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Regensburger Katholikentag sorgt im Vorfeld um Schlagzeilen

Geistlicher - SymbolbildVon Aino Siebert

Im vergangenen Woche hat die katholische Kirche per Post Einladungen zum nächsten Katholikentag nach Regensburg geschickt. Dies soll vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2014 zum 99. Mal statt finden.

Regensburg in Bayern ist einer der ältesten Städte Deutschlands. Das Wahrzeichen der Stadt an der Donau ist die Steinerne Brücke. Und auch der Katholikentag 2014 steht im Zeichen des Verbindens, denn gemäß dem Leitwort „Mit Christus Brücken bauen“ wollen Katholiken im kommenden Jahr gemeinsam Brücken schlagen.

Trotz guten Absichten, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger am 25. Oktober, greift der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nach der Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (53) und so mitten in der aktuellen Debatte über mehr Transparenz und Partizipation in der katholischen Kirche in Programm- und Personalplanung des Katholikentags 2014 ein. Auf sein Votum hin soll die bisherige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht an einer Diskussion zum Staat-Kirche-Verhältnis und zum positiven Beitrag der Religion im säkularen Staat teilnehmen. Auf einem „zu einseitig“ mit „kirchenkritischen Stimmen“ besetzten Podium sollte FDP-Politikerin ersetzt werden durch „jemanden, der die Pro-Religion-Position unterstützten könnte“, so die zuständige Rednerkommission.

Vertrauen in die Kirche verloren
Diese Entscheidung zerrüttet die schon jetzt angeschlagene Verhältnis zwischen Kirche und Gläubigen noch mehr. Nach der Missbrauchskandalen an Kindern hinter den dicken Mauern der katholische Kirche war halbwegs Ruhe eingekehrt. Doch dann sorgte das prasserische Treiben von des Monsignore aus Limburg für einen neuen handfesten Skandal. Medien und soziale Netzwerke überschlagen sich derzeit vor Hohngelächter über den "Krösus" unter den Bischöfen. Der Konflikt hat auch Vatikan erreicht, Papst Franziskus sprach sein Machtwort und ließ Tebartz-van Elst sein Amt ruhen. Die Dauer des Zwangsurlaubs ist ebenso offen wie seine Zukunft. Gründe für die Ungnade sind ein bis zu 40 Millionen Euro teurer Amtsitz des Klerikers, eine Luxusreise nach Indien, um die Armen zu helfen und Falschaussagen des Bischofs. Die Staatsanwaltschaft in Hamburg ermittelt.

Erzbischof Robert Zollitsch auf dem Kirchentag 2012 in MannheimErzbischof Robert Zollitsch auf dem Kirchentag 2012 in MannheimDementsprechend braucht die katholische Kirche zur Zeit eigentlich keine negative Schlagzeilen mehr. Denn die Affäre um den verurlaubten Tebartz-van Elst bringen die Gläubigen dazu, wie auch während der Missbrauchskandale, ihre Mitgliedschaft in der Kirche zu überdenken. Nicht nur im Bundesland Hessen, wo die Bistum von Limburg liegt, sondern auch Südwestfalen meldet zur Zeit massenhafte Kirchenaustritte, berichtet WAZ-Online.

Auch die Anzahl von Theologiestudenten hat stetig abgenommen. Es fehlen Priester, Pastoralassistenten, Seelsorger und Religionspädagogen. Doch Vatikan will weiterhin Frauen oder verheiratet Geistliche nicht zum Priesteramt zulassen. In der Schweiz, wo die Situation nicht besser ist, will man nun mit einer Werbekampagne den Personalmangel bekämpfen: Seit kurzem wird im öffentlichen Verkehr Werbung mit Slogans wie „Vergiss Energizers. Die Arbeit mit den Kids verleiht Flügel“ gezeigt. Die Kampagne soll 900.000 Schweizer Fragen gekostet haben. Ob so eine Aktion den Personalmangel beseitigen wird, ist allerdings fraglich.

