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18. Feb 2018
07. Woche
5. Jahrgang

Lesung am 10. Mai in Berlin: „Wikmans Zöglinge“ von Jaan Kross

Wikmans Zöglinge - BuchumschlagDer Verleger Wolf-Rüdiger Osburg stellt am 10. Mai im Berliner Pankebuch „Wikmans Zöglinge“ („Wikmani poisid“) vor, einen Literaturschatz des großartigen estnischen Erzählungsmeisters Jaan Kross (1920–2007). Das Buch ist erschienen in Osburg Verlag und wurde übersetzt von Irja Grönholm. In Estland gehört dieser Roman des bedeutendsten Gegenwartsautors des Landes zum Kulturgut.

Vielseitiger Schriftsteller

Jaan Kross wurde 1920 in Tallinn geboren und starb dort 2007. Im Frühjahr 1944 wurde er von den deutschen Besatzern und 1946 von den Sowjets verhaftet. Bald nach seiner Rückkehr aus Deportation in Sibirien 1954 folgten erste Veröffentlichungen. Seitdem war er als freier Schriftsteller tätig. Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 1997 und 1998 war Kross für den Literatur-Nobelpreis nominiert.

Zu Kross’ Werken gehören elf Romane, sechs Erzählungen, 27 Novellen, seine zweiteilige Autobiographie, sechs Lyrikbände, ebensoviele Essaysammlungen sowie einige Theaterstücke, Bücher für Kinder, Übersetzungen und Opernlibrettos.

„Der Verrückte des Zaren“ über den deutschbaltischen Adligen Timotheus Eberhard von Bock gilt als Kross’ bester Roman. Bekannt ist zudem sein Werk „Professor Martens´ Abreise“ über den russischen Diplomaten Friedrich Fromhold Martens, der wegen seiner wissenschaftlichen Themen und nationalen Loyalität besonders bei Intellektuellen beliebt ist. In „Das Leben des Balthasar Rüssow“ widmet sich der Schriftsteller dem Leben in Rewal (heute Tallinn) im 16. Jahrhundert, und in „Die Frauen von Wesenberg“ (heute Rakvere) beschreibt Kross die Bemühungen der Stadt, sich von der unrechtmäßigen Herrschaft der Adelsfamilie Tiesenhausen zu befreien. Alle diese Bücher liegen in deutschen Übersetzungen vor.

Jetzt erscheint einer der letzten seiner großen historischen Werke in deutscher Sprache. „Wikmans Zöglinge“ ist eine lebendige, anekdotenreiche Schulgeschichte auf großer literarischer Bühne.

Bearbeitung der eigenen Lebensgeschichte

Nachdem Jaan Kross sich bis dahin mit dem Genre des historischen Romanes beschäftigt hatte, wandte er sich in der Ära der Singenden Revolution (Ende der 80er Jahre) seiner eigenen Lebensgeschichte zu. Der Roman erschien in Estland im Verlag Eesti Raamat in einer Auflage von 50.000 Exemplaren und umfasste 525 Seiten.

Protagonist des Romanes ist der junge Jaak Sirkel, eigentlich Jaan Kross selber, der das Wikmansche Gymnasium in Tallinn besucht, eine der renommiertesten Lehranstalten Estlands. Die heute noch bestehende, nur zwischenzeitlich umbenannte Schule, auf der der Erzähler 1938 tatsächlich das Abitur machte, war das Jakob Westholmsche Gymnasium.Das Jakob Westholmsche Gymnasium, erbaut 1913Das Jakob Westholmsche Gymnasium, erbaut 1913

Die Handlung beginnt mit dem Verweis des Schülers Juhan Pukspuu wegen einer Papierkorbexplosion während des Religionsunterrichtes. Dozent Tooder wäre dabei fast erblindet. Obwohl die ganze Klasse absichtlich die Detonation gegen den unbeliebten Lehrer geplant hatte, gibt nur Pukspuu zu, dabei gewesen zu sein.

Pukspuu muss die Einrichtung verlassen, doch die Schulleitung ist bereit, ihn wieder aufzunehmen, wenn er die Prüfungen für den Eintritt in die elfte Klasse besteht. Seine Mitschüler, geplagt von Schuldgefühlen, geben nun Pukspuu Geld für Nachhilfestunden. Besonderes hart trifft es den aus armen Verhältnissen stammenden Klassenbesten Richard (Riks) Laasik.

In der Folge werden verschiedene Ereignisse aus dem Schulalltag geschildert, wobei neben Schülerstreichen noch ernsthafte Probleme und Aussprachen Jugendlicher in der Zeit politischen Spannungsfeldes vor dem Zweiten Weltkrieg beschrieben werden. Natürlich dürfen die klassischen Liebesgeschichten nicht fehlen.

Das Buch endet im übertragenen Sinne ein weiteres Mal mit einer Explosion: der Zweite Weltkrieg beginnt, und die Rote Armee okkupiert Estland. Im letzten Kapitel schließt sich der Kreis symbolisch durch die Erwähnung des Schicksales des Dozenten Tooder: wie viele Esten flüchtet er 1944 vor den erneuten sowjetischen Okkupation. Allerdings ist eine Flucht im Ruderboot über die stürmische Ostsee nach Schweden ein hoffnungsloses Vorhaben, weshalb Jaak Sirkel ihm seine Hilfe verweigert. Später wird er erfahren, dass seine große Liebe Virve Estland ebenso verlassen hat. (asie/tmich/Wikipedia)

PANKEBUCH Am 10. Mai um 20 Uhr
Karten 10 Euro, im Vorverkauf 8 Euro
Wilhelm-Kuhr-Str.5 13187 Berlin-Pankow
www.pankebuch.de

Foto: Wikipedia


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