Google+

Der neue Roman von Sofi Oksanen - Eine haarige Angelegenheit

Von Aino Siebert

„Die Sache mit Norma“, Buchcover„Die Sache mit Norma“, Buchcover

Die finnisch-estnische Schriftstellerin Sofi Oksanen behandelt in ihrem jüngsten Werk „Die Sache mit Norma“ erneut die Frauenrechte, die ihr, wie schon im „Stalins Kühe“ und „Fegefeuer“, sehr am Herzen lagen. Aktuell geht es um die wirtschaftliche und emotionale Ausbeutung von Frauen, fragwürdige Geschäfte mit Echthaaren und die Leihmuttermafia.

Der Roman beginnt mit einer Beerdigung. Die 30-jährige Norma, immer noch alleinstehend, hat soeben ihre Mutter Anita verloren. Beide standen sich nah, sie führten eine symbiotische Beziehung. Nun muss die Tochter damit klar kommen, dass der tödliche Sturzunfall ihrer Mutter auf die Schienen der Helsinkier U-Bahn Selbstmord war.

Norma hat zudem ein Geheimnis, das mit ihrem extrem schnellen Haarwuchs, verursacht durch die seltene Erbkrankheit Hypotrichose, zu tun hat. Ihre Haare wachsen nämlich so schnell wie die von Rapunzel, doch außer ihrer verstorbenen Mutter weiß niemand etwas davon.

Die junge Frau will nicht glauben, dass die Mutter sich ohne eine Verabschiedung von ihr das Leben genommen hat. Sie nimmt Nachforschungen auf und stößt auf eine Welt, die aus Lügen, Abzocke und Irrsinn besteht. Sie findet sich plötzlich im Mittelpunkt illegaler Menschenhaargeschäfte und spürt noch die Leihmuttermafia auf. Norma stellt auch fest, dass ihre Mutter sie jahrelang wie eine Mastgans mit Vitaminen gefüttert hat, um ihr Haar mit einem guten Preis an die Gauner absetzen zu können. Parallel zu Kriminalgeschichten erzählt Oksanen noch die Saga von Anitas und Normas Familie.

Trotz guter Zutaten und exzellenten Erzählungsstiles sorgt das Buch, das mit zu vielen Protagonisten und Handlungsorten als ein Kriminalroman beginnt, in eine Familientragödie mündet und als Thriller endet, bei denjenigen Lesern, die Mystik und Hokuspokus nicht mögen, für Irritationen – nicht nur, weil einige Handlungen prosaisch betrachtet nicht einleuchtend sind, sondern auch, weil sie realitätsfremd erscheinen.

Die Autorin hätte bei einem Thema bleiben müssen. Doch Oksanen wollte offensichtlich dem weiblichen Geschlecht etwas Gutes tun. Sie würzt ihren Roman allerdings mit zu vielen Parallelthemen ab und macht das ernste gesellschaftliche Thema der Frauenausbeutung zum bizarren. Der Aufbau des Buches ist zudem derart unübersichtlich, dass, wer den Faden nicht verlieren will, sich Notizen machen muss.