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Der Brandstifter ist weg

Ex-Minister Yanis Varoufakis zeigt Deutschland seinen StinkefingerEx-Minister Yanis Varoufakis zeigt Deutschland seinen StinkefingerVon Aino Siebert

Die jüngste Geschehnisse in Griechenland haben uns erneut gezeigt, wie leicht ein Volk in die Irre zu führen und zu manipulieren ist. Wenn ein Mensch mit populistischen Parolen in eine emotionale Trance versetzt wird, hört er auf rational zu denken. Auch das Volk kann sich irren, dass haben die Machtergreifungen von Diktatoren wie Wladimir Lenin, Jossif Stalin, Adolf Hitler und anderen deutlich gezeigt.

Gestern sind die Hellenen zu einem Referendum, ausgehend von dem linksradikalen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, aufgefordert worden, einen Stinkefinger in Richtung Europa zu zeigen. Das heißt, mit einem „oxi“ (auf griechisch „nein“) auf die europäische Sparpolitik zu reagieren. Die affektiven Bürger, darunter viele junge Menschen, sind der Empfehlung von Tsipras und Varoufakis brav gefolgt. Sie möchten zwar von Europa frische Kredite, doch bitte ohne Gegenleistungen. Ob die „Nein-Sager“, immerhin mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten, überhaupt verstanden haben, warum sie „oxi“ auf dem Wahlzettel angekreuzt haben, sei hingestellt. Niemand weiß das.

Doch Yanis Varoufakis, der umstrittene Finanzminister mit einem extremen Hang zur Selbstdarstellung, hat genau gewusst, wohin ein „oxi“ führen wird. Nämlich in die Sackgasse. Die gestrige Siegesfeier der Linksextremen und ihrer Anhänger war definitiv die letzte. Den Griechen stehen schwierige finanzielle Zeiten vor, denn die weiträumige Schuldenparty ist „over“. Die EU-Mitgliedsstaaten möchten zwar Griechenland weiterhin helfen, nur nicht mehr um jeden Preis. Die Hellenen selbst müssen ebenso bereit sein zu eigenständigem Handeln, Sparen und Reformieren. Die Menschen in Griechenland sind wichtig, doch ohne Geld sind sie nicht zu retten.

Nach mir die Sintflut

Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Referendumsergebnissen, trat der Brandstifter nun zurück. Es ist auszugehen, dass er mit seinem längst überfälligen Abdankung nur seinen Rausschmiss vorkam. Der radikale Rebell, der sich weigert Erwachsen zu werden, warf den Handtuch immerhin nicht freiwillig, wie er in seinem Blog unter „Minister no more“ berichtet. Der Rücktritt wurde ihm von einigen Mitglieder der Eurofamilie nahe gelegt.

Die Europäer haben die nicht zukunftsgerichteten Auftritte des unberechenbaren Wirtschaftswissenschaftsprofessors satt. Fünf Monate lang konnte Varoufakis keine ernstzunehmende Reformliste vorlegen oder seine ökonomische Visionen für sein leidgeprüftes Land konkretisieren. Doch die Schuld für die aktuelle miserable Situation in seinem Heimat sieht er weiterhin bei den anderen Euro-Ländern, vor allem in Deutschland. Seine fehlende Verantwortlichkeit und Professionalität kompensierte der stolze Grieche mit Beschuldigungen und Beleidigungen gegenüber den Retter. Während des Wahlkampfs zum Volksabstimmung wurde sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble als Blutsauger abgebildet.

Doch neben Amtskollegen der Eurogruppe scheint auch sein Chef, Alexis Tsipras am Ende begriffen zu haben, dass Großmaul Varoufakis ihm bei der gewünschten schnellen Einigung mit Geldgeber nur am Wege steht. „Mein Rücktritt kann Tsipras möglicherweise helfen, eine Vereinbarung mit den Kreditoren zu erreichen“, schreibt Mann, der sich im Öffentlichkeit als ewiger Student präsentiert hat. Varoufakis wäre nicht Varoufakis, wenn er nicht noch einen drauf legen würde: "Ich werde den Hass der Gläubiger mit Stolz tragen." Leider kann man Stolz nicht verzehren. Wenn seine Landsleute bald nichts mehr zu Essen haben oder keine Medikamente kaufen können, wird auch das nationale Stolz nicht weiter helfen. Die Griechen können ihre Würde nur mit einem kühlen Verstand, eisernen Sparen, guten Reformen und Rationalität retten.

Varoufakis für griechische Opposition nicht tragbar

Auch griechische Opposition hatte einen neuen Verhandlungsführer für die Gespräche in Brüssel verlangt. Varoufakis hatte regelmäßig mit Provokationen für negativen Schlagzeilen gesorgt, zuletzt warf er in der spanischen Zeitung „El Mundo“ den Gläubigern Griechenlands Terrorismus vor. "Was Brüssel und die Troika heute wollen, ist, dass das „Ja“ gewinnt, damit sie die Griechen weiter erniedrigen können", sagte der einstige Kassenwart Griechenlands mit Blick auf das gestrige Referendum. Die Hellenen waren überraschend aufgerufen worden abzustimmen, ob sie den harten Verhandlungskurs der linksradikalen Regierung von Tsipras mittragen (der Regierungschef warb für ein „nein“) oder die Reformvorschläge der Eurofamilie und des Internationalen Währungsfonds (IWF) akzeptieren wollen. Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) soll Varoufakis dem Regierungschef die Volksabstimmung eingeredet haben.

Dementsprechend kann man nur begrüßen, dass der Brandstifter an der schwierigen neuen Gesprächen über eine Einigung um Finanzspritzen für das bankrotte Land nicht mehr teilnehmen wird. Die Luft in Brüssel wird auch ohne den 54-Jährigen heiß genug sein. Ein Sondergipfeltreffen ist für Morgen terminiert. Der Athener Regierung muss klar sein, dass sie nur ein kleines Land in der Eurogruppe vertreten.

In Zwischenzeit ist viel politisches Porzellan zerschlagen worden, das Vertrauen ist verspielt. Tsipras selbst sollte ebenso den Rückwärtsgang einlegen, denn auch seine wirren verbalen Entgleisungen und hassvollen Reden gegen Darlehensgeber und Deutschland werden in Europa nicht mehr akzeptiert. Der griechische Ministerpräsident muss dringend seine 18 Amtskollegen in der Eurofamilie überzeugen, dass er es ernst mit Reformen und auch mit Sparmaßnahmen meint. Sonst steht seine Heimat vor einer unvermeidlichen humanitären Katastrophe, den er allein zu verantworten hat.

Das früher gute Verhältnis zwischen Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel ist deutlich abgekühlt. Zeitungsberichten zufolge sagte Merkel auf einem CDU-Präsidiums-Treffen, dass linksextreme Regierungschef in Athen "hart und ideologisch" reagiert und sein Land "sehenden Auges gegen die Wand fahren" lasse.

Foto: Screenshot