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Stuttgart: Tschechow und Knipper: „Schreiben Sie, mir ist sonst so langweilig!“

Hotel Römerbad in Badenweiler, wo Tschechow kurze Zeit wohnte, bevor er wegen seiner Tuberkulose gezwungen wurde umzuziehen. Noch heute befindet sich dort ein Tschechow-ZimmerHotel Römerbad in Badenweiler, wo Tschechow kurze Zeit wohnte, bevor er wegen seiner Tuberkulose gezwungen wurde umzuziehen. Noch heute befindet sich dort ein Tschechow-ZimmerDer Briefwechsel des Schriftstellers Anton Tschechow mit der gefeierten Schauspielerin Olga Knipper vom Moskauer Künstler-Theater gilt bis heute als einer der schönsten der Weltliteratur und gewährt wundervolle Einblicke in das künstlerische Schaffen am Theater und das gesellschaftliche Leben in Russland um die Jahrhundertwende. Diese Spur nimmt das Ensemble WORTON auf.

Mit der Musik von Rachmaninow, Prokofjew und Schostakowitsch verschmelzen die phantasievoll-zärtlichen Briefe, ergänzt durch Szenen und humorige Kurzgeschichten Tschechows, zu einem bewegenden Bühnenstück über ein außergewöhnliches Künstlerpaar in der Blütezeit der russischen Literatur und Musik, das Andrea Hancke, Michael Stülpnagel sowie Andreas Baumann (Klavier) und Uriel Stülpnagel (Violoncello) in Stuttgart am 13. Dezember in Stuttgart aufführen.

Stuttgart, 13.12.2017, 18.00 Uhr
Ensemble WORTON: Anton Tschechow & Olga Knipper
„Schreiben Sie, mir ist sonst so langweilig“

Ort: Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Großer Saal
Schlossstraße 92, 70176 Stuttgart
Der Eintritt ist frei. Einlass bis zum Erreichen der höchstzulässigen Besucherzahl.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Stadtbahnlinien U2, U29, Buslinie 41, Haltestelle Schloss-/Johannesstraße, S-Bahn: Feuersee. Anfahrtsplan im Internet: http://hdhbw.de/anfahrtsplan.htm

Näheres zu diesem und weiteren Events finden Sie im Veranstaltungskalender

Info:

Hunderte von Briefen haben sie sich geschrieben, der Schriftsteller Anton Tschechow (29. Januar 1860 – 15. Juli 1904) und die gefeierte Schauspielerin Olga Knipper vom Moskauer Künstler-Theater. Bei den Proben der „Möwe“ im Jahr 1898 lernten sie sich kennen, und ihnen verblieben nur knappe fünf Jahre für ihr gemeinsames Leben. Eine Liebe zwischen ihren Lebensorten in der russischen Hauptstadt und Jalta auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim, eine Liebe zwischen den Zeilen, eine Liebe in Briefen.

Anton Tschechow war ein bedeutender russischer Schriftsteller. Seine humorigen Geschichten werden von Lesern noch heute geliebt, denn die Erzählungen bringen sie zum Nachdenken darüber, welche Rolle der Mensch in unserer Welt spielt. Tschechows Dramen wie „Der Kirschgarten“, „Onkel Wanja“, „Drei Schwestern“ und „Die Möwe“ haben einen festen Platz in der Weltliteratur und zählen zu den meistgespielten Theaterwerken.

Tschechow wurde am 29. Januar 1860 in Taganrog, einer Hafenstadt in Südrussland an der Küste des Asowschen Meeres, geboren. Zusammen mit fünf Geschwistern wuchs er in der Familie eines Handelsvertreters auf und genoss eine gute Erziehung. Weil die Geschäfte nicht gut liefen, zog die Familie nach Moskau, wo sie gezwungen war, einige Zeit in sehr ärmlichen Verhältnissen zu leben. 1879 nahm der junge Mann sein Studium an der medizinischen Fakultät der Moskauer Staatsuniversität auf, das er mit der Veröffentlichung seiner komischen Kurzgeschichten finanzierte. Nach seinem Abschluss ging er als Arzt nach Woskresensk, dem heutigen Istra, etwa 60 Kilometer von Moskau entfernt. Neben seiner Arbeit im Krankenhaus schrieb der junge Mediziner emsig weiter.

