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Birkenrinde und Porzellan

Behältnis aus Birkenrinde von A. KoshchejewaBehältnis aus Birkenrinde von A. KoshchejewaVon Ülo Salm, Berlin

Die aus Litauen stammende Berlinerin Giedre Bartelt stellt in ihrer Galerie „Trofejas“ in der Charlottenburger Wielandstraße 31 immer wieder Kunst und Kunsthandwerk aus Nord- und Osteuropa aus. Ihre Liebe gilt hierbei natürlich ihrer ursprünglichen Heimat und den anderen baltischen Ländern.

Am 8. März eröffnete Giedre Bartelt allerdings eine Ausstellung mit Werken zwei junger Künstlerinnen anderer Herkunft, eine aus Sibirien, die andere aus Friesland stammend, beide mittlerweile Berlinerinnen.

Anastasia Koshchejewa, die ihre künstlerische Ausbildung in Deutschland absolviert hat, entdeckte vor etlichen Jahren ihre Liebe zu einem Baum, der schon in der Altsteinzeit vor etwa 400.000 Jahren von den Menschen genutzt wurde – der Birke.

Ihre Rinde diente in der Antike im Gebiet des Himalaja und in Nordeuropa als Schreib- material, wie die Papyrusstaude den alten Ägyptern zur Zeit der Pharaonen. Die Birke lieferte mit ihrer Rinde aber auch das Material zur Herstellung verschiedenster anderer Produkte. Die Indianer Nordamerikas nutzten Birkenrinde zum Bau von Wigwams und Kanus.

In Skandinavien, Finnland, die baltischen Ländern, Russland und Sibirien wurden Gefäße, Kleidungsstücke, Rucksäcke und vieles andere aus Birkenrinde hergestellt. Bei „Trofejas“ ist ein 100-150 Jahre alter Rucksack aus Birkenrindengeflecht zu sehen, der immer noch keinerlei Schäden zeigt. Heute ist noch ein ganz anderes Produkt bekannt und beliebt geworden, nämlich der aus den unteren Schichten der Birkenrinde gewonnene sog. Birkenzucker (Xylit).

Keramik von Anna BadurKeramik von Anna Badur

Anastasia Koshchejewa stellt aus der Rinde sibirische Birken, die baumschonend gewonnen wird, neben Kleinmöbeln und Lampenschirmen vornehmlich Gefäße her, die zur Aufbewahrung von Lebensmitteln aller Art geeignet sind, angefangen von Brot über Gewürze bis zu Kaffee und Tee. Das Material ist fast unverwüstlich, resistent gegen Bakterien, Schimmel, Feuchtigkeit. Es isoliert, ist wasserdicht, sehr leicht und bedarf kaum irgendwelchen Pflegeaufwands.

Besonders die optisch sehr ansprechenden Dosen passen in ihrem fast eleganten Design und ihren glatten Oberflächen in jeden Raum und jede Küche, gleich ob modern oder althergebracht.

Für Interessierte: www.anastasiyakoshcheeva.com

Aus einer anderen Welt stammt Anna Badur. Ihre künstlerische Ausbildung genoss sie in Deutschland und den Niederlanden. Das Feld der von ihr verwendeten Materialien ist weit. Sie arbeitet mit Beton, Keramik, Porzellan und Textilien. Was dabei herauskommt, reicht von der Gartenbank und dem Hocker aus Beton, beides anatomisch und praktisch perfekt designed und mitunter das Auge betrügend, (wenn beispielsweise das Kissen auf dem Hocker wie ein weiches Polster erscheint), bis zu Kissen und Trinkbechern.

Bei Giedre Bartelt sind vornehmlich aus Porzellan gefertigte Teller, Schalen, Becher und Vasen zu sehen, minimalistisch und vollendet in ihrer Gestaltung. Bei Anna Badur ist ihre Herkunft von der Nordseeküste unverkennbar. Die Küstenlandschaft, Wind und Meer prägen in Gestalt und Farbe das Geschirr. Bei den Bechern und Vasen spürt man förmlich im Dekor das bewegte Wasser.

Im Porzellanbereich arbeitet Anna Badur mit der altehrwürdigen thüringischen Porzellanmanufaktur Kahla zusammen - eine gute Wahl. Die 1844 gegründete Manufaktur hat alle Kriege und politischen Wechsel unter einigen Wehen letztendlich gut überstanden und ihren internationalen guten Ruf nie eingebüßt, auch nicht zu DDR-Zeiten. Heute glänzt der Porzellanhersteller nicht nur durch Innovationen, sondern auch durch preisgekröntes Design.

Die breite Palette von Anna Badurs Schaffen bietet sich auf ihrer Webseite an: www.annabadur.de

Beiden jungen Künstlerinnen (30 bzw. Anfang 30) ist reicher Lohn für ihre viele und intensive Arbeit zu wünschen. Langfristiger Erfolg scheint gewiss.

Fotos: Webseiten der Künstlerinnen



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