschkowa mit dem Orthopäden Juri Schaposchnikow verheiratet, der 1999 starb.

Im Juni 2013 sagte die erste Frau im All auf einer Pressekonferenz in Russland, dass sie für einen Marsflug auch ohne Rückkehr bereit sei. „Der Mars ist mein Lieblingsplanet“, versicherte Tereschkowa. Bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Winterspiele in der Schwarzmeer-Metropole Sotschi trug sie als eine von acht Trägern am 7. Februar 2014 die Olympische Fahne. (asie/tmich)

Foto: Presse / Kreml