Obwohl die katholische Kirche in Deutschland noch in der Öffentlichkeit recht gelassen auf ihre aktuelle Probleme, u.a. die Personalmangel und Kirchenaustritte reagiert, kann sie die brennenden Themen nicht ignorieren. In Deutschland sank im Zeitraum 1990-2012 die Zahl der Priester von 19.707 auf 14.636. Der Priestermangel führte zu einer sakramentalen und seelsorglichen Unterversorgung der Gläubigen einzelnen Gebieten. Als Folge wurden verstärkt Priester aus anderen Staaten, besonders aus Polen, Indien und Drittweltstaaten in Deutschland eingesetzt. Schon vor vier Jahren sah sich die katholische Kirche aufgrund drastischer Einnahmerückgänge zu einem Verkauf von Immobilien gezwungen. Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte 2009 laut Magazin Focus in Fulda: "Für mich hat Priorität, dass wir uns von Immobilien trennen, die nicht Kirchen sind".

Caritas-Präsident Peter Neher sieht aktuell die katholische Kirche in Deutschland vor einem grundlegenden Wandel. Im Interview mit Neuen Osnabrücker Zeitung sagte der Prälat, das Eintreten des Papstes „für eine Kirche der Armen und auch eine arme Kirche“ sei eine „klare Aufgabe“. Dies gelte insbesondere, weil die katholische Kirche in Deutschland „eine der reichsten weltweit ist“. Daher müsse sie „das eigene Reden und Handeln kritisch überprüfen“.

Kirche legt ihre Finanzen weitgehend offen
Ein Gutes haben die Geschehnisse um den Limburger Bischof immerhin: Die katholische Kirche fühlt sich gezwungen, ihre Finanzen offen zu legen. In der führenden Medien Deutschlands konnte man nachlesen, wie die Kleriker besoldet und welche Privilegien ihnen eingeräumt werden: Dazu gehören unter anderem Mietfreie Wohnung und hochwertige Dienstwagen. Einkommen der Geistlichkeiten fällt in Bundesrepublik unterschiedlich aus. Es liegt daran, dass ihre Löhne von Bundesländern bezahlt werden. Im Klartext heißt das, dass jeder Steuerzahler, egal ob Kirchenmitglied oder nicht, für die Entlohnung der katholischen und evangelischen Klerikern aufkommen muss. Es liegt an der Tatsache, dass der deutsche Staat auch 200 Jahre nach der Säkularisierung Entschädigungsleistungen an die beiden Kirchen leistet, denn das Grundgesetzt der Bundesrepublik hat 1949 die entsprechenden Paragrafen der Weimarer Reichsverfassung übernommen. Ob es jetzt die Zeit gekommen ist, mit Entschädigungszahlungen an die Kirchen Schluss zu machen, wird in Deutschland zur Zeit heiß diskutiert.

Wie reich ist die katholische Kirche in Deutschland?
Katholische Kirche hat etwa 25 Millionen Gläubigen in Deutschland. Publizist und Kirchenkritiker Carsten Frerk, Autor der Werkes „Violettbuch“ meint, dass die Vermögen der katholischen Kirche rund 170 Milliarden Euro beträgt. Trotz Austritte flossen im vergangenen Jahr 5,2 Milliarden Euro Kirchensteuern in die Kassen, das sind 15 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Die deutsche Staat gibt dazu noch beiden Kirchen rund 460 Millionen Euro als Entschädigung für die staatlichen Enteignungen im 19. Jahrhundert. Davon werden auch die monatlichen Besoldungen von Klerikern bezahlt: Kardinal Reinhard Marx (München-Freising) bekommt laut Magazin Focus 11.500 Euro pro Monat. Miete muss er davon nicht zahlen. Er lebt in der Erzbischöflichen Palais in einem Drei-Zimmer-Wohung, die Kosten dafür werden von der Freistaat Bayern übernommen.

Doch die katholische Kirche ist auch ein wirtschaftliches Unternehmen, Träger von vielen Kinderorten, Schulen, Krankenhäuser und Altenheimen. Dazu kommen noch Beteiligungen von weltlichen Unternehmen wir die TV-Firma Tellux, das Mineralwasserproduzent Adelholzener, Brauereien, Hotels, Kolpinghäuser, Gästehäuser in Klostern und wie Das Baltikum-Blatt bereits berichtete, in Wohnungsgesellschaften. Dies macht Erzdiözese Köln einer der reichsten der Welt, wie die Zeitung Die Welt berichtet.

Symbolfoto: © Das Baltikum-Blatt / AWSiebert