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Erfrischendes Duell zwischen Journalistin und Politiker

Nicht auf Mund gefallen: Chef der deutschen Sozialdemokraten Sigmar GabrielNicht auf Mund gefallen: Chef der deutschen Sozialdemokraten Sigmar GabrielDie Hauptnachrichten des deutschen zweiten Fernsehkanal ZDF „Heute“ laufen am 28. November wie immer. Diese Woche moderiert erfahrene Journalistin Marietta Slomka. Und doch ist am Donnerstagabend etwas anderes, denn vor einem Millionenpublikum gibt es auf ein Mal ein richtiges Wortgefecht zwischen Slomka und Chef der Sozialdemokraten, Sigmar Gabriel Ein spontanes Duell zwischen einer Spitzenjournalistin und Spitzenpolitiker.

Die Tageszeitung Aachener Nachrichten kommentiert diesen erfrischenden Fernsehauftritt: Gar Ungeheuerliches war am Donnerstagabend im ZDF zu bestaunen: Streit! Zwischen einem Politiker und einer Journalistin! In aller Öffentlichkeit ausgetragen! Ja, wo sind wir denn hier? Dem mit unsäglichen Kungel-Kuschel-Talkrunden sozialisierten Fernsehzuschauer mag derlei durch den Kopf geschossen sein, als ein sichtlich genervter Sigmar Gabriel im Interview auf Marietta Slomka traf. Die ZDF-Moderatorin hatte sich offenbar fest vorgenommen, den SPD-Chef an diesem Abend ins Schwitzen zu bringen. Von einem "Eklat" war später die Rede.

Selbst die amtierende Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von der CDU sah sich genötigt, dem armen Spitzengenossen via Twitter beizuspringen: "Er hatte einfach nur recht." Dabei zeigte das Interview und vor allem die anschließende Debatte nur eines: Kontroverse Aussprachen und Interviews mag das deutsche Publikum zwar nicht gewohnt sein; aber sie sind das Salz in der Suppe des Journalismus und sicher auch der Demokratie. So spielt keine Rolle, wer nun am Ende wirklich im Recht ist: die etwas zu aufgekratzt wirkende Slomka, deren Nachhaken penetrant wirkte; oder Gabriel, dessen persönlicher Angriff auf die Moderatorin nicht unbedingt als Ausweis von Souveränität zu werten sein dürfte. Wenn über Politik öffentlich und leidenschaftlich gestritten wird, dann ist das schon ein Gewinn für das deutsche Fernsehen. Politiker und Journalisten sind Menschen, keine Maschinen. Sie sind gelegentlich eitel, pampig oder angriffslustig. Und es ist schön, wenn man das auch ab und an zu sehen bekommt.

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert



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