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Usedomer Musikfestival: Neeme Järvi dirigiert Abschlusskonzert in Peenemünde

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NeemeJärvi, 2007 in LudwigsburgNeemeJärvi
2007 in Ludwigsburg
Von Aino Siebert

Am Samstag 12. Oktober um 20 Uhr dirigiert der estnische weltbekannte Dirigent Neeme Järvi das NDR Sinfonieorchester bei der Abschlusskonzert der Saison im Musikland Mecklenburg-Vorpommern. Die Musikaufführung findet im Kraftwerk des Museums Peenemünde statt. An der Seite der Maestro werden als Solisten seine Tochter Maarika Järvi (Flöte) und Kalev Kuljus (Oboe) auftreten.

Auf dem Programm stehen die „Estnische Tanzsuite“ und die „Sinfonie Nr. 4 A-Dur , genannt Sinfonia lirica“ von Eduard Tubin (1905-1982), das „Konzert für Oboe und Orchester C-Dur KV 314“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und „Chant of the Celestial Lake“ von Peeter Vähi (geboren 1955).

Neeme Järvi – Beste Werbemarke Estlands
Meine eigene erste Erlebnisse der klassischen Musik in Estland sind fest mit dem Namen Neeme Järvi verbunden. Mit seiner einmaligen Art den Besucher und seinem Orchester die Botschaft der Tonkünstler zu überbringen, machte er sich nicht nur in seinem Heimat beliebt, sondern im gesamten Sowjetunion und später im Ausland.

Erst vor etwa zehn Jahren habe ich den großen Maestro und seine Frau Liilia in der Frankfurter Alten Oper persönlich kennengelernt. Er stand vor seinem damaligen Orchester, den Göteborger Symphoniker und war genau so wie in meinem Kindheitserinnerungen: zurückhaltend, und doch offen. Seinen individuellen (tänzerischen) Stil und sein Begeisterungsvermögen hatte Neeme Järvi all durch die Jahre nicht verloren.

Der Musikgenie aus Estland ist wie ein alter Wein, der mit den Jahren besser, reifer geworden ist, und doch dabei frischen Geschmack beibehalten hat. Auch seine Söhne Paavo und Kristjan, die in des Vaters großen Fußstapfen getreten sind, und Tochter Maarika (Flötistin) haben ihren Begeisterung für das Klangreich von Papa geerbt.

Die Järvi-Familie ist die beste Werbemarke, die Estland je zu bieten hatte. Obwohl es Liilia Järvi immer gelingt im Hintergrund zu stehen, ist ihre starke Rolle in der Familie spürbar. Ohne Frau Järvi an der Seite des Clans wäre die estnische „Dirigentenmaffia“ Järvi überhaupt nicht denkbar.

Liilia und Neeme JärviLiilia und Neeme Järvi

Der Maestro erblickte in unruhigen Zeiten die Welt
Am 7. Juni 1937, einige Jahre vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde in Estlands Hauptstadt Tallinn (Reval) – das Land war noch nicht von Sowjets besetzt – in der Familie von August und Elss Järvi der zweite Sohn, Neeme, geboren. Sein älterer Bruder Vallo Järvi (1923-1994), auch Dirigent, hatte zu jener Zeit mit seiner Musikausbildung schon begonnen.

Den höchst musikalischen Eltern, die Balalaika, Mandoline und Gitarre spielten, war im Zarenreich (Estland gehörte bis zum 1918 zu Russland) keine Musikerkarriere vergönnt und so setzten sie alle ihre Hoffnungen auf ihre Söhne. “Meine Mutter,” erzählte Neeme Järvi, “hatte einen sonnigen Charakter, sie hielt unsere Familie fest zusammen. Ihre positive Lebenseinstellung gab sie uns und meinen Kindern weiter.”

1941 griff Deutschland die Sowjetunion an – der Krieg erreichte schnell auch Estland, das Land wurde gemäß dem Hitler-Stalin Pakt von den Kommunisten okkupiert. Das Familienoberhaupt wurde gezwungen die Uniform der Roten Armee anzuziehen.

Die Russen wurden danach von der Hitler-Armee für einige Jahre aus Estland verdrängt. Die deutsche Besatzung lief für die meisten Esten, sofern sie nicht Juden oder Kommunisten waren, in dem Ostseeland verhältnismäßig friedlich ab. Den zweiten Einmarsch der russischen Armee im Jahre 1944 empfand der damals siebenjährige Junge als großes Leid, denn nicht nur seine Mutter Elss wurde von Russen ständig belästigt, die Soldaten stahlen auch sein Pferd Selma, was für das Kind eine große seelische Katastrophe bedeutete.

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