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18. Feb 2018
07. Woche
5. Jahrgang

Buchvorstellung zu DDR-Anwälten in der Ära Honecker in Dresden

Buchumschlag, Christian Booß - Im goldenen Käfig ...Am 27. Februar stellt der Historiker Dr. Christian Booß sein Buch „Im goldenen Käfig: Zwischen SED, Staatssicherheit, Justizministerium und Mandant - die DDR-Anwälte im politischen Prozess“ im Dresdner Landgericht vor.

Das Buch beleuchtet die Rolle von DDR-Anwälten in politischen Strafprozessen der 1970er und 1980er Jahre. Welche Handlungsspielräume hatten sie? Wie viele von ihnen waren Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi? Welche Auswirkungen hatte das auf die Gerichtsprozesse?

In seiner profunden Studie gibt Autor Antworten auf diese Fragen. Über 1000 Prozess- und Ermittlungsakten hat er gesichtet und daran die Rolle der DDR-Anwaltschaft erstmals systematisch analysiert. Ein spannendes und bisher kaum bekanntes Kapitel deutscher Justizgeschichte!

Zu den ersten prominenten Persönlichkeiten, die in der Friedlichen Revolution unter Stasi-Verdacht gerieten, gehörten auffällig viele Rechtsanwälte, die in den Umbruchzeiten als Politiker antraten. Bewusst oder unbewusst haben diese »Enthüllungen« das Bild der DDR-Anwälte bis heute geprägt. Eine wissenschaftliche Analyse der DDR-Anwaltschaft auf breiter Quellenbasis steht bisher allerdings aus.

Der Buchator untersucht die Tätigkeit der Verteidiger in den politischen Prozessen der Honecker-Ära. Dazu wurden über 1000 Prozess- und Ermittlungsakten ausgewertet. Um diese Akten interpretieren zu können, greift die Studie jedoch weit über diese Prozesse hinaus. Beleuchtet werden die Umstrukturierung der Anwaltschaft in Ostdeutschland seit 1945, die Ausbildung der Anwälte und die Versuche von SED, Justizapparat und Stasi, sie im Sinne des Idealbildes vom »sozialistischen Anwalt« zu beeinflussen.

Obwohl die Zahl der inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi unter Anwälten eher höher war als in anderen Berufsgruppen, wurde offenbar meist auf anderen Wegen versucht, das Anwaltsverhalten im Prozess zu beeinflussen. Zur Verkümmerung der Prozesskultur trug auch bei, dass sich die meisten Verfahren gegen Personen richteten, die die DDR verlassen wollten. Diese wurden oft von der Kanzlei Wolfgang Vogels vertreten. Die engen Handlungsspielräume der DDR-Anwaltschaft sind auch ein Symptom für die Einschränkung der Freiheit des Einzelnen in der DDR und besonders der Angeklagten in politischen Strafverfahren.

Die Buchvorstellung findet im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Dresden, Lothringer Straße 1, statt. Es moderiert Sven Felix Kellerhoff, der leitende Redakteur Geschichte der Welt. Sie ist eine Kooperationsveranstaltung des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des Landgerichts Dresden.

Beginn ist 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Begrüßung:
Martin Uebele (Präsident des Landgerichts Dresden) und Lutz Rathenow (Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur)

Buchvorstellung:
Dr. Christian Booß (Projektkoordinator der Abteilung Bildung und Forschung des BStU)

Moderation:
Sven Felix Kellerhoff (Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der Zeitung „Die Welt“)

Klappentext:
Im goldenen Käfig: Zwischen SED, Staatssicherheit, Justizministerium und Mandant – die DDR-Anwälte im politischen Prozess
Von Christian Booß
Vandenhoeck & Ruprecht, 12.06.2017 - 813 Seiten

Foto: Buchcover


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