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Russland: Pjotr Pawlenski stellt Antrag auf politisches Asyl

Pjotr PawlenskiPjotr PawlenskiPjotr Pawlenski (32) ist mit seiner Lebensgefährtin Oksana Schalygina und zwei Kindern nach Frankreich geflohen und hat dort einen Antrag auf politisches Asyl gestellt. In seiner Heimat Russland wird der Aktionskünstler neben sexuellen Missbrauches auch der schweren Körperverletzung beschuldigt.

Der Russe soll gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin eine Schauspielerin des Oppositionstheaters teatr.doc, Anastasia Slonina, vergewaltigt haben. Falls sie verurteilt werden, drohen dem Paar bis zu zehn Jahre Lagerhaft. Außerdem wird Pawlenski vorgeworfen, den Schauspieler Wassili Beresin, der ebenfalls ein Mitglied des Schauspielensembles ist, verprügelt zu haben. In diesem Fall drohen ihm bis zu drei Monate Freiheitsstrafe.

Umstrittene und blutige politische Aktionen

Pawlenski ist durch seine umstrittenen und blutigen regierungskritischen Kunstaktionen weltweit bekannt geworden. Er nähte 2012 sich vor einer Kathedrale in seiner Heimatstadt St. Petersburg den Mund zu, um gegen die Inhaftierung einiger Mitglieder der Punkband Pussy Riot zu protestieren. Später demonstrierte er nackt und in Stacheldraht gewickelt, ebenso in der Newa-Metropole, vor dem Parlamentsgebäude. 2013 hatte Pawlenski seinen Hodensack auf dem Moskauer Roten Platz mit einem etwa 10 cm langen Nagel festgenagelt, um gegen Gleichgültigkeit und korrupte Polizisten in Russland zu protestieren. Daraufhin wurde gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Hooliganismus eingeleitet.

Ein Jahr später schnitt er sich mit einem Fleischmesser auf dem Mauer der psychiatrischen Klinik des Sozial- und Gerichtspsychiatrischen Institutes Serbski in Moskau ein Ohrläppchen ab. Mit dem Aktion wollte er zeigen, dass der russische Staat alle Menschen aus der Gesellschaft schneidet, die dabei stören, vom Machthabern bestimmte Gesetze durchzusetzen. Die Betonwand der Nervenheilanstalt symbolisierte, wie die Psychiater die „kranken“ von „vernünftigen“, also Gehorsamen, abtrennen. Die Aussage ist eine Anspielung an die sowjetische Nervenheilanstalt, in der die Psychiater gesunde Menschen, die als Regimekritiker auffielen, mit Medikamenten ruhig gestellt haben.

Als Pawlenski, wieder in St. Petersburg, Reifen als Solidaritätsbekundung mit den pro europäische Demonstranten auf dem Maidan in Kiew anzündete, bekam er eine Anzeige wegen ideologisch motivierten Vandalismus. Im November 2015 wurde der Aktionskünstler zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er eine Tür des Gebäudekomplexes Lubjanka, des Hauptsitzes des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau, anzündete, um gegen staatlichen Terror zu protestieren. Der Künstler musste zudem einige Wochen in der Nervenheilanstalt verbringen und sieben Monate in Untersuchungshaft sitzen. Die Geldstrafe von rund 7000 Euro (500.000 Rubel) hat er bis heute nicht bezahlt – und will auch nicht, dass jemand sie ihm „spendiert“.

Anschuldigungen angeblich fabriziert

Der Russe selbst bestreitet die Anschuldigungen: „Uns wurde klargemacht, dass es zwei Möglichkeiten gibt, uns gewaltsam aus dem politischen Kontext Russlands zu liquidieren: Lagerhaft oder Exil“, schrieb er in einer auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme. Er wolle aber „unter keinen Umständen mit der Unterwürfigkeit eines Schafes in ein vom Staat betriebenes Schlachthaus torkeln“, begründete er seine Flucht nach Paris in Dezember 2016 .

Inzwischen hat Pawlenski seine Aussage korrigiert. Er soll doch mit Beresin in ein Gerangel geraten sein: „Dieser Mann hat mir geschrieben, und als wir uns trafen, begann er mit Provokationen“. Der Fall wurde durch den künstlerischen Leiter des Theaters Michail Ugarow bekannt. Die Theaterchefin Jelena Gremina zeigt auf ihrer Facebookseite zudem ein Video , auf dem der angeblich Beschuldigte zu sehen ist. Auf dem Streifen ist zwar eine Prügelei zu erkennen, doch die Bildqualität ermöglicht es nicht, die Beteiligten zu identifizieren. (asie/tmich)

Quellen: Die Zeit, Spiegel-Online, Delfi

Foto: Facebook


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