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Leserbrief: Baltikum-Blatt vom 19. Januar 2015: Estlands Präsidenten-Ehepaar steht vor der Scheidung

Von Thomas Michael, Detmold

Peinlich, peinlich. Eigentlich sollte man annehmen, dass ein Staatsoberhaupt ein Vorbild für sein Volk sein sollte. Nicht dass er wie ein Papst leben und das ehemoralische Mittelalter predigen müsste, aber eine Ehescheidung im Amt durch die Boulevardpresse an die große Glocke zu hängen und Bilder aus dem Privatleben zu veröffentlichen, zeugt von Minderwertigkeit der estnischen Presse. In einer Zeit, wo das Auseinanderbrechen von Ehen zum Alltag gehört, sollte ein Staatsoberhaupt darauf bedacht sein, die Ehegattin nicht als First Lady vorzuführen. Auch ein Staatspräsident ist nur ein Mensch, der ein gutes Recht auf den Schutz seines Privatlebens hat.

Bevor ein Staatsoberhaupt sein Amt antritt, sollten indes seine Kinder volljährig und aus dem Haus sein, denn Präsidentenkinder, ebenso wie Kinder von Ministern und Staatsanwälten, laufen leicht Gefahr, in der Schule ausgesondert zu werden, insbesondere falls der Vater aufgrund seiner Tätigkeit oder politischen Aggressivität Polizeischutz beansprucht, der die Kinder isoliert und deren Schulkameraden in Mitleidenschaft zieht. Dies trifft für Ilves sicherlich nicht zu; ich denke da eher an die Führungen von Weltmächten und Diktaturen, Großindustrielle sowie Andersdenkende mutwillig schikanierende Polizeiobere und Spitzenpolitiker auch kleinerer Länder.

Vielleicht sollte man erwägen, den Rechtsstatus der First Lady überhaupt abzuschaffen. Dies würde es Frauen ermöglichen, selbst für Präsidentenämter zu kandidieren - schließlich ist mir kein Ehemann eines weiblichen Staatsoberhauptes bekannt, der als First Lord firmiert.

Ich habe nichts dagegen, wenn ein neugewähltes Staatsoberhaupt in der Zeitung portraitiert und dabei auch der Berufsweg der Ehefrau und der Kinder genannt wird; deren Namen und Ausbildungs-/Arbeitsplatzstandorte sollten indes nicht genannt werden, um Nachstellungen durch die Ausbildungs-/Arbeitskollegen vorzubeugen.

 



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