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www.baltikum-blatt.eu
17. Feb 2018
07. Woche
5. Jahrgang

Russland will für Gefangene Zwangsarbeit einführen

Bau der Gazprom-Arena in St. Petersburg am Fluss NewaBau der Gazprom-Arena in St. Petersburg am Fluss NewaDer Abgeordnete der russischen Staatsduma Alexander Hinschtein (Partei Einiges Russland) will in Zukunft verschiedene Projekte mittels der Zwangsarbeit von Gefangenen realisieren, schreibt die Zeitung Kommersant. Ein entsprechender Gesetzesentwurf sei von dem 40-Jährigen schon vorbereitet worden.

Demnach können verschiedene Organisationen oder Unternehmen Inhaftierte für die Ausführung von Arbeiten „bestellen“. Die Gefängnisverwaltung FSIN soll dem Zeitungsbericht zufolge die Idee unterstützen. Laut Hinschtein kann der Staat dann auch die Arbeitskraft der Gefangenen bei den Bauarbeiten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland nutzen. Zur Zeit ist es Gefangenen nur erlaubt auf dem Territorium der Vollzugsanstalten zu arbeiten.
Ob und wie die Häftlinge, darunter auch politische Gefangene, für ihre Arbeit bezahlt werden ist offen. Ebenso ist unklar, wie Weltfußballverband FIFA zu den Plänen Russlands steht.

Krise zwingt Russland zum Sparen

Am 29. September 2012 wurden von dem FIFA-Präsidenten Sepp Blatter und dem russischen Sportminister Witali Mutko die elf Austragungsorte und die zwölf WM-Stadien bekanntgegeben. Das Olympiastadion Luschniki mit 81.000 Sitzen in Moskau ist als Austragungsort des Eröffnungsspiels und des Endspiels vorgesehen. Es muss jedoch umgebaut werden. Im Hauptstadt soll noch ein neues, Spartak-Stadion errichtet werden. In Kaliningrad (früher Königsberg) muss ebenso ein neues Stadion gebaut werden, genau so wie in St. Petersburg, Kasan, Nizhny Nowgorod, Samara, Saransk und Wolgograd (ehemalige Stalingrad). Umgebaut werden müssen die Stadien in Jekaterinenburg, Rostow am Don und Sotschi.

Für den Errichtung und die Renovierung der Stadien wurde ein Budget in Höhe von 3,82 Milliarden US-Dollar festgelegt. Im Jahr 2010 bezifferte der damalige Ministerpräsident und aktuelle Staatspräsident Wladimir Putin die geplanten Investitionen zur „Vorbereitung der Stadien und der umliegenden Infrastruktur“ auf 7,3 Milliarden Euro. Wegen der angespannten Wirtschaftslage, verursacht durch die militärische Einnahme der Krim und der Unterstützung der prorussischen Rebellen in Donbass, den Fall der Ölpreises und die westlichen Sanktionen, hat Russland Anfang 2015 mit dem Einverständnis der FIFA Einsparungsmaßnahmen beim Stadionbau beschlossen.

Im Frühjahr 2014 wurden infolge der Annexion der Krim durch Russland und im Vorfeld der blutigen Auseinandersetzungen in der Ostukraine erstmals Stimmen laut, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu boykottieren.

GULAG-Erinnerungen werden wach

Das Vorhaben, Zwangsarbeiter für Bauvorhaben einzusetzen, lässt Erinnerungen an das berüchtigte sowjetische Repressionssystem, die GULAG-Arbeitslager neu aufleben. Die GULAG (Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager) diente zur Unterdrückung politischer Gegner, der Ausbeutung durch Zwangsarbeit und der Internierung von Kriegsgefangenen. Das Lagersystem stellte ein wesentliches Element der Herrschaft des roten sowjetischen Diktators Jossif Stalin dar. Die Arbeitskraft der Häftlinge wurde immer weitläufiger eingesetzt. Zum Beispiel haben rund 100.000 Häftlinge zwischen den Flüsse Ob und Jenissei eine Magistrale errichtet. Gefangene wurden auch bei der Bau des Moskau-Wolga Kanals eingesetzt. Zunächst wurden sie im wilden Gelände ausgesetzt und mussten selbst zurechtkommen. Die Arbeit war extrem hart: Außenarbeiten durften erst bei Temperaturen von minus 30 Grad abgebrochen werden. Pro Kopf und Tag wurden 200 Gramm Grütze, 200 Gramm Makkaroni und 100 Gramm Pflanzenöl kalkuliert. Mehr zu essen gab es nur bei Übererfüllung des Plans. Gearbeitet wurde ohne Mittagessen. Viele Häftlinge wurden auf der Flucht erschossen.

Eine Beschreibung des Lagersystems findet sich u.a. in dem Buch „Gulag”von Anne Applebaum

Foto: © Alex Florstein / Wikipedia

 


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