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Leserbrief: Baltikum-Blatt vom 19. November: Deutschstämmiger Politiker gewinnt Präsidentenwahl in Rumänien

Leserbrief von Wolfgang Lienhart aus Bühl

Die Euphorie über den sensationellen Wahlerfolg von Klaus Johannis bei der Wahl zum rumänischen Präsidenten reicht weit über die Grenzen des Landes hinaus. Enttäuscht mag wohl der deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sein, der sich unbeirrt hinter den unterlegenen Konkurrenten Victor Ponta gestellt hatte. Schließlich ging der Sozialdemokrat (sprich: Wende-Kommunist), der im Wahlkampf keinen Untergriff ausließ, als klarer Favorit in die Stichwahl. Aber selbst unlautere Mittel – indem die Stimmabgaben der Auslandsrumänen in den Auslandsvertretungen sabotiert wurden - verhalfen nicht zum Sieg. Der gehört Johannis, dem Liberal-Konservativen, dem Bürgermeister von Hermannstadt, dem Siebenbürger Sachsen.

Mit diesem Thema gehen die Rumänen übrigens, wie auch die Ungarn,schon länger wesentlich offener um als beispielsweise Polen oder Tschechen. Es war nicht nur ein schweres Unrecht, die deutsche Minderheit gewaltsam zu vertreiben, beziehungsweise sie später buchstäblich zu verkaufen. Die Verbannungen der Deutschen fügten auch dem Land selbst großen wirtschaftlichen und kulturellen Schaden zu – diese Ansicht ist auch in Bukarest längst keine Einzelmeinung mehr.

Keine Frage, Johannis hat eine gewaltige Aufgabe und schwere Zeiten vor sich: Die Fördergelder der Europäischen Union (EU) sind längst aufgebraucht und versickert, wegen der Euro-Krise bleiben die erhofften Investitionen aus, dem Land droht ein erneutes Abgleiten in die Instabilität. Rumänien, das vor 25 Jahren das kommunistische Joch nur mit einem standhaften und blutigen Kampf abwerfen konnte, ist das zweitärmste EU-Mitglied. Korruption und Vetternwirtschaft sind seine Geißeln. Sie muss der Präsident konsequent angehen, um den Drahtseilakt bestehen zu können. Auf die Regierung wird er dabei nicht zählen können, die Unterstützung des Volkes hat er offensichtlich.