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Berlin: Jazz im „Schlot“

Kirje KarjaKirje KarjaVon Ülo Salm, Berlin

In der Invalidenstraße 117 in Berlin-Mitte findet man das „Kunsthaus Schlot“, einen bekannten Jazzkeller, schon zu DDR-Zeiten als besonderes Musiklokal populär und auch nach der Wende so geblieben. Erwähnenswert: Der moderate Eintrittspreis (13 Euro).

Dort gab es am 11. November zwar keine Karnevalseröffnungsfeier, sondern einen wunderbaren Jazzabend mit dem Kirke Karja Kvartet aus Tallinn: Kirke Karja am Flügel, Karl-Juhan Laanesaar (Drums), Raimond Mägi (Kontrabass), Kalle Pilli (E-Gitarre).

Das Repertoire der Band orientiert sich an der Klassik des 20. Jahrhunderts, wie beispielsweise Stockhausen, spielte aber auch eigene Kompositionen (an jenem Abend ein Stück von Kirke Karja und eines vom Gitarristen Kalle Pilli). Die E-Gitarre, brillant und souverän beherrscht, dominiert. Das übliche Saxophon fehlt gänzlich, sodass der dargebotene Jazz-Sound etwas anders erscheint, als der Standard, wie man ihn zumeist kennt. Man spielt diszipliniert, äußerlich unterkühlt und sachlich, dennoch mit Hingabe und auf hohem Niveau. Mit Ausnahme der E-Gitarre wird vom Blatt gespielt. Es gibt keine emotional gesteuerten Improvisationen. Dennoch bringen es die 4 Musiker fertig, das Publikum zu begeistern und zu spontanem Beifall hinzureißen.

Mit Recht ist die Truppe nicht nur in ihrer Heimat, sondern international erfolgreich. Auftritte in vielen Städten Europas (Budapest, Graz, Bamberg, London, Marseille, Moskau u.a.) haben es bewiesen. Man kann nur wünschen, dass sie im nächsten Jahr wieder in Berlin auftreten werden.

Foto: © Jazzkaar.ee