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Neue Serie der ARD: „Der Lissabon-Krimi“

Jürgen Tarrach als Eduardo SilvaJürgen Tarrach als Eduardo SilvaVon Ülo Salm, Berlin

Die ARD möchte mit großen Hoffnungen im Ersten Programm des Deutschen Fernsehens am 5. April um 20:15 Uhr eine neue Krimi-Serie starten. Vielleicht verbindet sich damit die Erwartung, in absehbarer Zeit den langsam ermüdenden „Tatort“ abzulösen. Die sogenannte Degeto-Reihe der ARD nennt sich „Der Lissabon-Krimi“ und hat sich als Dauerkulisse die portugiesische Hauptstadt ausgesucht, fraglos eine der besonders schönen Städte Europas.

Am 27. März gab es in der Botschaft Portugals für die Presse eine Preview (Vorabschau) und die Gelegenheit, den ersten der Filme zu sehen. Der portugiesische Botschafter eröffnete die Veranstaltung mit einer humorigen und charmanten Ansprache, in der er nicht nur für die portugiesische Filmindustrie mit ihren beachtlichen und großzügigen Förderprogrammen für Investoren warb, sondern mit großem Engagement für sein Land und dessen Hauptstadt. Zuvor wurde auf einer Leinwand mit wunderschönen Bildern für Portugal und den Tourismus geworben. Beides war so überzeugend, dass man nicht umhin kam, den Lockrufen möglicherweise nachzugeben.

Der Titel des Films „Der Tote in der Brandung“ (passender: „ … am Strand“, aber schon zu oft benutzt) führt auf den ersten Blick zur Annahme, jetzt werde ermittelt, der Täter überführt und am Ende verhaftet. Mitnichten. Vielmehr wird Rechtsanwalt Eduardo Silva, dargestellt von Jürgen Tarrach, damit betraut, die Unschuld des in Verdacht Geratenen zu beweisen. In der dem Film folgenden Fragestunde wies der Hauptdarsteller dementsprechend darauf hin, dass es hier nicht um die übliche Kriminalkommissar-Arbeit gehe, sondern die Tätigkeit eines Strafverteidigers. Die Aufklärung der Straftat hat also nur Hintergrundfunktion.

Zu Beginn wenig überzeugend ist das Engagement seiner Assistentin Marcia Amaya, verkörpert von der jungen Schauspielerin Vidina Popov. Sie soll ihre ergänzende juristische Ausbildung als Referendarin beim Strafverteidigers Silva beginnen. Nach Missverständnissen, Schwierigkeiten und Differenzen folgt eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Allerdings ist der Beginn recht realitätsfern, wenn sie ihren Antritt beim Rechtsanwalt damit beginnt, dass sie aggressiv auftritt und ihm als erstes die Akte mit ihren Unterlagen auf den Tisch wirft.

Vidina Popov spielt eine Roma, es geschafft hat, Jura zu studieren und mit brillanten Benotungen zu beenden. Diskriminierungen können natürlich nicht ausbleiben. So beispielsweise durch Polizeibeamte, die am mutmaßlichen Tatort eintreffen und die (aus nicht ganz klaren Gründen) davonrennende junge Frau verfolgen und natürlich am unvermeidlichen Maschendrahtzaun festnehmen.

„Hollywoodkitschig“ ist der Schluss, wenn der für Recht und Moral kämpfende Rechtsanwalt mit dem obersten Gangsterboss der Stadt per Handschlag Frieden schließt.

Trotz kleiner Schwächen keine vergeudete Zeit. Man konnte nicht nur die Schönheit Lissabons genießen, sondern auch die gute schauspielerische Leistung von Jürgen Tarrach und viele aufregende Szenen. So bleibt nicht nur die Hoffnung, sondern auch der Wunsch, dass nach diesem ersten Film itere folgen, die spannende Unterhaltung bieten.

Foto: © ARD Degeto /Armando Claro



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