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Staatsgründungen vor 100 Jahren und die „Berlinale“

Cover - Estnischer Film auf der BerlinaleCover - Estnischer Film auf der BerlinaleVon Ülo Salm, Berlin

Vor 100 Jahren ergab sich nach Ende des 1. Weltkrieges für die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen die Möglichkeit, nach rund 700-jähriger Fremdherrschaft ihre Unabhängigkeit zu erklären. Am 16. Februar 1918 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit, am 24. Februar 1918 Estland und am 18. November 1918 Lettland. Das Estnische Filminstitut, das Nationale Filmzentrum Lettlands und das Litauische Filmzentrum nahmen Gelegenheit, die nationalen Gedenktage ihrer Länder in die diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Berlin einzubringen.

Die „Berlinale“ fand erstmals 1951 statt und wurde schon 1955 in die Reihe der A-Festivals aufgenommen. Allerdings brauchte es viele Jahrzehnte, bis die Berliner Filmfestspiele in ihrer Bedeutung allmählich den Festspielen von Cannes und Venedig vergleichbar wurden. Einen Aufschwung nahm diese Entwicklung erst, als im Jahre 2000 der Potsdamer Platz Mittelpunkt der Festspiele wurde. Aber es braucht noch etliche Jahre, bis die internationale Filmwelt und Hollywood den Spielen in Berlin Aufmerksamkeit und Wertschätzung auf Augenhöhe zu widmen begann.

Der Potsdamer Platz, dessen Geschichte mit dem Bau des Potsdamer Fernbahnhofs im Jahre 1838 begann, hatte sich bis in den Zweiten Weltkrieg hinein zu einem der bedeutendsten und bekanntesten Plätze Europas entwickelt. Im Zweiten Weltkrieg durch den Bombenkrieg der Alliierten fast völlig zerstört, fristete der Platz in den Nachkriegsjahren und während des Bestehens der DDR, insbesondere nach dem Bau der Berliner Mauer, als städtische Einöde ein trostloses Dasein. Heute ist er wieder ein internationaler Brennpunkt, nicht zuletzt dank der Filmfestspiele.

Ein anderer zentraler Ort war das Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt. Es verging kein Tag, an dem nicht im Rahmen des „Festival Baltikum“ vom 16. bis zum 25.Februar philharmonische Konzerte, Chorkonzerte und Soloaufführungen stattfanden, deren Aufzählung hier bei weitem den Platz sprengen würde.

Am 19. Februar gab es im E-Werk in der Mauerstraße 79 (der Name hat nichts mit der früheren sogenannten Berliner Mauer zu tun) eine 100-Jahr-Geburtstagsparty des Baltischen Films. Das E-Werk wurde in den Jahren 1924-1928 als Umspannwerk gebaut und ist heute eines der größten und bekanntesten Veranstaltungszentren in Berlin. In dessen großer Halle fand die Party statt.

Die Filmindustrie aus den drei baltischen Ländern versuchte, sich zu präsentieren. Informationshungrige wurden vornehmlich vom estnischen Filminstitut befriedigt, während Lettland und Litauen sich auf Flyer beschränkten. Das Magazin „Estonian Film“, Ausgabe 1/2018, präsentierte sich als professionell, aufwendig gestaltet und sehr informativ. Vielfalt und Qualität der Filme aus den baltischen Ländern sollten bald dazu führen, dass auch diese Werke in den kommenden Jahren die gleiche Medienaufmerksamkeit genießen, wie die Filme aus den Staaten mit großer Filmindustrie, auch wenn sie nicht immer dem gerade herrschenden Mainstream oder Themen, die periodisch die Medien beherrschen (Flüchtlinge, Genderprobleme, „Me too“ etc.) folgen.

Es ist auch zu wünschen, dass das Werben mit den sehr günstigen Bedingungen für Investoren kurzfristig von Erfolg gekrönt sein wird. Naturgemäß sind die finanziellen Ressourcen kleiner Länder begrenzt. Es herrscht aber weit überdurchschnittliche rechtliche und wirtschaftliche Zuverlässigkeit.

Foto: Magazin-Cover

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