Ein wichtiger Meilenstein in Tschechows Leben war seine Reise auf die Insel Sachalin im Pazifik im Jahr 1890. Auf die Grenzinsel zwischen dem Ochotskischen und dem Japanischen Meer wurden damals Sträflinge und politische Gefangene verbannt. Während seines dreimonatigen Aufenthaltes in dieser finsteren Gegend Russlands hat der Literat den grausigen Alltag der Einwohner und Gefangenen hautnah erlebt und dokumentiert. Er besuchte Gefängnisse, arbeitete als Arzt, Forscher, Soziologe und führte sogar eine Volkszählung durch. Seine Eindrücke verarbeitete er dann in seinem Buch „Die Insel Sachalin“.

Tschechow war nicht nur als Schriftsteller erfolgreich, sondern er engagierte sich noch sozial. Er errichtete Schulen für Bauernkinder, baute eine Feuerwache, beteiligte sich am Straßenbau, organisierte Pflanzaktionen, eröffnete eine Arztpraxis, in der er kostenfrei die Einwohner anliegender Dörfer behandelte, und kämpfte gegen die Cholera-Epidemie, die 1892 ausgebrochen war.

Bereits seit seiner Jugend litt Tschechow an Tuberkulose. Im Frühjahr 1897 verschlechterte sich sein Zustand so sehr, dass er mit einer inneren Blutung in ein Krankenhaus in Moskau eingeliefert wurde. Auf Anraten seiner Ärzte fuhr der Schriftsteller in den Süden. Nach einem Aufenthalt in Nizza fuhr er nach Jalta. Auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim baute Tschechow ein Haus und legte einen schönen Garten an. Obwohl schwer krank, kümmerte er sich um bedürftige Lugeninfektkranke, die sich keinen Medikus leisten konnten.

Regelmäßig fuhr der erfolgreiche Literat nach Moskau und St. Petersburg, der Metropole des russischen Kulturlebens. 1898 lernte er die berühmte Schauspielerin Olga Knipper kennen, die auch in seinen Bühnenstücken die Hauptrollen spielte. Drei Jahre später heiratete das Paar.

Obwohl seine Frau in Moskau blieb, als er wieder wegen seiner TBC nach Jalta musste, schrieben sich die Liebenden Briefe, die gegenseitigen Respekt und große Gefühle bezeugen.

Im Frühjahr 1904 verschlechterte sich Tschechows Zustand wieder. Begleitet von seiner Gattin fuhr er nach Deutschland, zum Heilkurort Badenweiler im Schwarzwald. Dort wohnten die Eheleute zuerst im Hotel Römerbad. Als jedoch durch einen „blauen Heinrich“ *) in der kleinen Stadt bekannt wurde, dass Tschechow Tuberkulose hat, wurde er höflich gebeten, eine andere Bleibe zu suchen. Diese fand er im Hotel Sommer. Dort orderte Tschechow, so wird es erzählt, kurz vor seinem Tod am 15. Juli 1904 ein Glas Champagner, trank es langsam aus und sagte, dass er jetzt er sterben könne. Und in der Tat, kurz darauf verstarb er in seinem Bett. Tschechows sterbliche Überreste wurden nach Moskau gebracht und dort auf dem Friedhof des Neuen Jungfrauenklosters beigesetzt.

Vier Jahre später ließen Freunde und Anhänger des Schriftstellers am Badenweilerer Burgberg ein Bronzedenkmal errichten. Gleichzeitig brachte man am Hotel Sommer (der heutigen Rehaklinik Park Therme) eine Gedenktafel an. Im Juli 1998 wurde in Badenweiler ein Literarisches Museum „Tschechow Salon“ eröffnet.

*) Als „Blauer Heinrich“ wurde ein eiförmiges Gefäß mit einem aus kobaltblauem Glas hergestellten Unterteil und einem mit einer Gummidichtung versehenen Sprungdeckel versehener Taschenspucknapf für an Tuberkulose erkrankte Patienten genannt.

Foto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert