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Estland: Ehemaliger Staatspräsident berichtet über seine Zwangsmitgliedschaft in der KP

Buch „Letzte Ritter. Die Spuren von Arnold Rüütel auf dem estnischen Boden“Buch „Letzte Ritter. Die Spuren von Arnold Rüütel auf dem estnischen Boden“Arnold Rüütel hat seine Biographie "Viimane Rüütel. Arnold Rüütli jäljed Eesti pinnal" („Letzte Ritter. Die Spuren von Arnold Rüütel auf dem estnischen Boden“) veröffentlicht. Das estnische Wort „rüütel“ ist auf deutsch „Ritter“. In seiner Lebensbeschreibung berichtet der ehemalige Staatspräsident der Republik Estland, dass ihm einst seine Mitgliedschaft in der sowjetischen Kommunistischen Partei (KP) aufgezwungen worden sei.

Der Agrarwissenschaftler war seit 1964 Angehöriger der KP. Damals arbeitete er im Landwirtschaftsinstitut, als ihm der Direktorposten der Tartuer Versuchssowchose angeboten wurde. Eine Sowchose war in der Sowjetunion ein Landwirtschafts(groß)betrieb im Staatsbesitz mit angestellten Lohnarbeitern. Im kommunistischen System war es vorgesehen, dass alle Führungspersönlichkeiten auch in die KP eintreten. Doch es gibt auch mehrere Fälle leitender Kader, die dies verweigerten und dennoch die hohe Position behalten konnten. Deswegen ist die Aussage Rüütels nicht nachzuvollziehen, vor allem, weil er nicht nur einfaches Mitglied der KP war.

1971 wurde das spätere Staatsoberhaupt sogar zum Mitglied des Zentralkomitees der estnischen KP gewählt. Er stieg in der kommunistischen Nomenklatura zudem noch bis zum Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets der Estnischen Sozialistischen Sowjetrepublik auf. Dieses Amt hatte Rüütel sieben Jahre, vom 1983 bis 1990 inne. Im März 1990 wurde er zum Vorsitzenden des Obersten Rates (Staatspräsidenten) gewählt. Nach dem Ende der zweiten Amtsperiode von Lennart Meri wurde der Ex-Kommunist im Oktober 2001 erneut Staatspräsident. 2006 entschied er sich, für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, jedoch nicht in den regulären Wahlgängen im Parlament, sondern erst in der um Vertreter der Landkreise und Gemeinden erweiterten Wahlversammlung der dritten Runde, wenn die beiden Ersteren scheitern würden. Dieser dritte Wahlgang fand am 23. September 2006 statt; Rüütel verlor sie mit 162 zu 174 Stimmen gegen den Sozialdemokraten Toomas Hendrik Ilves.

Das Buch wurde zusammengestellt von Peeter Ernits, der der linksorientierten Zentrumspartei angehört. (asie/tmich)

Foto: Johannes Jansson / Wikipedia